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Busse sollen Bahnpreise unterbieten Linien-Zulassung dauert noch

Die Bahn muss im Linienverkehr die Billig-Konkurrenz vieler Busunternehmen fürchten. Grund ist die geplante flächendeckende Zulassung von Fernbuslinien in Deutschland. Die Freigabe lässt aber auf sich warten.

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Bisherige Linien-Verbote im Fernverkehr von Bussen wurden (mit Ausnahme für Berlin) zum Schutz der Bahn geschaffen - das soll sich bald ändern.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auf die Deutsche Bahn kommt im Linienverkehr billigere Konkurrenz von vielen Busunternehmen zu. "Die Linien-Tickets dürften dann im Schnitt 30 bis 40 Prozent günstiger sein als bei der Bahn", sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Busunternehmer (BDO), Martin Kaßler, in Berlin. Grund ist die von der schwarz-gelben Koalition vereinbarte flächendeckende Zulassung von Fernbuslinien in Deutschland.

Noch aber lässt die Freigabe auf sich warten, weil es ungeklärte Fragen zu ihrer konkreten Ausgestaltung gibt. "Die liegt bis zum Sommer noch nicht vor", hieß es im Bundesverkehrsministerium. "Mit Eckpunkten für einen Gesetzentwurf ist (erst) Anfang 2011 zu rechnen", sagte ein Sprecher.

Vorbild "Greyhound"

Einen genauen Zeitplan für die Zulassung solcher Linien nach dem Vorbild der bekannten US-amerikanischen Überlandlinie "Greyhound" gebe es noch nicht, so der Sprecher. Dem Vernehmen nach sind viele Rechts- und Verkehrs-Fragen wie fairer Wettbewerb oder Strecken-Führungen oder auch etwaige Anpassungen an EU-Recht offen.

Deutliche Vorbehalte für den Fall einer generellen Liberalisierung des Fernverkehrs für Buslinien kommen vom BDO. "Viele mittelständische Unternehmen würden davor zurückschrecken", warnte Kaßler. "Davon profitieren lediglich große Busfirmen." Die Mittelständler setzten dagegen eher auf eine begrenzte Freigabe, bei der pro Strecke nur wenige Buslinien Betriebslizenzen erhielten.

Mehr Druck auf die Bahnpreise

Bisherige Linien-Verbote im Fernverkehr von Bussen waren - mit Ausnahme für das jahrelang geteilte Berlin - zum Schutz der Deutschen Bahn geschaffen worden. Noch ist die gesetzliche Genehmigung zu versagen, "wenn das Angebot Verkehrsaufgaben übernehmen soll, die vorhandene Unternehmer oder Eisenbahnen bereits wahrnehmen" - also entlang der DB-Fernstrecken. Jedoch gibt es inzwischen neben Berlin etliche Sondergenehmigungen - andere wurden richterlich unterbunden.

Die gesetzliche Linien-Freigabe für Fernbusse soll für mehr Druck auf die Bahnpreise sorgen. Dabei ist die DB selbst der größte Busanbieter mit rund 13 200 eigenen und fremden Fahrzeugen. Sie sitzt dem Vernehmen nach als großer Fernbus-Konkurrent der Privaten bereits in den Startlöchern. Der Konzern habe über seine Tochter DB Stadtverkehr bereits ein engmaschiges Busnetzkonzept entwickelt, berichtete die "Financial Times Deutschland". Es solle vor allem größere Städte und Ballungsräume verbinden. In den Startlöchern stünden auch Veolia Verkehr als Marktführer unter den Regionalbahnen und Betreiber von 1500 Bussen sowie der Konkurrent Deutsche Touring.

Quelle: n-tv.de, dpa

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