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Box-Legende im Interview "50 Jahre Axel Schulz klingt total scheiße"

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Der Kampf seines Lebens: Axel Schulz kann sich immer noch für seine "geile Leistung" gegen George Foreman begeistern, auch wenn er den Fight damals nach Punkten verlor.

(Foto: imago/Mausolf)

Turmhohe Torten, 50 Kerzen, ein Stapel Geschenke - damit muss Axel Schulz niemand kommen. "50 Jahre Axel Schulz klingt total scheiße", sagt der frühere Boxprofi: "Ich fühle mich morgens, wenn ich aufstehe, wie 75." Zudem ist das Datum für Schulz, der 1999 seine Mutter an eben jenem Tag verlor, negativ behaftet. Gefeiert wird deshalb nur im engsten Kreis. Im Interview zu seinem 50. Geburtstag blickt der immer noch breit berlinernde Box-Held sehr reflektiert auf sein Leben und seine Karriere.

"Herr Schulz, 50 Jahre - wie klingt das für Sie?"

Axel Schulz: "50 Jahre Axel Schulz klingt total scheiße. Ich fühle mich morgens, wenn ich aufstehe, wie 75. Dann wird es langsam besser. Mit einem oder drei Kaffee. Viel besser ist aber eh das Datum: 9. November. Der Mauerfall."

Sie halten die Marke 50 Jahre für überbewertet?

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Optisch kaum verändert: Die Kappe ist auch mit 50 noch das Markenzeichen von Axel Schulz.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Man kann mit 50 schon mal einen Strich ziehen, was man erreicht hat oder noch erreichen will. Aber für mich bedeutet das jetzt nicht: 'Die Hälfte ist geschafft. Ich werde mit Sicherheit 100.' Ich hab da keinen Plan. Ich hab auch keine Angst vor dem Tod. Der gehört mit dazu. Ich würde gerne noch sehen, was meine Kinder aus ihrem Leben machen. Das ist so der Ansporn, den ich habe.

Wie sind ihre Erinnerungen an den Mauerfall?

An den 9. November 1989 erinnere ich mich noch wie heute. Ich hatte bei mir zu Hause eine Party geplant, weil ich damals schon eine Wohnung hatte. Ich wartete auf meine Kumpels, aber es kam kaum jemand. Bis ich im Radio hörte, dass die Mauer geöffnet wurde. Und wir haben dann gefeiert und Nachrichten geguckt. Am nächsten Tag war ich in der Halle, fünf oder sechs Tage später bin ich nach West-Berlin gefahren. Erstmal die 100 Mark Begrüßungsgeld abgeholt.

Wie sind Sie im DDR-System zum Boxen gekommen?

In der DDR war das so, dass ich vier verschiedene Sportarten ausprobieren durfte. Erst war ich beim Fußball, so wie jeder kleine Junge. Dann bin ich zur Leichtathletik gegangen. Das war mir zu doof, nur im Kreis zu rennen. Dann bin ich zum Schwimmen gegangen, das war mir auch zu doof, immer hin und her zu schwimmen. Und dann bin ich mit einem Freund zum Boxen gegangen. Das hat vielleicht 20, 30 Mark an Mitgliedsbeitrag für meine Mama gekostet. Die hat aber gesagt: 'Hauptsache du machst Sport. Mach dit ma.' Dann wollte ich einfach der Beste sein und bin auf eine Sportschule in Frankfurt/Oder gekommen. Da wohne ich heute noch.

Und da ging es für Sie auch als Profi weiter?

Henry (Maske/d. Red.) und ich haben uns damals entschieden, Profi zu werden. Alle haben uns ausgelacht. Ich hätte in Leverkusen viel mehr Geld als Amateur verdient, wenn ich in einer Staffel geboxt hätte. Wir haben in kleinen Hallen in Frankfurt/Oder geboxt, keine Fernsehverträge gehabt. Der Durchbruch kam, als ich 1992 auf der Documenta gegen Bernd Friedrich geboxt habe. Dort waren der heutige RTL-Moderator Kai Ebel und Burkhard Weber (langjähriger RTL-Sportchef/d. Red.). Und die haben gesagt, dass sie sich das bei RTL vorstellen können. Bei RTL war das mit der Formel 1 zusammen ein Riesen-Durchbruch. Da sind zwei Sportarten zusammen hochgeschossen.

Was war Ihr persönliches Karriere-Highlight?

