Ratgeber

Tipps zum Steuerklassenwechsel So holt man mehr aus dem Elterngeld raus

Die richtige Steuerklasse vor der Geburt beschert Müttern ein sattes Plus an Elterngeld. Das Problem: Um den Steuerklassewechsel sollte man sich am besten schon vor der Zeugung kümmern, denn danach bleibt kaum noch Zeit. Es gibt aber Tricks, mit denen der Tausch auch später noch funktioniert.

Um das Elterngeld nicht zu verlieren, dürfen Arbeitnehmer nicht mehr als 30 Stunden in Teilzeit arbeiten. Foto: Andrea Warnecke

Entscheidend für das Elterngeld sind die zwölf Monate vor der Mutterschutzzeit.

Werdende Eltern müssen schon vor der Geburt Weichen stellen. Das gilt nicht nur für den Kita-Platz, der am besten so früh wie möglich beantragt wird, sondern auch für das Elterngeld. Wollen verheiratete P aare in den ersten zwölf bis 14 Monaten so viel wie möglich herausholen, sollten sie  rechtzeitig in die richtigen Steuerklassen wechseln, schließlich orientiert sich das Elterngeld an den Nettoeinkünften vor der Geburt. Der Elternteil, der die meiste Elternzeit beansprucht, sollte also möglichst die günstigere Steuerklasse III wählen. 

Doch das Steuerklassen-Verschieben ist inzwischen nicht  mehr so einfach. Denn seit Anfang des Jahres gilt das "Gesetz zur Vereinfachung des Elterngeldvollzuges" – und das schränkt die Wechselmöglichkeiten erheblich ein. Eltern müssen jetzt im Grunde schon vor dem positiven Schwangerschaftstest aktiv werden. Denn spätestens sieben Monate vor Beginn des sechswöchigen Mutterschutzes muss der Steuerklassewechsel beantragt sein. Da bleibt also nur bis zur zweiten Schwangerschaftswoche Zeit für den Wechsel.

Fiktives Einkommen entscheidend

Wirksam wird der Antrag auf Steuerklassenwechsel erst im Folgemonat. Ist als Geburtstermin beispielsweise der 25. Januar veranschlagt, beginnt der Mutterschutz am 16. Dezember, der Antrag muss also bis Mitte Mai gestellt worden sein, damit er im Juni wirksam wird. Dass die neue Steuerklasse dann nur für sechs Monate mit vollem Gehalt gilt, ist für die Elterngeldstelle unerheblich. Für sie ist nicht das reale Nettogehalt entscheidend, sondern das fiktive. Die Elterngeldstelle rechnet so, als hätte die Steuerklasse für den ganzen Bemessungszeitraum von zwölf Monaten gegolten.  

Kommt der Wechselantrag zu spät, ist der Antrag für die Katz: Dann wird die alte, ungünstigere Steuerklasse zugrundegelegt. Ein Ausweg bleibt aber noch: Die Mutter kann beantragen, dass ein Mutterschutzmonat bei der Elterngeldberechnung mit berücksichtigt wird. Normalerweise wird die Mutterschutzzeit beim Elterngeld ausgeklammert, weil kein volles Gehalt mehr gezahlt wird. Stattdessen gibt es Geld von der Krankenkasse, das der Arbeitgeber dann auf die Höhe des durchschnittlichen Nettogehalts aufstockt.

Verzichtet man nun auf die Ausklammerung von Mutterschutzzeit, verschiebt sich der Zeitraum für die Elterngeldberechnung nach hinten. Ist man mit dem Steuerklassenwechsel nur ein bisschen zu spät dran, lässt sich noch etwas retten. Dass der Trick zulässig ist, hat sich die "Stiftung Warentest" ausdrücklich vom Familienministerium bestätigen lassen.

Später in den Mutterschutz

Einen Haken hat die Sache allerdings: Weil das Mutterschaftsgeld nicht das volle Gehalt abdeckt, sinkt auch der Durchschnittslohn für die entscheidenden zwölf Monate. Im Vergleich mit dem Steuerklasse-Vorteil fällt dieser Nachteil aber in der Regel nicht so sehr ins Gewicht.

Dieses Problem tritt bei der dritten Lösungsmöglichkeit nicht auf: Startet man später in den Mutterschutz, bleibt auch mehr Zeit für den Steuerklassenwechsel. Die Mutterschutzzeit ist schließlich nicht verpflichtend und kann grundsätzlich in ihrer Länge variiert werden. Voraussetzung ist natürlich, dass die Gesundheit mitspielt.  

Egal für welche Variante man sich entscheidet: Zeit zum Trödeln bleibt den werdenden Eltern nicht. In den meisten Fällen lohne sich der Wechsel aber, so die Stiftung Warentest. Das gilt zumindest in der klassischen Konstellation, wenn die werdende Mutter berufstätig ist, aber weniger verdient als der Ehemann und deshalb in der ungünstigen Steuerklasse V ist. Zwar bleibt dem Paar dann in der Zeit vor der Geburt etwas weniger Nettogehalt, das lässt sich allerdings durch die Steuererklärung wieder zurückholen. Für die Einbußen beim Elterngeld hingegen gibt es keinen Ausgleich.

Wer den Wechsel nicht mehr rechtzeitig schafft, kann sich aber trösten: Das Elterngeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt und erhöht damit dem Durchschnittssteuersatz. Paare, die mehr Elterngeld bekommen, müssen sich also auch auf eine Steuernachforderung einstellen. 

Quelle: ntv.de, ino

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.