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Vermieter-Schreck wird überschätzt Keine Angst vor Mietnomaden

Die Bundesregierung will Vermieter besser vor Mietnomaden schützen. Zuvor sollte das Problem aber ersteinmal in einer Studie eingegrenzt werden. So schlimm wie befürchtet scheint die Sache nicht zu sein. Und oft könnten die Vermieter das Schlimmste leicht verhindern.

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Wer sich die Mieter vorm Einzug genauer ansieht, hat wenig zu befürchten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Sie ziehen ein, zahlen keine Miete und wenn man sie endlich los ist, muss die Wohnung grundsaniert werden: Mietnomaden. 15.000 solcher Fälle soll es jedes Jahr geben, warnt der Hausbesitzerverband Haus & Grund. Das sei maßlos übertrieben, meint der Deutsche Mieterbund (DMB), der die Zahl bislang auf etwa 1000 schätzte. Wie viele es tatsächlich sind, weiß man zwar immer noch nicht genau. Eine Studie der Uni Bielefeld macht das Medienphantom nun aber erstmals greifbar. Für das Bundesbauministerium sollte die Forschungsstelle für Immobilienrecht darstellen, wie sich entsprechende Fälle gestalten.

Anlass dafür ist eine von der FDP initiierte Vereinbarung im schwarz-gelben Koalitionsvertrag, wonach das Mietrecht zur Bekämpfung des Mietnomadentums geändert werden soll. Die Untersuchung sollte Fakten liefern, die das Problem für die Gesetzesänderung genauer eingrenzen.

Mietnomaden ohne Vorsatz

Bei ihren Datenerhebungen wurden die Experten vom Hausbesitzerverband maßgeblich unterstützt. Er rief seine in 900 Ortsvereinen organisierten Mitglieder auf, sich zahlreich zu melden: Je mehr Fälle in der Uni ankommen, desto höher die Chance, künftig besser gegen Mietnomaden vorgehen zu können, warb der Verband für die Studie. Doch von den Besitzern der bundesweit 24 Millionen Mietwohnungen meldeten sich nicht Zehntausende, sondern nur 1400. Und nur 400 dieser Fälle betrafen eindeutige Mietnomaden, die von Anfang an Betrug geplant hatten. In allen anderen waren Mieter etwa wegen Krankheit, Scheidung oder Arbeitslosigkeit in Mietrückstand geraten.

Die 400 verbliebenen Fälle reichten zudem teils mehr als 40 Jahre zurück und ergaben etwa je für die vergangenen Jahre einen Mittelwert von je etwa 50. Dass aus diesen Daten wegen der geringen Resonanz der Vermieter kein Schluss über die tatsächlichen Zahlen an Mietnomaden gezogen werden kann, wie die Wissenschaftler betonen, stört die beiden Verbände jedoch nicht. Haus & Grund beharrt weiterhin auf seinen Hochrechnungen von 15.000 Fällen im Jahr und erklärte zugleich mit Blick auf die 400 erfassten Fälle: "Dieses Ergebnis übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen".

Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz kann darüber "nur den Kopf schütteln". Von einer solchen Schlussfolgerung fühle er sich "verhöhnt", sagt er. Die Zahlen der Studie belegten nun, dass es "kein nennenswertes Mietnomaden-Problem" gebe und Mietrechtsänderungen überflüssig sind. Das wiederum treibt den Sprecher von Haus & Grund auf die Palme: "Der Mieterbund betreibt Täuschung mit den Zahlen", sagt Alexander Wiech.

Vermieter oft selbst schuld

Deutlich verärgert sind nun die beiden Wissenschaftler, die die Studie durchgeführt haben. Ihre Zahlen würden von den Verbänden missbraucht, um damit "Politik zu machen", heißt es an deren Institut. Dabei seien die Kernbotschaften der Studie, die das Ministerium erst am 22. Dezember veröffentlich will, auch so schon deutlich genug. Die erste laute: Das von Vermietern gefühlte Ausmaß des Mietnomadentums ist größer als das wirkliche Problem.

Und die zweite Botschaft: Viele Vermieter sind selbst schuld. Rund zwei Drittel der Betroffen gaben laut Studie an, vorab keinerlei Erkundigungen über ihre Mieter wie etwa zum Einkommen oder zu Vorvermietern eingeholt zu haben. Für Haus & Grund wäre es deshalb sehr viel sinnvoller, für Wohnungseigentümer einen kleinen Leitfaden mit entsprechenden Fragen zu erstellen, statt Gesetzesänderungen für den Fall danach zu fordern, heißt es in Bielefeld.

 

Quelle: n-tv.de, ino/AFP

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