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Furiose Jagd bei Vendee Globe Boris Herrmann segelt Richtung Sensation

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Stark im Wind.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Boris Herrmann sorgt bei der Vendee Globe für Furore. Der erste deutsche Teilnehmer liegt auf Rang drei und besitzt realistische Siegchancen. Binnen einer Woche hat er mehr als 1000 Kilometer auf den Führenden aufgeholt, nun fehlen ihm nur noch 72 auf Charlie Dalin.

Mit schlauer Strategie und viel Wind im Segel rasant Richtung Spitze: Boris Herrmann arbeitet auf hoher See mit Nachdruck an einer realistischen Chance auf eine echte Sensation. Seit Tagen fliegt der 39 Jahre alte Hamburger bei der Vendee Globe auf den Foils seiner Yacht "Seaexplorer" immer schneller der Spitze hinterher. In der Nacht zu Freitag eroberte der Familienvater Rang drei: "Ich habe nun die Bedingungen gefunden, von denen ich geträumt habe." Alles scheint möglich.

"Chancen auf den Sieg bestehen definitiv", hatte Herrmann schon am Donnerstag gesagt und danach seine beeindruckende Aufholjagd fortgesetzt. Binnen einer Woche hat er mehr als 1000 Kilometer auf den Führenden aufgeholt, am Freitag, dem 68. Renntag, fehlten ihm nur noch 72 Kilometer auf Charlie Dalin.

Der kommt aus Frankreich, wie alle bisherigen Sieger des seit 1989 ausgetragenen Rennens, das als härteste Prüfung überhaupt für Segler gilt. Herrmann ist der erste deutsche Starter - und kämpft sofort um alles. "Wir sind im besten Regattamodus in den Endspurt gegangen", sagte Herrmann mit Blick auf die kommenden Tage auf hoher See: "Aber wir haben auch noch einen langen Weg vor uns, mit zwei entscheidenden Etappen: Die Passage durch die Doldrums und die Navigation danach im Nordatlantik."

Ein "eher ängstlicher Segler"

Herrmann und seine Rivalen befinden sich in der aktuell zehnten Woche der Vendee auf einer sehr anspruchsvollen Passage Richtung Äquator, den die ersten Segler am Sonntag erreichen sollten. Das Feld ist vor der Küste Brasiliens auf den vorderen Plätzen stark zusammengerückt. Und Herrmann könnte von dem kühlen Kopf profitieren, den er im Verlauf des Abenteuers bewahrt hat.

Der gebürtige Oldenburger bezeichnet sich als "eher ängstlichen Segler". Mit seiner risikoärmeren Strategie bewahrte er seine Hightech-Yacht während schwerer Wetterkapriolen vor Schäden und könnte davon am Ende profitieren: "Ich versuche, das Potenzial des Bootes und meiner Foils zu 100 Prozent zu nutzen - im Gegensatz zu Thomas und Charlie, die ihre Foils beschädigt haben."

Herrmann treibt nicht nur die Chance auf eine Topplatzierung an, sondern auch der Gedanke, nach all den Entbehrungen endlich seine Familie wieder in die Arme schließen zu können. Und die Aussicht auf ein richtiges Bett, denn auf den Weltmeeren gehen immer wieder "harte Schläge durch Schiff und Körper", wie er berichtet. Das wird noch einige Tage so gehen. Mit der Zielankunft bei der neunten Auflage des Abenteuers ist Ende Januar im Start- und Zielhafen Les Sables-d'Olonne in Frankreich zu rechnen.

Dann dürfte nicht nur bei Herrmann der Blick auf die Uhr gerichtet sein. Denn die Zeitbonifikation, die er sowie zwei weitere Konkurrenten für die Rettungsaktion des schiffbrüchigen Kevin Escoffier erhalten, könnte für die Endabrechnung noch von entscheidender Bedeutung sein. "Es ist noch alles offen", sagte Herrmann, "dieses Ende des Rennens verspricht sehr spannend zu werden".

Quelle: ntv.de, tno/sid