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Abscheuliche Bedingungen drohenVan der Poel attackiert Rad-Gigant Pogacar in "heiliger Woche"

04.04.2026, 14:26 Uhr
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Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar: Wer gratuliert am Sonntag wem? (Archivbild) (Foto: Marco Alpozzi/LaPresse/AP/dpa)

In Flandern und Roubaix kulminiert die kurze Kopfsteinpflaster-Saison. Kann Mathieu van der Poel seinen großen Rivalen Tadej Pogacar stoppen? Oder schlägt die Stunde eines überraschend startenden Superstars?

Mathieu van der Poel ergriff vorsorglich schon einmal die Flucht. Da das Wetter in der Heimat zwischen regnerisch und stürmisch schwankte, düste der Niederländer per Privatjet in die Sonne Spaniens. Nichts sollte die Vorbereitung auf die Flandern-Rundfahrt einschränken. "De Ronde", Belgiens heimlicher Nationalfeiertag, steigt am Ostersonntag und bildet den Auftakt zu zwei weiteren - womöglich epischen - Duellen mit Über-Radprofi Tadej Pogacar.

"Letzte Vorbereitung in Spanien für die Heilige Woche", verkündete van der Poel auf Instagram und bestieg den Flieger. In der Nähe von Calpe an der Costa Blanca hat der 31-Jährige seine Schönwetter-Basis. Dort trainierte er an der Seite von Jordi Meeus, dessen Team Red Bull am Donnerstag eine Überraschung parat hatte: Olympiasieger Remco Evenepoel wird erstmals in Flandern starten. Kann er beim Duell zwischen van der Poel und Pogacar dazwischenfunken?

"Ich bin hier, weil ich das Gefühl habe, gewinnen zu können", sagte Evenepoel und versicherte, "alles getan zu haben, um bereit zu sein". Er sagt: "Ich glaube nicht, dass ich in Bezug auf die Streckenkenntnis hinter den anderen zurückliege." Der Zeitfahr-Weltmeister war unweit der Strecke in Aalst in Ostflandern aufgewachsen. In Belgien, in seiner Heimat, drehen sie jedenfalls schon durch wegen der Start-Überraschung.

Das Leiden des Klassikerstars

Aber erstmal stehen die anderen im Fokus: Van der Poel ist eigentlich der beste Klassikerfahrer seiner Generation. Dreimal gewann er in Flandern, dreimal in Roubaix. Unsterbliche Siege in der sogenannten Heiligen Woche des Radsports, da beide Monumente stets nur sieben Tage auseinanderliegen. Wäre da nicht Pogacar, der aufgrund seiner wohl einmaligen Vielfältigkeit auch als ein viermaliger Sieger der Tour de France auf dem holprigen Pflaster um Siege fährt. Zweimal zeigte der Slowene van der Poel in Flandern auf empfindsame Weise bereits die Grenzen auf.

Am Sonntag soll alles anders werden, van der Poel will wie 2022 wieder vor Pogačar sein. Der achtmalige Crossweltmeister gewann den E3 Preis, das wichtigste Vorbereitungsrennen. Seine Niederlage gegen Pogačar bei Mailand-Sanremo vor zwei Wochen war wohl auch auf eine Handverletzung zurückzuführen, die van der Poel bei einem Sturz erlitten hatte.

Pogacar und der Genuss

278 Kilometer von Antwerpen nach Oudenaarde und 16 giftige Anstiege liegen zwischen van der Poel und einem vierten Sieg bei der "Ronde". Es wäre geschichtsträchtig. Zwar gibt es sieben Fahrer mit drei Erfolgen, einen mehr hat noch niemand erreicht.

Einen jubelnden van der Poel möchte Pogacar natürlich nicht sehen. Zwei Rennen fuhr der 27-Jährige dieses Jahr, zwei Siege resultierten daraus. In Flandern ist Pogacar zum einen dabei, um ebenfalls seinen dritten Sieg zu holen und sich auf Paris-Roubaix vorzubereiten, wo er im vergangenen Jahr bei seiner Premiere Zweiter wurde - hinter van der Poel.

Doch Pogacar betont auch, dass er noch aus einem anderen Grund nach Belgien reist. "Flandern ist eine der größten Hochburgen des Radsports. Die Atmosphäre bei diesem Rennen ist besonders. Es ist einfach eine Freude, dabei zu sein." Unterstützt wird der Weltmeister unter anderem vom Kölner Nils Politt, der in fast jedem anderen Team selbst der Anführer wäre.

Welche Taktik wählt van der Poel?

Seine beiden Niederlagen gegen Pogacar in Flandern erlebte van der Poel nach demselben Schema. Bei der dritten und letzten Querung des Oude Kwaremont, - kein steiler, aber mit etwas mehr als zwei Kilometern Länge sehr langer Kopfsteinpflaster-Anstieg - brachte Pogacar so viel Watt auf die Pedale, dass van der Poel nicht mehr folgen konnte. Womöglich wird es der Slowene genau dort erneut versuchen - warum auch nicht.

Van der Poel attackierte 2024 bei seinem bisher letzten Ronde-Sieg in Abwesenheit Pogacars bereits am Koppenberg, jenem bis zu 22 Prozent steilen Monstrum etwa 45 Kilometer vor dem Ziel. Dort könnte er dank seiner besseren Rad-Beherrschung auch Pogacar loswerden. Die größten Chancen dürfte er allerdings haben, wenn er es auf einen Sprint ankommen lässt. So besiegte er Pogacar bereits 2022. Die Wettervorhersage für Sonntag ist übrigens nicht auf der Seite des Sonnengenießers van der Poel: Es sind Sturm und Regen prognostiziert.

Quelle: ntv.de, Tom Bachmann, dpa

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