Ratgeber

Lange genug gearbeitet? Mit Altersteilzeit schneller in die Rente

Der Endspurt bis zur Rente kann ganz schön lang werden. Viele Arbeitnehmer wollen sich schon vorher aus dem Berufsleben verabschieden. Mit Altersteilzeit ist das möglich - vorausgesetzt, der Arbeitgeber spielt mit.

423549_original_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de.jpg

Altersteilzeit kommt frühestens ab dem 55. Geburtstag in Frage.

(Foto: Rainer Sturm, pixelio.de)

Zur Jahrtausendwende reifte in Reinhard Unger eine Idee. In der Zeitung hatte er von der Möglichkeit gelesen, das Berufsleben langsam ausklingen zu lassen und in Altersteilzeit zu gehen. Der Lehrer für Mathematik und Physik an einem Gymnasium in Meisenheim in Rheinland-Pfalz erkundigte sich genauer. "Für den öffentlichen Dienst wurde das sogenannte Blockmodell angeboten. Vier Jahre voll arbeiten und dann bis zu vier Jahre in die Freistellungsphase zu dem entsprechenden Anteil der Bezüge", sagt er. In den Sommerferien hat er dann in Ruhe überlegt - und ist zu dem Entschluss gekommen, es zu machen.

Stunden reduzieren kann fast jeder Arbeitnehmer. Die Altersteilzeit hat einen besonderen Charme: Ältere Beschäftigte arbeiten weniger Stunden, der Arbeitgeber stockt das reduzierte Entgelt aber auf. Im öffentlichen Dienst ist das Modell nicht selten, auch in anderen Unternehmen gibt es verschiedene Variationen der Altersteilzeit: "Aber: Das ist eine freiwillige Sache des Arbeitgebers", sagt die Berliner Fachanwältin für Arbeitsrecht Valentine Reckow. Das Altersteilzeitgesetz regelt die Voraussetzungen dafür, in den letzten Berufsjahren reduzierte Stunden zu arbeiten. "Aber wenn es keinen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung gibt, in der sie geregelt ist, kann niemand die Altersteilzeit einklagen."

Für die Möglichkeit der Altersteilzeit müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, erklärt Andreas Feuser, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung. "Arbeitnehmer müssen das 55. Lebensjahr vollendet haben und innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Altersteilzeit mindestens 1080 Kalendertage versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein." Dann können sie sich mit dem Vorgesetzten über die reduzierte Stundenzahl unterhalten.

Rechtzeitig planen

Wichtig ist, sich früh Gedanken über den Ruhestand zu machen, raten die Experten. "Mit Mitte 50 sollte man sich überlegen, ob man bis zum regulären Rentenbeginn arbeiten will und eine Bestandsaufnahme seiner Finanzen machen", rät Feuser. Dazu sollten Beschäftigte sich mit der Rentenversicherung in Verbindung setzen, sagt Anwältin Reckow. "Die Berechnung der Rente ist eine sehr individuelle Angelegenheit, bei der die Träger für den besten Durchblick sorgen." Mit allen Fakten sollten Arbeitnehmer sich überlegen, ob eine Altersteilzeit das richtige Modell ist und die finanziellen Einbußen zu verkraften sind.

Für die Altersteilzeit gibt es verschiedene Möglichkeiten: Halbtagsbeschäftigung etwa oder Arbeit und Freistellung im täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Wechsel. Wer sich früher zur Ruhe setzen will, wählt - wie rund 90 Prozent aller Altersteilzeitnehmer - das Blockmodell. Die Altersteilzeit ist dann in zwei Phasen aufgeteilt: Zunächst arbeitet man Vollzeit weiter, allerdings zum halben Lohn. Der Lohn wird dabei vom Arbeitgeber um mindestens 20 Prozent aufgestockt, so schreibt es der Gesetzgeber vor (Paragraf 3 Altersteilzeitgesetz). Manche Tarifverträge oder Vereinbarungen sehen sogar eine höhere Aufstockung vor. In der Freistellungsphase, die sich direkt daran anschließt, arbeitet man gar nicht mehr, bekommt aber weiterhin den halben Lohn.

Arbeitgeber zahlt Rentenbeiträge

Für viele rechnet sich das, weil sie bis zu Beginn des Rentenalters formell angestellt sind und der Arbeitgeber während der gesamten Zeit Beiträge zur Rentenversicherung für sie übernimmt. Basis dafür sind 80 Prozent des Regelgehalts. Durch das niedrigere Gehalt fällt die Rente nach der Altersteilzeit etwas geringer aus, doch das wird durch die Zahlungen des Arbeitgebers etwas abgefedert. Für die zusätzlichen Beiträge zur Rentenversicherung und die Gehaltsaufstockung muss der Arbeitnehmer zwar keine Steuern zahlen. In der Steuererklärung müssen sie aber angegeben werden. Durch den Progressionsvorbehalt erhöht sich der Steuersatz, so dass es in der Regel zu Steuernachforderungen kommt.

Reinhard Unger hat seinen Entschluss nie bereut, nach 33 Jahren im Schuldienst aufgehört zu haben. "Ich bin zu Beginn des Schuljahres in den Urlaub gefahren und habe mir überlegt, in welcher Konferenz ich jetzt gerade sitzen müsste". Da dies der Teil des Lehrerjobs war, der ihm am wenigsten gefiel, habe er sich über die freie Zeit gefreut.

Quelle: n-tv.de, ino/dpa