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Pünktlich, komfortabel, günstig Im Fernbus reist es sich ganz gut

«FlixBus» ist Testsieger. Mit «Gut» schnitt aber auch «MeinFernbus» ab. Foto: Christoph Schmidt

FlixBus ist Testsieger. Mit "Gut" schnitt aber auch "MeinFernbus" ab.

(Foto: dpa)

Enge Sitze, versiffte Polster - Busreisen werden von vielen Menschen als Zumutung empfunden. Zu Unrecht, findet die Stiftung Warentest. Bei den modernen Fernbus-Linien genießen Reisende oft mehr Komfort als im Auto oder in der Bahn.

Freitagnachmittag von Köln nach Berlin: rund 75 Euro verlangt die Bahn für die Fahrt, wenn man eine Woche vorher bucht und eine Bahncard hat. 21 Euro nimmt das günstigste Fernbus-Unternehmen, das auf der Strecke verkehrt. Und das sind viele: 18 Busse von fünf verschiedenen Anbietern sind an diesem Tag zwischen Köln unterwegs, beim teuersten kostet die Fahrt 48 Euro, also immer noch deutlich weniger als bei der Bahn. Im Januar 2013 ist der Linienverkehr mit Reisebussen freigegeben worden und seitdem drängen immer neue Anbieter auf den Markt, rund 50 sind es derzeit, die meisten von ihnen verkehren aber nur auf wenigen Linien. Neun größere Fernbus-Anbieter hat sich die Stiftung Warentest in den letzten Monaten genauer angesehen.

Die Tester haben Tickets gebucht, storniert und sind mit jedem Anbieter zehnmal durchs Land gefahren. Außerdem kontrollierten sie bei jeweils 40 Fahrten, ob die Busse auch pünktlich fuhren. Das Gesamtergebnis fällt erfreulich aus: Sechs mal vergaben die Tester die Note "gut", die anderen drei Firmen schnitten "befriedigend" ab. Das lag dann aber weniger an den Fahrten an sich, sondern an den Buchungsmöglichkeiten und Vertragsbedingungen. Nicht alle Anbieter transportieren auch Fahrräder, nicht überall kann man im Bus noch Verpflegung oder Getränke kaufen. Manche Unternehmen verlangen hohe Stornokosten, wenn die Fahrt nicht angetreten wird, manche nehmen auch für Umbuchungen ein paar Euro extra. Und einige schränken eventuelle Schadenersatzansprüche ein.  Weil solche Klauseln zum Teil unzulässig sind, hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im letzten Jahr neun Unternehmen abgemahnt. Die meisten haben inzwischen reagiert, City2city und Eurolines halten sich bislang zurück.

Wenn die Blase drückt, wird's schwierig

Die Testfahrten selbst liefen bei allen Anbietern gut oder sehr gut ab. Wer bei Fernbussen an die Seelenverkäufer auf Rädern denkt, die früher zuweilen Kaffeefahrer oder Schulklassen durchs Land kutschierten, wird positiv überrascht: Die meisten Anbieter verfügen über moderne, gut ausgestattete Flotten. Nur bei Dein Bus und Eurolines kommen zum Teil auch ältere Busmodelle zum Einsatz, bei denen die Einrichtung manchmal schon etwas abgenutzt ist. Sicherheitsbedenken muss man aber auch hier nicht haben, Linienbusse werden streng und regelmäßig kontrolliert.  

Toiletten gehören zwar zur Standardausstattung, sie sind aber eng und für ungelenkige Menschen über die steile Mitteltreppe schwer zu erreichen. Besser ist die Lösung in den ADAC Postbussen, wo die WC-Kabine gut zugänglich im Heck untergebracht ist. Für die meisten Fernbus-Reisenden dürften akrobatische Einlagen aber machbar sein, denn es sind vor allem junge Leute, die auf die günstige Bahn- und Auto-Alternative setzen. Zwei Drittel der Nutzer sind zwischen 18 und 29 Jahren alt, zeigte kürzlich eine Studie des IGES-Instituts.

Für die preiswerte Mobilität nehmen sie auch lange Fahrtzeiten in Kauf: Während die Bahn für die Strecke Köln-Berlin rund 4,5 Stunden braucht, sind Fernbusse zum Teil doppelt so lang unterwegs, mindestens aber gute sieben Stunden. Von Hamburg nach München per Bus sollte man mindestens zehn Stunden kalkulieren, per Bahn kann man schon nach gut sechs Stunden am Ziel sein. Auf der vergleichsweise kurzen Strecke von Leipzig nach Erfurt macht der Unterschied zum Teil aber nur eine halbe Stunde aus. Immerhin müssen sich die Gäste auf den langen Fahrten nicht langweilen: Kostenloses Wlan gehört zur Standardausstattung, das könnte den Fernbus auch für alle interessant machen, die auf der Reise arbeiten müssen. Verlassen sollte man sich auf den Internetzugang aber nicht, im Test war das Netz jedenfalls nicht immer verfügbar.

Pünktlicher als die Bahn

In Sachen Pünktlichkeit können es die Fernbusse locker mit der Bahn aufnehmen: 80 Prozent der überprüften Busse hielten die An- und Abfahrtszeiten mit einer Toleranz von fünf Minuten ein. Zum Vergleich: Bei der Bahn waren im Mai 78 Prozent aller Züge pünktlich. Zwölf Mal mussten die Tester länger als eine halbe Stunde auf den Bus warten, angesichts von 360 Fahrten ein überschaubarer Wert.   

Am komfortabelsten fanden die Tester die Fahrten mit dem ADAC Postbus, der nicht nur für die Ausstatung, sondern auch für den Service reichlich Lob erntete. Weil die Buchung hier nicht immer einwandfrei lief, reichte es nicht für den ersten Platz. Den Testsieg trug Flixbus davon, beim Münchner Startup überzeugte das Gesamtpaket am meisten. Gute Noten gab es aber auch für die anderen großen Linien Mein Fernbus und Berlin Linien Bus. Mit  IC Bus und City2city platzierten sich auch zwei Anbieter mit kleinerem Streckennetz oben im Vergleich.

Wer wenig Geld, aber genug Zeit hat, findet in Fernbussen also eine brauchbare Alternative zur Bahn. Fraglich ist nur, ob die Preise in Zukunft so günstig bleiben. Wie zum Beginn der Billigflug-Ära profitieren Kunden momentan von der Konkurrenzsituation. Um eine Marktbereinigung dürfte die Branche aber mittelfristig nicht herumkommen, prognostiziert die Stiftung Warentest. Und dann könnten die Tickets teurer werden.    

Quelle: n-tv.de, ino

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