Sport

Doping bis heute nicht geklärt Baumanns Zahnpasta bleibt ewiges Rätsel

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Im Jahr 2000 ist Dieter Baumann ziemlich gefrustet.

Es ist ein Schock: Der deutsche Lauf-Olympiasieger soll gedopt haben. Habe er nicht, beteuert Dieter Baumann bis heute. Doch vor genau 20 Jahren hilft ihm das nichts, bei den Olympischen Spielen in Sydney darf er anreisen - aber nicht antreten. Schuld ist seine Zahnpasta-Tube.

Wie kam das Doping-Mittel in die Zahnpasta? War es ein Anschlag auf Dieter Baumann? Oder hat der Laufstar die Tube selber manipuliert? Bis heute ist eines der großen Kriminal-Stücke der deutschen Sportgeschichte nicht abschließend geklärt.

"Ich konnte es nicht glauben, denn es konnte nicht sein", sagte Baumann, nachdem man in seiner Dopingprobe das verbotene anabole Steroid Nandrolon gefunden hatte. Am 18. September 2000, unmittelbar vor Beginn der Leichtathletik-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Sydney, wurde der heute 55-Jährige, der Olympiasieger von Barcelona, der 'weiße Kenianer', der engagierte Anti-Doping-Kämpfer, schließlich nach langem Hin und Her vom Weltverband für zwei Jahre gesperrt. Geschlagen und gefrustet flog Baumann zurück in die Heimat.

Dabei durfte er überhaupt nur nach Sydney reisen, weil der Deutsche Leichtathletik-Verband seine am 19. November 1999 vorgenommene Suspendierung aufgehoben hatte. Zwei positive Trainingskontrollen waren auffällig. Die Entscheidung des DLV vom 23. Juni 2000 half nicht, der Internationale Leichtathletik-Verband entschied anders, Baumann scheiterte im Kampf um seinen Freispruch auch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas. Der 18. September ist für den Läufer der Tag der Niederlage.

Zahnpasta-Witze gibt es bis heute

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Mittlerweile gehört die Zahnpasta zu Baumanns Programm.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildagentur)

Baumann beteuerte stets seine Unschuld, das juristische Tauziehen hält die Sportwelt zweieinhalb Jahre in Atem, der Skandal wird sogar verfilmt ("Ich will laufen! Der Fall Dieter Baumann"). Führende Experten im Anti-Doping-Kampf wie der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke glaubten ihm, doch beweisen konnte Baumann es nie. "Das gehört zu meiner Vita. Ich habe den Eindruck, viele wissen gar nicht mehr, was damals passiert ist. Da schwebt nur noch das Wort Zahnpasta drüber", sagte Baumann einmal dem SID.

Ab 2002 durfte Baumann schließlich wieder laufen, bei der Heim-EM in München holte der Altmeister über 10.000 Meter noch einmal Silber. Ein Jahr später beendete er seine Karriere. Seitdem tourt Baumann als eine Art Mischung aus Kabarettist, Motivator und Geschichtenerzähler über die Kleinbühnen der Republik. Zahnpasta-Witze dürfen in seinem Programm nicht fehlen.

Quelle: ntv.de, ara/sid