Ratgeber

Alles ausverkauft wegen Corona Wann endet die Klopapier-Krise?

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Toilettenpapier entwickelt sich während der Corona-Epidemie zur begehrten Ware.

(Foto: imago images/Manfred Segerer)

Deutschland hat ein Problem: Das Toilettenpapier geht aus. Egal, wo man derzeit hingeht, das wichtige Grundutensil für kleine und große Geschäfte ist zurzeit absolute Mangelware oder gar komplett ausverkauft. Ist die Versorgung gefährdet?

Während andere Länder wegen der Coronakrise auf der Jagd nach Medikamenten, Kondomen oder Waffen sind, horten die Deutschen Klopapier. Das führt dazu, dass in den Läden aktuell kaum noch welches vorhanden ist. Viele Menschen weichen deshalb auf Taschen-, Küchen- oder Kosmetiktücher aus. Diese Dinge können jedoch die Toiletten verstopfen und sind deswegen keine geeignete Dauerlösung.

Hamsterkäufe schuld an leeren Regalen

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Die meisten Einzelhändler wurden von den Hamsterkäufen an Klopapier überrascht. Normalerweise sind Nahrungsmittel wie Milch oder Nudeln wesentlich stärker gefragt. Deshalb bestellen die Supermärkte mehr davon. Die hohen Verkaufszahlen von Toilettenpapier führen dazu, dass nun viele Regale in Lebensmittelgeschäften und Drogerien leer sind. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) stellte via Twitter klar, dass man sich bemühe, die Regale immer wieder aufzufüllen. Einen Tag zuvor erklärte Ernährungsministerin Julia Klöckner gegenüber der Deutschen Presseagentur bereits, dass es aktuell keine Versorgungsengpässe gebe und daher Hamsterkäufe nicht notwendig seien.

Um das übermäßige Horten von Toilettenpapier zu verhindern, haben einige Händler bereits Maßnahmen ergriffen. So dürfen beispielsweise die Kunden bei Rossmann nur noch maximal zwei Pakete mitnehmen.

Warum horten die Deutschen ausgerechnet Klopapier?

Hamsterkäufe sind ein Bedürfnis von Menschen in Krisenzeiten. Sie befriedigen den Wunsch, etwas ausrichten zu können und so das eigene Gefühl von Ohnmacht zu bekämpfen: "Die Menschen haben das Bedürfnis, etwas zu tun, um sich und ihre Familie zu schützen", so Steven Taylor, Professor für Psychiatrie an der Universität von British Columbia gegenüber der "Frankfurter Rundschau". Er erklärt das Horten von Klopapier weiterhin mit Bildern in den sozialen Medien. Wer online sieht, dass andere Menschen ganze Einkaufswagen mit diesem Produkt füllen, wird eher zu derselben Handlung verleitet. So sei Toilettenpapier zu einem "Symbol der Sicherheit" geworden.

Der Psychologe Dirk Baumeier führt im Interview mit ntv einen weiteren Grund für die Beliebtheit von Klopapier an: "Toilettenpapier ist das ideale Produkt zum Hamstern, denn es ist billig, es hält unendlich lange und es lässt sich peu à peu verbrauchen". Weiterhin wird Klopapier natürlich immer gebraucht, sodass man es garantiert nicht umsonst gekauft hat.

Das Hamstern von Hygieneartikeln hat Taylor zufolge noch einen weiteren Grund: Menschen haben eine natürliche Abneigung gegen alles, was sie ekelt. Ein Virus gehört für die meisten mit dazu, sodass dieses Gefühl sogar noch intensiviert wird: "Ich glaube, das ist ein Grund, warum die Leute sich an das Toilettenpapier halten, denn das ist ein Mittel, Ekel zu vermeiden", so der Wissenschaftler.

Webseite berechnet, wie lange der Vorrat hält

Zurzeit ist jedoch von genügend Toilettenpapier in den Regalen nichts zu sehen. Viele Menschen, die es verpasst haben, Klopapier zu hamstern, plagt daher die eine entscheidende Angst: Wie lange reicht der Vorrat noch? Das kann man neuerdings auf der Webseite howmuchtoiletpaper.com ganz einfach ausrechnen lassen. Dazu wird gefragt:

  • Wie viele Rollen sind noch vorhanden?
  • Wie geht oft man am Tag auf Toilette?

Wer es noch genauer wissen will, kann über die Erweiterungsfunktion zusätzlich noch folgende Fragen beantworten:

  • Wie viele Blätter werden pro Toilettengang benötigt?
  • Wie oft wird sich dabei jeweils untenherum abgewischt?

Anschließend wird ausgerechnet, wie viele Tage das Klopapier noch ausreichen wird. Dazu erhält man noch eine Aussage darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man eine Quarantäne mit dem Vorrat übersteht.

Hersteller rüsten auf

Die Supermärkte und Drogerien reagieren bereits auf die verstärkte Nachfrage an Hygieneartikeln. So erklärt dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer in einem Statement: "Wir haben Maßnahmen entlang der gesamten Lieferkette ergriffen, um unsere dm-Märkte schnellstmöglich wieder mit Waren zu versorgen." Das gelte insbesondere für Toilettenpapier und Seife. Die "Bild"-Zeitung fragte außerdem beim Hersteller Hakle nach. Marketing-Chefin Karen Jung erklärte, dass bereits eine Sondergenehmigung für die Erweiterung der Produktion seitens der Bezirksregierung erteilt wurde. Nun werden jeden Tag 1500 Paletten mit 1,5 Millionen Klopapierrollen hergestellt. Zum Vergleich: Vorher waren es nur 1000 Paletten mit 1 Million Rollen. "Die Versorgung der Bevölkerung ist absolut sichergestellt", sagte Jung.

Quelle: ntv.de