Ratgeber

Eine heikle Beziehung Mit Kollegen befreundet sein

Tagsüber plauscht man in der Kaffeeküche, abends geht man zusammen ins Kino oder ein Bier trinken. Kann so eine Bürofreundschaft gutgehen? Und wie viel Privatleben dürfen Mitarbeiter im Job preisgeben?

Auch wenn Kollegen befreundet sind: Manche Themen sparen sie besser aus. Foto: Diagentur

Schwierig wird es, wenn sich ganze Gruppen von Kollegen abkapseln.

(Foto: dpa-tmn)

Alexander Graves arbeitet seit viereinhalb Jahren bei einer Firma, die Snowboards über das Internet verkauft. Zum engen Team des Hamburger Start-ups gehören zehn Mens chen. Mit allen ist Graves befreundet. Aus seiner Sicht ein klarer Vorteil: "Wir duzen uns, haben viel Spaß bei der Arbeit." Hierarchien gibt es kaum.

Abends ein Bier trinken gehen mit Menschen, mit denen man ohnehin den ganzen Tag zusammen im Büro sitzt? Nicht ungewöhnlich und in der Regel sind Freundschaften unter Kollegen auch eine schöne Sache. Wer sich mit den Mitarbeitern gut versteht, geht normalerweise gern zur Arbeit. Doch Freundschaften im Job können auch Probleme bereiten und darauf sollte man vorbereitet sein.

Nicht angreifbar machen

Gerade am Beginn einer Freundschaft sollten Berufstätige ihren Kollegen nicht allzu tiefe Einblicke geben, rät die Karriereberaterin Madeleine Leitner. Hobbys, Kinder oder der letzte "Tatort" seien gute Themen. Dadurch entsteht ihnen kein Nachteil, falls der Kollege plötzlich zum Konkurrenten wird. Auch nachdem sich Mitarbeiter besser kennen, sollten sie sich nicht alles erzählen. "Sind Sie mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, behalten Sie es für sich", empfiehlt der Psychologe Manuel Tusch. Mitarbeiter dürften sich nicht erpressbar machen. Kommt es am Arbeitsplatz zu Konflikten, können sie sonst im Zweifelsfall nicht frei entscheiden, da sie der Kollege unter Druck setzen könnte.

Pflegt man mit manchen Kollegen ein besonders inniges Verhältnis, ist es wichtig, auch mit den anderen im Gespräch zu bleiben, rät der Karriereberater Henryk Lüderitz. Nicht immer ist es so wie bei Gravis, dass Beschäftigte mit allen Mitarbeitern befreundet sind. Oft verstehen sich nur zwei oder drei Kollegen besonders gut und kapseln sich vom Rest des Teams ab. Das hat negative Auswirkungen auf das Betriebsklima.

Beruf und Freundschaft trennen

Zur Feuerprobe kommt es bei Bürofreundschaften immer, wenn es im Job Konflikte gibt. Etwa dann, wenn es zu Problemen mit dem Vorgesetzten kommt oder wenn Kündigungen ausgesprochen werden. In so einer Situation müssen Berufstätige Job und Freundschaft strikt trennen und versuchen, professionell zu bleiben. Gibt der Chef Mitarbeitern vertrauliche Informationen, dürfen sie diese ihrem Bürofreund nicht weitererzählen. Der Extremfall ist sicher, wenn einer von beiden gehen muss. Das bedeutet nicht zwangsläufig das Ende der Beziehung. Trifft man sich privat weiter, sollte man aber nicht unbedingt über Job-Interna plaudern.

In manchen Firmen ist das Klima so gut, dass man in den Kollegen lauter neue Kumpels findet. Dann muss man darauf achten, alte Freundschaften weiter zu pflegen. Das sei wichtig, um neue Denkanstöße zu bekommen und nicht immer automatisch an die Arbeit erinnert zu werden, sagt Tusch. Stellt sich heraus, dass der Bürokumpel doch kein echter Freund ist, können Mitarbeiter außerdem auf diesen Freundeskreis zurückgreifen.

Für Alexander Graves ist es bislang noch nicht zum Problem geworden, dass er mit seinen Arbeitskollegen befreundet ist. Im Gegenteil: Er schätzt, wie zuverlässig die Zusammenarbeit mit seinen Freunden klappt. Nur eines sei gelegentlich nervig. Manchmal falle es seinen Kollegen und ihm schwer, nicht über den Job zu reden. "Deshalb zwingen wir uns, in der Mittagspause und nach Dienstschluss auch mal andere Themen anzusprechen."

Quelle: ntv.de, ino/dpa