Ratgeber

VollfinanzierungZur Immobilie ohne Eigenkapital

26.01.2007, 08:15 Uhr

Bislang mussten sich Immobilieninteressenten die Füße platt laufen, wenn sie einen Anbieter finden wollten, der die komplette Finanzierung des gewünschten Objekts ohne Eigenkapital übernimmt. Das ist jetzt Geschichte. Ein paar Voraussetzungen sollte man allerdings erfüllen.

Über Geschmack bei Häusern lässt sich bekanntermaßen nicht streiten. Doch egal, ob Spitzdach, Flachdach oder Satteldach - wer dafür ein Baudarlehen benötigt, kann sich die Füße wund laufen, wenn kaum Eigenkapital vorhanden ist. "Die Goldene Regel lautet: Mindestens 20 Prozent des Kaufpreises sollte man aus eigenen Mitteln bestreiten können", weiß Jörg Sahr von der Stiftung Warentest. "Möglichst sollten auch noch die Nebenkosten aus Eigenkapital finanziert werden, so dass 30 Prozent der Gesamtkosten als eine solide Grundbasis herausspringt.

Das ist jetzt Geschichte. Das Traumhaus inklusive Nebenkosten finanzieren immer mehr Anbieter auch voll. Einschränkungen gibt es schon, denn nicht jeder Kreditnehmer erhält eine Vollfinanzierung.

Zahlungskräftigkeit vorausgesetzt

Ob eine Vollfinanzierung möglich ist, lässt sich beispielsweise im Gespräch mit einem Baufinanzierungsvermittler klären. Dieser übernimmt den Gang zur Bank und weiß genau, was die Anbieter vom Kreditnehmer erwarten. "Die Vergabekriterien sind natürlich immer von der Bonität des Kunden abhängig. Dazu gehört die persönliche Einkommenssituation und der Verschuldungsgrad", erläutert Axel Roskors vom Onlinefinanzierer Baufi-BB. "Jemand der ein langfristigen Anstellungsvertrag oder eine gut laufende Selbständigkeit hat, wird sicherlich kaum Schwierigkeiten haben." Schlechte Karten hat hingegen, wer noch frisch im Job und schon durch andere Kredite belastet ist.

Auch wenn Vollfinanzierungsdarlehen heute einen Zinsaufschlag von bis zu einem Prozentpunkt im Vergleich zu üblichen Krediten kosten, könnte man in der Zukunft durch sie Geld sparen, weil die Zinsen für Hypothekendarlehen gerade sehr niedrig sind. "Wer jetzt erst einmal abwartet und Eigenkapital spart riskiert, dass bei steigenden Zinsen ein Teil seines Eigenkapitals wieder durch höhere Kreditkosten aufgezehrt wird", meint Sahr.

H öhere Zinsen fressen Eigenkapital

Dazu ein Beispiel: Eine Eigentumswohnung kostet 100.000 Euro und wird sofort voll finanziert. Bei 4,5 Prozent Zinsen und einer Monatsrate von 550 Euro besteht nach zehn Jahren Zinsbindung noch eine Restschuld von 73.540 Euro. Spart der Kreditnehmer dagegen erst einmal 10.000 Euro, müssen nur 90.000 Euro finanziert werden. Steigen jedoch die Zinsen in dieser Zeit zum Beispiel auf 5,99 Prozent an, verschlingen die höheren Zinsen das gesamte Ersparte. Bei der gleichen Monatsrate bleiben nach zehn Jahren ebenfalls 73.540 Euro übrig.

Trotzdem ist eine Vollfinanzierung mit einem hohen Risiko verbunden. Gerade wenn die Immobilie nach kurzer Zeit verkauft werden muss, läuft man Gefahr, dafür nicht genügend Geld zu bekommen, um den hohen Kredit abzulösen. Deshalb sollten sich auf eine Vollfinanzierung nur Kreditnehmer einlassen, die über ein recht hohes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz verfügen.