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Maskes legendäre Niederlage Als der Gentleman nicht mehr liefern konnte

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Maskes Führhand kam gegen den schnellen Hill nicht wie gewohnt zur Geltun.

Wenn Henry Maske in den Ring trat, dann saß Deutschland vor dem Fernseher. Der Gentleman hatte Boxen aus der Schmuddelecke geholt. Für seinen eigentlich letzten Kampf wünschte sogar Helmut Kohl alles Gute, doch im Seilgeviert kam es anders, als erwartet und erwünscht.

Sogar Altbundeskanzler Helmut Kohl wünschte dem Weltmeister für den letzten Kampf alles Gute. Die moralische Unterstützung des Regierungschefs drückte aus, welchen gesellschaftlichen Stellenwert sich Henry Maske in seiner glanzvollen Karriere im wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet hatte. Der Champ hatte Boxen aus der Schmuddelecke geholt und salonfähig gemacht, mit Maske wollte man gerne gesehen werden. Der Gentleman hatte nicht nur den Ring, sondern gleich das ganze Land erobert.

Und so wollte Henry Maske am 23. November 1996 würdig abtreten, mit einem letzten Sahnehäubchen, der Titelvereinigung. In der Münchner Olympiahalle wollte sich der Schützling von Trainer Manfred Wolke zu seinem IBF-Gürtel im Halbschwergewicht auch den der WBA holen. Doch der gehörte dem US-Amerikaner Virgil Hill, und der hatte an diesem Abend andere Pläne.

So wurden zig Millionen Boxfans vor den TV-Geräten Zeuge, wie Maske nach zuvor 30 Siegen in 30 Profikämpfen erstmals als Verlierer aus dem Ring stieg. In einem unsauber geführten Fight kam Maskes Führhand gegen den schnellen Hill nicht wie gewohnt zur Geltung, damit war er seiner stärksten Waffe beraubt. Am Ende stand ein einstimmiger Punktsieg für Hill.

Maske überrascht bei Comeback

An jenem Abend endete die bislang erfolgreichste Ära des Profiboxens in Deutschland. Maskes Kämpfe, vor allem die beiden gegen den inzwischen verstorbenen Berliner Graciano Rocchigiani 1995 zogen die Massen vor die Fernseher, bis zu 18 Millionen Zuschauer wollten Maske kämpfen und siegen sehen. Und Maske lieferte. Nach 19 Siegen holte er sich am 20. März 1993 die IBF-Krone vom US-Profi Charles Williams, zehnmal verteidigte er seinen Titel erfolgreich. Dann kam Hill und mit ihm das Ende.

Elf Jahre später, am 31. März 2007, stiegen beide zu einer Revanche noch einmal gegeneinander in den Ring, ebenfalls in München. Maske war schon 43 Jahre alt, kaum einer traute ihm damals noch etwas zu. Doch der Olympiasieger von 1988 und Amateur-Weltmeister von 1989 überraschte die Fachwelt. Seine jahrelange Ringabstinenz war ihm kaum anzumerken. Und so gewann Maske schließlich eindeutig und klar nach Punkten, um einen Titel ging es dabei nicht mehr. Es blieb sein letzter Auftritt im Seilgeviert.

Quelle: ntv.de, tno/sid