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Bloß nicht vergleichbar werden Verwirrende Riester-Angebote

Für die Versicherungsbranche ist Riester ein Riesengeschäft. Für die Sparer nicht unbedingt, wie eine Untersuchung von Öko-Test zeigt. Zum Teil sind die Kosten der Policen so hoch, dass von den Zulagen kaum noch etwas übrig bleibt. Wer wissen will, was am Ende rauskommt, wird bei kaum einem Anbieter schlau.

Bevor Sparer einen Riestervertrag abschließen, sollten sie sich die Konditionen genau ansehen. (Bild: Koark/dpa/tmn)

Überblick? Fehlanzeige. Viele Anbieter scheuen vor klaren Angaben zurück.

Auf die gesetzliche Rente allein kann man sich heute nicht mehr verlassen. Deshalb hat der Gesetzgeber vor zehn Jahren ein Konstrukt auf den Weg gebracht, das private Altersvorsorge durch staatliche Zulagen attraktiver machen soll: Die Riester-Rente. Mit der Förderung für Produkte von Versicherungen, Fondsgesellschaften und Banken bürdet der Staat den Bürgern aber auch eine ganze Menge Eigenverantwortung auf. Wer riestern will, muss sich informieren – und dafür fehlt es nicht wenigen Sparwilligen an Fachwissen und auch an Geduld. Zudem wird es auch jenen, die sich ernsthaft mit dem Thema befassen, nicht leicht gemacht, Verträge zu bewerten. Denn die Angebotsunterlagen sind oft dürftig und intransparent. Das ist zumindest das Fazit der Zeitschrift Öko-Test, die 144 Offerten von 30 Anbietern genau unter die Lupe genommen hat. Die Fragestellung war eigentlich einfach: Die Tester wollten unter anderem wissen, welche Kosten mit einem Vertrag verbunden sind und welche Summe am Ende mindestens herauskommt. Doch auf klare Aussagen wollen sich die meisten Anbieter offenbar nicht einlassen - aus gutem Grund, vermutet Öko-Test: Die Vertragskosten fressen teilweise die gesamten Zulagen wieder auf.

Kryptische Berechnungen

Um die Verwaltungskosten aufzuschlüsseln, mussten die Tester selbst nachrechnen und Einzahlungen, Zulagen und Zinsen mit Betrag vergleichen, der zu Rentenbeginn auf dem Kundenkonto garantiert ist. Denn aus Kostenangaben, wie man sie etwa bei Asstel findet, werden selbst Versicherungsmathematiker kaum schlau: "Verwaltungskosten pro Jahr 33,84 Euro, in den letzten Jahren linear fallend auf 0,96 Euro vor Garantietermin plus 0,013 Prozent der Summe der bereits gezahlten Eigenbeiträge plus sonstige Kosten 5,0 Prozent je Zulage oder Zuzahlung linear fallend auf 0,15 Prozent vor Garantietermin plus 0,013 Prozent der Summe der gezahlten Zulagen oder Zuzahlung pro Monat", heißt es dort. Alles klar?

Bei einem 35jährigen männlichen Modellkunden mit zwei Kindern kommt Öko-Test beim Asstel-Tarif übrigens auf Gesamtkosten von 3326 Euro in der Ansparphase. Das ist durchaus noch im Rahmen, wenn man sich vor Augen führt, was manche Mitbewerber ansetzen. Bei der Ergo etwa gehen insgesamt 7917 Euro für Abschluss- und Verwaltungskosten drauf – fast 80 Prozent der gesamten Zulagensumme vom 9954 Euro. Fondsgebundene Rentenpolicen sind oft noch erheblich teurer, bei etwas besseren Renditeaussichten.

In jedem zweiten Fall, den Öko-Test untersuchte, waren die Versicherungsunterlagen so undurchsichtig, dass die Produkte gar nicht hätten zertifiziert werden dürfen. Sie verstoßen gegen die Informationspflichten bei Riester-Produkten. Negativbeispiel ist die Skania, die zwar 40 Seiten Antragsunterlagen liefert, darin aber kein Wort darüber verliert, wie viel Kapital zum Rentenbeginn garantiert zur Verfügung steht. Dieser Wert wäre aber wichtig, um Angebote zu vergleichen. Dass Anbieter hier lieber schweigen, hält Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nicht für Zufall: "Man muss annehmen, dass sie einen Anbietervergleich bewusst unterlaufen wollen", so der Finanzfachmann gegenüber Öko-Test. Mehrere Versicherer geben zwar den Garantiebetrag an, rechnen hier aber die Zulagen nicht ein und halten sich damit ein Hintertürchen offen. Einige treiben das Verwirrspiel auf die Spitze und stellen Modellrechnungen mit unterschiedlichen Zinsverläufen mal mit, mal ohne Zulagen auf, so dass der Kunde am Ende überhaupt nicht mehr weiß, woran er ist.

Man kann es besser machen

Dass es auch anders geht, zeigen Anbieter wie die Alte Leipziger oder Hanse Merkur, die in ihren Unterlagen genau erläutern, welche Garantiebeträge Kunden mit und ohne Zulagen zu erwarten haben. Zufälligerweise sind das auch genau jene Versicherer, die im Vergleich mit am besten abschneiden. So kommt der Modellkunde bei der klassischen Riester-Rentenpolice der HanseMerkur24 auf eine garantierte Jahresrendite von 1,11 Prozent im Jahr. Zum Vergleich: Am Ende der Skala steht die Inter mit mageren 0,28 Prozent. Bei den Fondstarifen liegt die Alte Leipziger an der Spitze.

Angesichts des Chaos' bei den Riester-Angeboten fordern Verbraucherschützer  vom Staat, Versicherer zu transparenten Riesterverträgen zu verpflichten und die Kosten gesetzlich zu deckeln. Riesterwillige Sparer sollten indes nur Verträge abzuschließen, bei denen der Versicherer die gesamten Kosten und das bis zum Rentenbeginn angesparte Garantiekapital korrekt und komplett angibt. Um den Vergleich zu erleichtern, hat Öko-Test ein Formblatt entwickelt. Und das auszufüllen, ist man allerdings auf die mithilfe des Versicherers angewiesen.        

 

Quelle: n-tv.de

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