Ratgeber
Mittwoch, 14. Mai 2008

Nicht nur die Liebe zählt: Wilde Ehe bringt Nachteile

Früher galt das Zusammenleben ohne Trauschein als anstößig. Heute ist es ganz normal, dass Paare zusammenziehen, bevor sich das Ja-Wort geben. Schließlich will man erstmal ausprobieren, ob die große Liebe auch den Alltag überlebt. Trotzdem denken die Wenigsten in so einer Situation an ein mögliches Ende der Beziehung. Das sollten sie aber - und zwar schon bevor der Mietvertrag unterschrieben ist. Denn wenn dieser nur auf einen der beiden läuft, hat der andere keine Rechte. Wenn die Partnerschaft unerfreulich endet, kann derjenige einfach auf die Straße gesetzt werden. Vor Ärger ist man natürlich auch nicht gefeit, wenn beide Partner im Vertrag stehen. Gibt es am Ende Zank um die Wohnung, kann man aber wenigstens Klage erheben.

Tisch und Bett wie Eheleute zu teilen, bringt noch lange nicht die gleichen Rechte wie sie. Im Gegenteil: In fast allen Bereichen zahlen Mann und Frau fürs uneheliche Zusammenleben drauf.
"Das geht bei der Einkommenssteuer los, denn Verheiratete können das Ehegattensplitting in Anspruch nehmen", erläutert Esther Caspary. Sie ist Fachanwältin für Familienrecht.

Doch die steuerlichen Vorteile sind noch weitreichender: Wenn Ehegatten ein Grundstück übertragen, ist es von der Grunderwerbssteuer befreit. Zudem gibt es drastische Unterschiede bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Ehegatten können einen Freibetrag von 307.000 Euro in Anspruch nehmen, bei nicht-ehelichen Partnern sind es gerade mal 5.200 Euro. Für das darüber hinaus gehende Vermögen gelten für Eheleute günstigere Steuersätze.

Wenn aus Liebe Hass wird

Probleme gibt es vor allem dann, wenn aus Liebe Hass wird und die Beziehung auf der Kippe steht. Denn bei einer Trennung zahlt derjenige drauf, der mehr in das gemeinsame Leben investiert hat. Nach einer Scheidung gibt es einen Zugewinnausgleich. Geht dagegen eine uneheliche Partnerschaft in die Brüche, gibt es keine wirtschaftliche Kompensation. "Gerade Frauen neigen dazu, ihr Vermögen ins Geschäft oder Haus des Freundes zu stecken", weiß Caspary. "Kommt es zur Trennung sind sie überrascht, dass sie gar keine Ansprüche haben."

Um späteren Ärger zu vermeiden, sollte man deshalb frühzeitig alles in einem so genannten Partnerschaftsvertrag regeln. Hier gilt: Gründlich beraten lassen und Finger weg von Musterverträgen. Sollen Grundstücke übertragen werden, ist ein Notar nötig. Ansonsten reicht eine einfache schriftliche Form aus. "Dem Inhalt sind keine Grenzen gesetzt, man darf nur keine gesetzlichen Vorschriften verletzen, es darf also nichts Sittenwidriges drinstehen", sagt David C. König von der Bundesnotarkammer. Im Partnerschaftsvertrag lässt sich beispielsweise regeln, was mit bestimmten Gegenständen passiert, wenn man sich trennt. Man kann aber auch fürs Alter vorsorgen, indem man sich gegenseitig als Erben einsetzt.

Sorgerecht sichern

Auch wenn Kinder ins Spiel kommen gibt es Handlungsbedarf. Denn für den Nachwuchs von nicht verheirateten Paaren gilt: Von Gesetzeswegen hat die Mutter immer das alleinige Sorgerecht. Will der Vater die gleichen Rechte, müssen beide beim Jugendamt eine so genannte Sorgeerklärung abgeben. Das geht nur mit Zustimmung der Mutter. Und die sollte sich den Schritt gut überlegen, rät Esther Caspary. "Im Falle einer Trennung hat der Vater dann auch alle Möglichkeiten, um das Sorgerecht zu kämpfen." Das Zusammenleben ohne Trauschein bringt also schon ein paar rechtliche Probleme mit sich. Da mag der ein oder andere dann doch lieber gleich heiraten.

Quelle: n-tv.de