Ratgeber

Deutscher Gasmarkt gespaltenWo Energie am günstigsten ist

28.10.2010, 08:00 Uhr
imageAlexander Klement

Die Preise am Gasmarkt bewegen sich nicht einheitlich. Über 240 der 704 Grundversorger haben ihre Preise angehoben, aber immerhin 144 Gasanbieter haben ihre Kunden auch durch Preissenkungen in diesem Jahr entlastet. Alle Gaskunden können davon profitieren.

gaszaehler-gaspreise
(Foto: picture alliance / dpa)

"Die Verbraucher zahlen immer noch zu hohe Gaspreise, zumindest bei den meisten Gasanbietern", ist Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftforschung, im Gespräch mit n-tv überzeugt. "An der Börse ist der Gaspreis momentan sehr niedrig, weil wir ein Überangebot an Gas haben. Leider gibt es zu wenig Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt, was dazuführt, dass die Verbraucher im Vergleich zum europäischen Durchschnitt teilweise bis zu 20 Prozent erhöhte Preise bezahlen."

Auch innerhalb Deutschlands variiert der Gaspreis sehr stark. Das hat eine Gasmarkt-Ananlyse des Vergleichsportals Check24 ergeben. Am teuersten ist Gas für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt (20.000 kWh pro Jahr.) in Thüringen, am günstigsten in Bremen.

Thüringen am teuersten

Gasmarkt-Deutschland
Durchschnittlicher Gaspreis je Bundesland. (Foto: Check24)

Im bundesweiten Durchschnitt kostet Gas für diese Verbrauchsgruppe 1.240 Euro pro Jahr. Die teuersten Bundesländer Thüringen (1.367 Euro pro Jahr), Mecklenburg-Vorpommern (1.344 Euro pro Jahr), Sachsen (1.343 Euro pro Jahr) und Sachsen-Anhalt (1.318 Euro pro Jahr) liegen sechs bis neun Prozent über dem Durchschnitt.

Am günstigsten beziehen Verbraucher Gas in Bremen (1.079 Euro pro Jahr), Niedersachsen (1.166 Euro pro Jahr) und Hamburg (1.205 Euro pro Jahr). Der Vergleich der ost- und westdeutschen Bundesländer zeigt, dass der Durchschnittspreis im Osten (1.306 Euro pro Jahr) um knapp sieben Prozent höher ist als im Westen (1.222 Euro pro Jahr).

Tarifcheck in 100 Städten

Insgesamt hat Check24 die Preise in den 100 größten deutschen Städten untersucht. Besonders extrem ist der Unterschied und die damit mögliche Preisersparnis in Gera und Leipzig. Wer sich dort noch bei der "Energieversorung Gera" in dem Grund- und Ersatzversorgungstarif befindet, zahlt bei einem Verbrauch von 20.000 kWh pro Jahr 1913,52 Euro. In keiner anderen untersuchten Stadt außer Leipzig ist das Gas teurer. Das günstigste Angebot kommt von gas.de mit dem Tarif basic. Dieser ist mit 1094,17 Euro rund 820 Euro günstiger. Selbst der günstigste Tarif der Energieversorgung Gera ist rund 180 Euro pro Jahr teurer.

Ein ähnliches Bild liefert Leipzig. Der Grundversorgungstarif der Stadtwerke Leipzig schlägt mit 1929,75 Euro zu Buche. Gas.de möchte für die gleiche Menge Gas im Tarif basic nur 1150,44 Euro, 779,31 Euro weniger als die Stadtwerke Leipzig. Der günstigste Tarif der Stadtwerke ist rund 230 Euro teurer als der gas.de-Tarif.

Individueller Vergleich

Das individuelle Sparpotenzial kann man mit Hilfe unseres Vergleichsrechners leicht ermitteln. Hierzu benötigt man nur zwei Angaben. Die Postleitzahl des Wohnorts und den Jahresverbrauch der letzten Rechnung. Darüber hinaus erlaubt der Tarifrechner noch weitere Einstellungen. Man kann beispielsweise auswählen, welchen Zahlrhythmus man akzeptiert (Empfehlung: monatlich), ob nur Biogas- oder Klimatarife angezeigt werden sollen und ob man eine Preisgarantie wünscht, was teilweise gegen einen geringen Aufpreis für zwölf Monate möglich ist. Eine Preisgarantie von nur wenigen Monaten ist hingegen wenig hilfreich.

Die Vertragslaufzeit sollte maximal zwölf Monate betragen. Da der Gasmarkt stark in Bewegung ist und laufend neue Angebote auf den Markt kommen, sollten Verbraucher flexibel auf Marktveränderungen reagieren können.

Seinen Gasanbieter kann jeder Verbraucher wechseln, der einen eigenen Vertrag mit seinem Gasversorgungsunternehmen hat. Mieter, deren Gasverbrauch über die Nebenkostenabrechnung abgerechnet wird, können nicht selbständig wechseln. Vermieter und Hausverwaltungen sind jedoch im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsgebots angehalten, die Betriebskosten so gering wie möglich zu halten. Daher kann es sich lohnen, seinen Vermieter auf die Möglichkeit eines Anbieterwechsels hinzuweisen.

Um zu wechseln, müssen die Kunden sich lediglich beim neuen Versorger anmelden. Dieser erledigt sämtliche Wechselformalitäten, also die Kündigung beim derzeitigen Versorger und die Ummeldung beim Netzbetreiber.

Jetzt Gastarife vergleichen