Zur Person: Axel Schulz

  • Axel Schulz wurde am 9. November 1968 in Bad Saarow geboren.
  • Seinen ersten Profikampf als Schwergewichts-Boxer absolvierte der Linksausleger am 5. Oktober 1990 gegen George Ajio aus Uganda.
  • Bei "Wikipedia" heißt über seine Fähigkeiten: "Schulz besaß nur eine bestenfalls durchschnittliche Schlagkraft, jedoch gepaart mit soliden Nehmerfähigkeiten und einer guten Grundschnelligkeit."
  • Sein Kampfstatistik: 33 Kämpfe, 26 Siege davon 11 durch K.o., fünf Niederlagen, ein Unentschieden und ein Duell ohne Wertung.
  • Seinen letzten Kampf bestritt er am 25. November 26 im westfälischen Halle gegen Brian Minto. Schulz verlor in der sechsten Runde durch Technischen K.o.
  • Mitte Februar 2007 wurde bekannt, dass Schulz nur eine Woche nach dem Kampf gegen Brian Minto einen Schlaganfall erlitten hatte. Grund hierfür war eine fünffach erhöhte Konzentration von Thrombozyten.
  • Bereits im September 2006 soll bei Schulz ein Schlaganfall diagnostiziert worden sein, was ihn jedoch nicht davon abhielt, gegen Brian Minto anzutreten.

Der Kampf gegen George Foreman 1995. Der war der Durchbruch in die Weltspitze. Das war eine geile Leistung, die ich gebracht habe. Leider habe ich den Titel nicht bekommen. Aber wer weiß, was sonst mit mir passiert wäre."

Viele Experten fanden Ihre Punktniederlage in Las Vegas damals unfair. Wie haben Sie den Moment im Ring erlebt?

Im Ring hab ich gedacht, ich hätte gegen George durch K.o. gewinnen müssen. Um einen Weltmeister im Ausland zu besiegen, musst du ihn K.o. schlagen.

Danach hatten Sie gegen Francis Botha 1995 und Michael Moorer 1996 noch zwei WM-Chancen - und vergaben beide. Trauern Sie dem nach?

Natürlich denke ich daran, dass ich dreimal die Chance hatte, in Max Schmelings Fußstapfen zu treten. Das wurmt mich natürlich. Gerade wenn ich heute bei Boxkämpfen bin. Aber für mein normales Leben spielt das eigentlich keine Rolle. Das war eine schöne Zeit.

1999 hat die K.-o.-Niederlage gegen Wladimir Klitschko ihre Karriere zum ersten Mal beendet. Warum haben Sie das damals gemacht?

Den hatte ich mir damals selbst ausgesucht. Der war schon eine Granate. Ich wollte einfach eine Entscheidung, ob ich weitermache oder nicht. Wir sind freundschaftlich verbunden, telefonieren ab und zu, schreiben uns SMS. Der ist einfach ein toller Typ.

2006 folgte Ihr Comeback im Alter von 38 Jahren gegen Brian Minto. Was hat Sie dazu getrieben?

"Ich war bei einer Schwergewichts-WM in Berlin. Da war Don King und hat gefragt, warum ich nicht mehr boxe. 'Die Leute lieben dich hier in Deutschland', sagte er. Ich dachte dann: 'Eigentlich hat er ja recht.' Ich habe mich noch jung und frisch gefühlt. Mein Leben hatte ich im Griff und dachte, ich kann es vielleicht noch. Ich wollte es einfach noch einmal wissen. Dass ich dann so auf die Fresse gekriegt habe, war nicht schön, aber eine Lehre. Jetzt, mit 50, brauche ich nicht mehr daran denken.

Wie blicken Sie auf das Boxen heutzutage?

Früher war das Schwergewicht vom Ruf natürlich interessanter. Gerade mit Mike Tyson. Da waren Evander Holyfield, Lennox Lewis. George Foreman war ein Highlight, als er Michael Moorer K.o. geschlagen hat. Da ist keiner jemandem aus dem Weg gegangen. Viele haben gesagt, dass nach der Klitschko-Ära mit Anthony Joshua neuer Wind reinkommt, aber den vermisse ich ein bisschen."

Was machen Sie heute, wenn Sie vor dem Boxen Ihre Ruhe haben wollen?

Heute sind meine Kinder meine große Leidenschaft und meine Familie. Das steht an Nummer eins. Und ansonsten mache ich in Lebensmitteln. Grillsoßen, Grillwürstchen, Spare Ribs - alles, was sich ums Grillen dreht. Das ist einfach mein Leben. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß. Ein bisschen in den Fußstapfen von George Foreman. Der verkauft ja in Amerika Grills. Ich will mich jetzt mit ihm mal treffen, ob wir da vielleicht was zusammen machen können mit Grillsoßen in Amerika.

Quelle: n-tv.de, Florian Krebl und Emanuel Reinke, sid