Ratgeber

Nanosilber in AlltagsproduktenWinzlinge mit Risiken

02.12.2009, 15:12 Uhr
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Auch so manche Zahnbürste enthält Nanosilber. (Foto: picture-alliance / dpa)

Sie stecken in Kosmetika, Wandfarben und Haushaltsgeräten. Nanosilber stehen im Verdacht, die Erbsubstanz von Lebewesen zu schädigen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt...

Die Umweltschutzorganisation BUND hat die immer häufigere Verwendung von kleinsten Silberpartikeln in Alltagsprodukten beklagt. Das zum Beispiel in einigen Kosmetika, Wandfarben und Haushaltsgeräten vorkommende Nanosilber gefährde die Wirkung des in der Medizin als wichtiges Antibiotikum eingesetzten Silbers, heißt es in einer in Berlin vorgestellten BUND-Studie. Auch berge der wachsende Eintrag der winzigen Silberpartikel in die Umwelt bislang nicht kalkulierbare Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier.

Über 300 Produkte auf dem Markt

Der Studie zufolge ist Nanosilber das häufigste Nanomaterial in Alltagsprodukten. Mehr als 300 Produkte mit Nanosilber seien bereits auf dem Markt, wobei viele davon im Internet erhältlich seien. Der BUND schätzt die Menge des in Deutschland pro Jahr eingesetzten Nanosilbers auf derzeit etwa eine Tonne. Bereits in wenigen Jahren könne es zehnmal soviel sein, heißt es in dem Papier "Nanosilber, der Glanz täuscht".

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Die von Nanopartikeln ausgehenden Gefahren für Mensch und Umwelt sind bisher nur unzulänglich erforscht, so der BUND. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Nanosilber wird als Zusatz zum Beispiel Farben und Kosmetika beigefügt und dient zur Beschichtung von Oberflächen. Die wichtigsten Einsatzbereiche im Verbraucherbereich hängen mit der keimtötenden Wirkung des Silbers zusammen. So gibt es Verpackungen, die dafür sorgen sollen, dass Obst und Gemüse lange frisch bleibt, angeblich keimtötende Computertastaturen oder geruchshemmende Socken und Unterwäsche, Kosmetika, Zahnbürsten, Wischtücher, Farben und Waschmaschinen.

Schädigungen der Erbsubstanz?

Experten der Umweltschutzorganisation weisen jedoch darauf hin, dass die Nanoteilchen, die tausendmal kleiner sind als der Durchmesser eines menschlichen Haares, die Blut-Hirn- oder die Plazenta-Schranke überwinden können und im Verdacht stehen, die Erbsubstanz von Lebewesen zu schädigen. So habe Nanosilber in Tierversuchen Schäden an Leber- und Nervenzellen sowie Lungenschäden verursacht.

Die hohe biologische Mobilität von Nanopartikeln und die damit verbundenen Gefahren für Mensch und Umwelt seien nur unzureichend erforscht, erklärte Heribert Wefers, BUND-Experte für Chemie und Nanotechnologie. "Es muss aufhören, dass die Hersteller mit unhaltbaren Versprechungen über die angeblich so tollen Eigenschaften von Nanomaterialien immer mehr riskante Produkte auf den Markt bringen."

Vermarktungsverbot gefordert

Der BUND forderte die Bundesregierung auf, ein Vermarktungsverbot für Alltagsprodukte mit Nanosilber zu verhängen. Außerdem müssten alle Produkte, die Nanomaterialien enthalten, deutlich gekennzeichnet werden. Die Experten der Umweltschutzorganisation appellierten an Bundesumweltministers Norbert Röttgen (CDU), bei der gegenwärtig laufenden Überarbeitung der EU-Biozid-Verordnung alle Nanomaterialien einer gesonderten Bewertung zu unterziehen.

Quelle: AFP