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Zahnpasta für empfindliche Zähne Zuverlässig wirkt keine

Schmerzempfindliche Zähne können einem das Essen verleiden. Spezielle Zahncremes versprechen Abhilfe. Wissenschaftliche Nachweise für ihre Wirksamkeit gibt es kaum, schaden können die meisten von ihnen aber auch nicht, schreibt das Magazin "Öko-Test". Von den untersuchten Naturkosmetik-Produkten sollte man aber besser die Finger lassen.

Weiße Zähne werden mit Gesundheit, Jugend und Erfolg assoziiert. Der wichtigste Helfer gegen Verfärbungen ist die Zahnbürste. Foto: proDente e.V.

Zahnpasta soll vor allem Karies vorbeugen - und das geht am besten mit Fluorid.

Heißer Kaffee, eiskalte Cola, ein Apfel oder Schokolade – was die einen bedenkenlos zu sich nehmen, verursacht bei anderen ziehenden Schmerz. Sie haben empfindliche Zähne. Das Problem ist weit verbreitet, das zeigt sich schon bei der Zahnpasta-Wahl: Rund zwanzig Prozent der Deutschen verwenden entsprechende Spezialprodukte, die Hälfte davon täglich. Das Magazin "Öko-Test" hat für die Juni-Ausgabe 20 dieser Zahncremes unter die Lupe genommen. Eindeutige Empfehlungen gibt es nicht. Die meisten, so das Fazit der Tester, seien aber zumindest einen Versuch wert.

Wenn Zähne empfindlich auf Heißes, Kaltes, Süßes oder Saures reagieren, liegt das in der Regel an freiliegenden Zahnhälsen. Die Zahnhälse sind durchzogen von sogenannten Dentinkanälchen, das sind feine Kanäle, die mit dem Zahnnerv in Verbindung stehen. Die Zahnhälse haben keinen schützendem Schmelz, deshalb werden Reize von außen über die offenliegenden Dentilkanälchen weitergeleitet und verursachen Schmerz.

Die meisten Zahncremes im Test setzen auf spezielle Inhaltsstoffe, mit denen entweder die Reizleitungen unterbrochen oder die Dentilkanälchen unterbrochen werden sollen. Ob das etwas bringt, ist unklar. "Öko-Test" befragte Zahnexperten nach der Wirksamkeit der einzelnen Stoffe. Ein schwieriges Unterfangen: Die Studienlage ist sehr dünn und auch nicht einheitlich, die Wissenschaftler berichteten sowohl von positiven als auch von negativen Ergebnissen. Ein wirklich verlässliches Mittel gibt es offenbar nicht.

Viele enthalten Kaliumsalze

Die meisten Sensitiv-Pasten im Test enthalten Kaliumcitrat oder Kaliumnitrat, sie finden sich beispielsweise in den günstigen No-Name-Zahncremes von Discountern, Supermärkten und Drogerien. Kaliumsalze sollen die Weiterleitung des Schmerzes hemmen. Auf kurzfristige Erfolge sollte man aber nicht hoffen, Besserung ist den Studien zufolge allenfalls nach ein paar  Wochen zu erwarten. Besser belegt ist die positive Wirkung von Aminfluorid, das bei der teuren Elmex Sensitive zum Einsatz kommt. Es soll eine stabile Schutzschicht aufbauen, was nach Expertenmeinung auch funktionieren kann.       

Fluorid sollte ohnehin in keiner Zahnpasta fehlen. Das Salz unterstützt die Wiedereinlagerung von Mineralien im Zahnschmelz, macht ihn säureresistenter und wirkt antibakteriell. Es gilt daher als verlässliches Mittel, um Karies vorzubeugen, wer zweimal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta Zähne putzt, verringert sein Kariesrisiko schon um 40 Prozent. Das lässt sich mit einer Zahncreme, die nur Plaque entfernt, nicht erreichen. Zudem können Fluoride auch zumindest ein bisschen zur Desensibilisierung der angegriffenen Zähne beitragen.

In den meisten Zahncremes ist Fluorid enthalten, doch einige verzichten darauf. Denn langfristig kann eine erhöhte Fluoraufnahme gesundheitsschädlich sein. Dafür müsste man aber schon sehr große Mengen zu sich nehmen, was selbst bei häufigem Zähneputzen nicht der Fall ist. Gerade in der Naturkosmetik hat Fluorid aber nicht den besten Ruf, bei allen drei Naturkosmetik-Produkten im Test  fehlt der Wirkstoff. "Öko-Test" bewertete sie daher alle mit "ungenügend".  

Große Marken fallen durch

Dabei waren sie aber nicht die einzigen Verlierer: Vier Zahncremes fielen wegen problematischer Inhaltsstoffe durch. Colgates "Total Sensitive" etwa, sie enthält Triclosan, einen Stoff, der dazu führen kann, dass Bakterienstemme resistent gegen Antibiotika werden können. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollte sein Einsatz auf das "unbedingt notwendige Maß" beschränkt werden. In Zahnpasta ist er verzichtbar. Außerdem missfiel den Testern der Einsatz von Natriumlaurylsulfat, das auch in den Produkten von Oral-B und Signal enthalten ist. Das Tensid sorgt dafür, dass die Zahnpasta schäumt, gilt aber als aggressiv für die Schleimhäute.

Besonders wichtig ist vielen Herstellern die schonende Reinigung ihrer Zahncremes. Maßgeblich hierfür ist der Abrieb. Wie viel Zahnschmelz die keinen Putzkörperchen beseitigen, wird im sogenannten RDA-Wert gemessen. Doch den zu ermitteln, ist schwierig. "Öko-Test" hält den angegebenen Abriebswert deshalb für wenig aussagekräftig, zumal es keine Studie gebe, die den Zusammenhang zwischen hohem Abrieb und empfindlichen Zahnhälsen belegen würde.     

Sicher ist dagegen, dass falsches Putzen zu sensiblen Zahnhälsen führen kann.  Wer zu stark und in die falsche Richtung schrubbt, greift damit den Schmelz an den empfindlichen Übergängen an  und schiebt womöglich auch das Zahnfleisch zurück. Deshalb immer nur mit sanftem Druck vom Zahnfleisch zum Zahn hin bürsten – das ist wohl das wirksamste Mittel gegen empfindliche Zähne.

Quelle: n-tv.de, ino

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