Ratgeber
Montag, 13. Juni 2016

Besuch vom Eigentümer: Wann der Vermieter in die Wohnung darf

Möchte ein Vermieter seine Immobilie begutachten, schwant dem Mietern meist nichts Gutes. Deshalb meint so mancher, dieses Begehren ablehnen zu können. Doch so einfach geht das nicht.

Oh Schreck: der Vermieter steht vor der Tür.
Oh Schreck: der Vermieter steht vor der Tür.(Foto: imago stock&people)

Gibt es ernsthafte Anhaltspunkte dafür, dass ein drohender Schaden eintreten kann, spätestens jedoch alle 5 Jahre, hat ein Vermieter das Recht, seine vermietete Wohnung zu besichtigen. Dies hat das Amtsgericht (AG) München entschieden (Az.: 461 C 19626/15)

In dem verhandelten Fall hat eine Immobilienbesitzerin ihre Einzimmerwohnung seit 2006 vermietet. 2015 teilte die Hausverwaltung der Vermieterin mit, dass aus der Wohnung unangenehme Gerüche austreten. Der Geruch hielt mehr als zwei Wochen an. Eine genaue Beschreibung des Geruchs war nicht möglich. Da die Frau in Sorge war, dass Schimmel, Fäulnis oder gar Verwesung Ursache des üblen Geruchs sein könnten, wollte sie die Wohnung besichtigen.

Der Mieter bestritt, dass unangenehme Gerüche aus seiner Wohnung austreten und bot keinen Besichtigungstermin an. Daraufhin erhob die Vermieterin Klage.

Mit Erfolg. Der zuständige Richter verpflichtete in seinem Urteil den Mieter, die Besichtigung der Wohnung durch die Vermieterin nach einer Vorankündigung von fünf Werktagen zu dulden.

"Der Vermieter hat ein Besichtigungsrecht, wenn ernsthafte Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein drohender Schaden eintreten kann, zum Beispiel wenn wegen eines muffigen Geruchs der Verdacht auf Schimmelbildung vorliegt", so das Gericht. "Der Anspruch der Klägerin entfällt nicht deshalb, weil die Geruchsbelästigung jetzt nicht mehr vorliegt. Der Geruch dauerte längere Zeit an, nämlich mehr als 2 Wochen. Eine solche Dauer lässt eine nachhaltige negative Beeinträchtigung der Sachsubstanz befürchten", so das Gericht weiter.

Die Vermieterin könne aus einem weiteren Grund die Besichtigung der Wohnung verlangen: Seit der letzten Wohnungsbesichtigung sind mehr als fünf Jahre vergangen. Das Gericht führte aus, dass ein Vermieter nicht auf Dauer von seinem Eigentum und insbesondere der Möglichkeit, den Zustand seines Eigentums zu überprüfen, ausgeschlossen werden könne.

Nach Auffassung des Gerichts kann daher ein Vermieter alle 5 Jahre eine Besichtigung der Mietwohnung verlangen. Denn dieser Zeitraum ist nach der allgemeinen Vertragspraxis der Zeitraum, nach dessen Ablauf Schönheitsreparaturen vorzunehmen sind und Abnutzung auftreten können, die eine Substanzschädigung darstellen können. Bei einem solchen Fünfjahreszeitraum wird der Mieter, da die Besichtigung auch vorher anzukündigen und schonend vorzunehmen ist, auch nicht über Gebühr in seinem Lebensbereich beeinträchtigt, so die Urteilsgründe.

Quelle: n-tv.de