Rendite statt WertverlustOldtimer als Geldanlage
Hundert Prozent Wertsteigerung in zehn Jahren - davon können Aktienbesitzer nur träumen. Bei Oldtimern sind solche Renditen keine Seltenheit. Für wahre Fans ist das aber nur ein angenehmer Nebeneffekt.
80 PS und 150 km/h Höchstgeschwindigkeit - damit kann heute kein Sportwagen mehr punkten. 1940 war das anders. Damals holte der BMW 328 den einzigen Sieg für BMW bei der legendären Autorallye Mille Miglia und schrieb damit Rennsportgeschichte. Zwei Generationen später sorgt das Auto immer noch für glänzende Augen, vor allem bei denen, die es fahren dürfen. Die Beschleunigung sei besser als bei vielen modernen Wagen, schwärmt BMW-Besitzer Jochen Wilms.
Nicht nur im Fahrverhalten ist der rote Flitzer ein Renner, sondern auch finanziell. Denn der Markt für Oldtimer boomt. Die Deutschen stecken jedes Jahr etwa fünf Milliarden Euro in solche Autos. Jochen Wilms schätzt, dass er für seinen BMW heute denselben Preis in Euro bekommen würde, den er vor zwölf Jahren in D-Mark bezahlt hat.
Marktbeobachter wie Frank Wilke halten das sogar noch für untertrieben. Er arbeitet für Classic Data, ein Unternehmen, das seit 15 Jahren Auktionen, Händlerpreise und Zeitungsinserate auswertet. "Gerade der BMW 328 ist ein Beispiel dafür, wie die Preisentwicklung im Vorkriegsbereich explodieren kann. Der Wagen war vor 10 Jahren im Classic Data-Zustand 2 für 100.000 Euro erhältlich, mittlerweile zahlt man 400.000 Euro." Eine so extreme Entwicklung ist nicht bei allen Oldtimern möglich, meint Wilke. "Aber eine Preissteigerung von sieben bis zehn Prozent ist immer drin."
Aufwind auch bei billigeren Modellen
Sieben bis zehn Prozent pro Jahr, wohlgemerkt. Und die Preise steigen überall, selbst bei billigeren Modellen. So war das 70er Jahre Modell Giulia Nuova Super 1300 von Alfa Romeo noch vor zehn Jahren umgerechnet 5.300 Euro wert, heute ist es mehr als das doppelte. Das Jaguar E-Type 3.8 Cabrio 3.8 aus den frühen 60ern war 1998 noch für 45.000 Euro zu haben. Inzwischen ist der Preis um 50 Prozent gestiegen. Und wer vor zehn Jahren 210.000 Euro in einen Mercedes 300SL mit Flügeltüren investiert hat, der hat seinen Einsatz nahezu verdoppelt.
Doch trotz aller Euphorie ist die Oldtimerinvestition nicht ohne Risiko. Denn der Markt ist klein und von Modeströmungen abhängig. Auto-Laien sollten auf jeden Fall den Rat eines Experten einholen, denn der Wert des Wagens schwankt auch stark je nach Zustand. Und wer seinen Oldtimer nicht nur anschauen sondern auch fahren will, der muss Kosten für Steuer, Versicherung und Reparaturen einkalkulieren.
Thomas Hirtz etwa hat erstmal Unsummen in die Restaurierung seines Jaguars gesteckt. Doch das hat sich gelohnt: Der Rennwagen wurde nur zwölfmal gebaut und sein Wert hat sich durch die Investitionen mehr als verdoppelt. Hätte Hirtz sich stattdessen für einen repräsentativen Neuwagen entschieden, wäre der Wertverlust unausweichlich gewesen. "Bei Oldtimern ist auf alle Fälle ein Wert-Erhalt gegeben, vielleicht sogar eine Wertsteigerung."
Doch echte Autoliebhaber wie BMW-Besitzer Jochen Wilms sehen in ihrem Fahrzeug sowieso weit mehr als eine Geldanlage. Denn der Spaß, den eine Ausfahrt an einem sonnigen Frühlingstag bringt, ist unbezahlbar.