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Warum wird man im Urlaub krank? Stress geht, Schnupfen kommt

Warum wird man ausgerechnet dann krank, wenn man endlich mal frei hat? Wissenschaftler beobachten das Phänomen der "Leisure Sickness" seit etwa zehn Jahren. Die "Freizeit-Krankheit" trifft vor allem Menschen, die im Job sehr gefordert sind.

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Eigentlich sollte die Erholung losgehen, stattdessen wird man krank: So geht es vielen.

(Foto: Jens Bredehorn, pixelio.de)

Erst der Jahresabschluss-Endspurt im Job, dann der Trubel rund um Weihnachten und Neujahr: So mancher Berufstätige ist dankbar für ein paar Urlaubstage nach den Feiertagen. Der Druck schwindet, man lässt es ruhig angehen. Doch dann kribbelt es im Hals, und der Kopf dröhnt: Eine Erkältung kündigt sich an. Natürlich passiert das am Wochenende oder einem anderen freien Tag. "Typisch", denkt mancher dann, "immer, wenn ich freihabe". Diesen Eindruck teilen immer mehr Arbeitnehmer, berichten Psychologen, und Wissenschaftler nehmen das Phänomen ernst. Forscher der Universität Tilburg in den Niederlanden haben es "Leisure sickness" genannt, zu Deutsch: "Freizeit-Krankheit".

Dass Menschen krank werden, wenn sie sich entspannen, beobachten Psychologen seit Jahren. "Es ist auf jeden Fall ein Trend, gefühlt seit zehn Jahren", erklärt der Psychotherapeut Andreas Soljan. Er vertritt im Vorstand der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung Nordrhein rund 1100 Kollegen. Unter ihnen sei das Thema schon oft zur Sprache gekommen. Einig sind sich die Experten darin, dass die Menschen durch ständige Überlastung körperliche Probleme erst in Freizeitphasen wahrnehmen. "Bei andauerndem Stress passt sich der Körper den Lebensumständen an. Das heißt, dass er ständig Energie zuführt", erklärt Soljan. Die Folge seien zum Beispiel ein höherer Blutdruck und ein höherer Ruhepuls. Auch die Leber, der Magen und der Darm litten unter der Dauerbelastung. "Erst wenn ich dann mal 14 Tage freihabe, bekomme ich mit, wie schlecht es mir geht", weiß der Psychotherapeut.

Wie oft sich Arbeitnehmer aus dem Urlaub heraus krankmelden, wird bei Krankenkassen und Statistikbehörden nicht erhoben. Aber aus den Unternehmen werde der Trend bestätigt, weiß man auch beim Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zu berichten. Auch die Nachfragen von Betriebsräten zum Thema Arbeitsbelastung stiegen.

Lieber Teetrinken als Fernsehen

Die niederländischen Wissenschaftler, die dem Phänomen einen Namen gegeben haben, stellten fest, dass "Leisure sickness" vor allem Menschen mit hohem Arbeitspensum und Verantwortungsgefühl betrifft. Psychologen machen auch Bewegungsmangel und einen hohen Medienkonsum für die "Freizeit-Krankheit" verantwortlich. "Menschen müssen wieder mehr Sorge dafür tragen, dass der Körper Entspannung findet", meint Psychotherapeut Soljan. Allerdings sollte man analysieren, was wirklich gut tut. "Nicht bloß fernsehen", rät der Experte. Stattdessen könne es schon helfen, in Ruhe ein Bad zu nehmen, einen Tee zu trinken oder einfach mal wieder nett den Frühstückstisch zu decken.

Soljan hält die Entwicklung des Phänomens "Leisure sickness" für gravierend: "Wenn man den Prozess nicht unterbricht, kann es im schlechtesten Fall zu psychosomatischen Erkrankungen kommen". Und der Experte beschreibt ein anderes Szenario, das sicher niemand möchte: "Irgendwann kann es so weit sein, dass ich Angst vor Feiertagen habe, weil es mir dann wieder schlecht gehen könnte."

Quelle: ntv.de, dpa

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