Ratgeber
Mittwoch, 30. Mai 2007

Schlagfertig und motiviert: Frauen in Männerdomänen

In manchen Berufen braucht es eine Lupe, um unter all den Männern eine Frau zu finden. Maschinenbau ist ein solcher Job, genauso wie Elektrotechnik, Anlagenmechanik oder Informationselektronik. Doch manche Frauen haben gerade für diese Berufe eine Leidenschaft und nehmen in Kauf, eine Exotin zu sein. Eine von ihnen ist Kim Winkler: "In meinem Beruf gibt es fast nur Männer", sagt die Technische Leiterin des Theaters in Rüsselsheim. "Ab und zu werde ich immer noch ausgetestet". Kim Winkler hat Karriere gemacht - für eine Frau in einer Männerdomäne ist das nicht einfach.

Wollen Männer unter sich bleiben, sollten sie eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker machen: Unter den fertig Ausgebildeten sind gerade einmal 2,2 Prozent Frauen, sagt Angelika Puhlmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. "Da müssen Sie schon sehr genau hinschauen, um eine Frau zu finden." In der Elektrotechnik sieht es laut Franziska Schreyer ähnlich düster aus: Nur 3 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Angestellten seien Frauen, erklärt die Soziologin vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

Die Gründe sind vielseitig - und sowohl bei den Frauen selbst als auch bei den Firmen zu suchen. Viele Mädchen entscheiden sich von vornherein für so genannte Frauenberufe. Kampagnen wie der Girls' Day sollen daran etwas ändern. Doch wer den Weg in eine Männerdomäne wählt, stößt dort noch immer auf Hindernisse. "Es gibt zum Beispiel Theater, die keine Frauen für die Bühnentechnik einstellen, weil sie eben Frauen sind", sagt Winkler.

Auch in anderen Berufen scheint der Übergang von der Ausbildung in eine Beschäftigung schwierig. Beispiel Elektrotechnik: "Frauen haben dort im Vergleich zu Männern schlechtere Arbeitsmarktchancen. Sie sind häufiger befristet beschäftigt und doppelt so häufig arbeitslos", sagt Schreyer. Und wer einen Job habe, komme meist nicht über die mittlere Karriereebene hinaus. Doch das liege nicht allein am Männerjob. Auch in anderen Berufen machten Frauen im Vergleich zu Männern seltener Karriere. Dafür bekommen sie dort häufiger Jobs.

Schuld sind traditionelle Berufs- und Geschlechterbilder. "Viele technische Berufe beispielsweise kommen aus dem militärischen Bereich", sagt Schreyer - und sind somit männlich belegt. Frauen wird nicht zugetraut, die Arbeiten genauso gut erledigen zu können, ergänzt Annett Wilde. Die Psychologin an der Universität Rostock verglich in ihrer Dissertation Grundschullehrer und Polizisten - als Beispiel für einen klassischen Frauen- und Männerberuf.

Bei der Polizei seien Frauen oft Aufgaben zugewiesen worden, die dem Stereotyp nach eher weiblich sind, sagt Wilde. "Die Frauen sollten sich dann mit Kindern beschäftigen, obwohl ein Familienvater dafür vielleicht viel besser geeignet gewesen wäre." Die Frauen seien darüber hinaus nicht so gut in das Kollegium eingebunden gewesen und hätten schlechtere Aufstiegschancen. "Männer wurden bevorzugt." Denn Männern werde eher Führungsstärke zugetraut.

Bei Leistungsbeurteilungen schnitten die Frauen häufig schlechter ab als ihre überwiegend männlichen Kollegen, bestätigt Schreyer. Das gelte insbesondere dann, wenn es um qualitative Beurteilungen gehe - also nicht nachprüfbare Ergebnisse, sondern der persönlich Eindruck des Chefs zählte.

Doch auch Frauen, die keine Karriere anstreben, haben es nicht immer leicht. "Es gibt Männergruppen, die finden es schwer zu ertragen, wenn eine Frau von außen dazu kommt", sagt Winkler. "Ich musste mir meine Stellung erst erarbeiten." Noch heute komme es vor, dass ihr Männer schlechte Arbeit verkaufen wollten, weil angeblich technisch nichts anderes gehe. "Dieses Kräftemessen ärgert mich dann schon", sagt sie. Wenn sie nicht mit Schlagfertigkeit und Humor weiterkomme, lasse sie dann schon mal das "Alpha-Weibchen" raus.

Das Austesten beschränkt sich aber nicht nur auf die Arbeit selbst. "Viel läuft über Witze ab. Die Kollegen testen damit aus, wie ich reagiere. Die wollen sehen: Wann zuckt sie?", erzählt Winkler. Präsentieren Männer in ihrem Beisein Männerwitze, hat sie verschiedene Strategien parat: "Entweder ich habe den noch besseren Männerwitz, inzwischen kenne ich einige." Oder sie ignoriert das Gespräch. "Manchmal frage ich auch so lange dämlich nach, bis der Witz kaputt ist. Dann hört es auf."

Genauso nervig wie die Männerwitze oder das Pin-up-girl am Schrank können laut Puhlmann ständige Hervorhebungen sein. Sitzt auf einem Seminar eine Frau unter 100 Männern und wird sie einzeln begrüßt oder immer wieder angesprochen, bekommt sie eine ungewollte Sonderstellung. Das größte Problem sei aber die Vereinzelung, sagt die IAB-Forscherin. "Wenn man keine Netzwerke in einer Firma hat, ist man nicht so eingebunden. Vieles geht dann an einem vorbei, auch was die Karriere betrifft", ergänzt Wilde.

Kim Winkler bekam von Kollegen gesteckt, dass sie mittlerweile wie ein Mann läuft. "Das will ich nicht", sagt sie und erklärt, dass ihr die weiblichen Vorbilder und Vergleiche fehlen. "Ich kann mich immer nur an Männern orientieren." Trotzdem möchte sie ihren Job zwischen Männern auf keinen Fall missen. "Ich empfehle es Mädchen unbedingt, auch in Männerberufe zu gehen, wenn sie Lust auf die Arbeit haben." Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein sollten sie dafür aber mitbringen. "Und man darf nicht gleich erschrecken, wenn einmal eine rüde Antwort kommt."

Carina Frey, dpa

Quelle: n-tv.de