Regionalnachrichten

Baden-WürttembergSchließfächer mit Insiderwissen geknackt - wo ist die Beute?

25.09.2026, 04:03 Uhr
image

Der Fall erinnert an den Coup von Gelsenkirchen: Wieder werden Schließfächer aufgebrochen. Kunden fürchten um Geld und Schmuck - doch die Beute ist kleiner. Und die mutmaßlichen Täter fliegen auf.

Heilbronn (dpa/lsw) - Nach dem millionenschweren Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse beginnt vor dem Landgericht Heilbronn ein ähnlich gelagerter Prozess. Ein junger Mann sitzt auf der Anklagebank (9.00 Uhr), weil er gemeinsam mit mehreren Komplizen fast 80 Schließfächer einer Bank in Güglingen (Kreis Heilbronn) ausgeräumt und einen Schaden von mehr als drei Millionen Euro verursacht haben soll. Ihm wird gewerbs- und bandenmäßiger Einbruchdiebstahl vorgeworfen.

Tatort war im August 2025 eine Filiale der Kreissparkasse Heilbronn. Nach bisherigen Ermittlungen brachen die Täter bei dem nächtlichen Beutezug zahlreiche Schließfächer im Tresorraum auf und klauten Wertgegenstände im Millionenbereich. Die Beute ist bis heute nicht gesichert.

Ex-Mitarbeiter soll mit dabei gewesen sein

Ein mutmaßlicher Komplize - ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank, der die Sicherheitsvorkehrungen kannte - wurde bereits im August 2026 zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Angesichts der Komplexität des Falls und der großen Zahl von mehr als 80 geladenen Zeugen rechnet das Gericht in diesem weiteren Prozess mit Verhandlungen bis mindestens Mitte Dezember.

Kein Einzelfall

Der Fall in Güglingen reiht sich ein in eine Serie aufsehenerregender Bank-Einbrüche der vergangenen Jahre. Erst kurz nach Weihnachten 2025 hatten Unbekannte in einer Sparkasse in Gelsenkirchen filmreif fast alle rund 3.100 Schließfächer aufgebrochen - von den Tätern fehlt bis heute jede Spur, der Schaden könnte in die dreistellige Millionenhöhe gehen.

Auch der Lübecker Coup im Dezember 2024 - mehr als 300 aufgebrochene Schließfächer, über 18 Millionen Euro Beute - und der Berliner Tunnelraub von 2013, bei dem Täter über einen 45 Meter langen selbst gegrabenen Tunnel in eine Volksbank-Filiale einstiegen, zeigen: Schließfach-Einbrüche in dieser Größenordnung bleiben selten, aber sie kommen immer wieder vor.

Haftungsfrage

Ob eine Bank bei einem Einbruch für den Schaden haftet, hängt vom Einzelfall ab. Die Betroffenen müssen in der Regel nachweisen, dass die Sicherung unzureichend war und dies den Schaden verursacht oder begünstigt hat - häufig entscheiden deshalb Gerichte über Umfang und Höhe der Ersatzansprüche.

Im Güglinger Fall sind Geldinstitut und Kunden nach Angaben der Kreissparkasse aufeinander zugegangen. "Die Kreissparkasse Heilbronn stand von Anfang an im ständigen Austausch mit den betroffenen Kunden", sagte ein Sprecher. Man sei sich inzwischen in fast allen Fällen einig geworden. Details nannte er nicht und verwies auf das Bankgeheimnis.

Quelle: dpa

Regionales