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An Eishockey nicht zu denkenBrutales Foul beendet Skandal-Derby mit 175 Strafminuten

01.04.2026, 13:39 Uhr
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Ingolstadt-Deutschland-31
Das Spiel lief völlig aus dem Ruder. (Foto: picture alliance / Fotostand)

Eishockey? Darum geht es zwischen Red Bull München und dem ERC Ingolstadt im Playoff-Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga nur am Rande. Das Spiel läuft völlig aus dem Ruder. Dann schlägt auch noch Nationalspieler Fabio Wagner einen Konkurrenten bewusstlos.

Plötzlich war es still in der ausverkauften Ingolstädter Arena. "Ärzte aufs Eis", rief der Stadionsprecher. Dort lag der ERC-Verteidiger Edwin Tropmann bewusstlos, die Zuschauer schwiegen in Schockstarre. Eishockey-Nationalspieler Fabio Wagner hatte den 20-Jährigen mit einem brutalen Check gegen den Kopf niedergestreckt.

Minutenlang musste Tropmann behandelt werden, ehe er auf der Trage aus dem Stadion gebracht wurde - direkt ins Krankenhaus. Das vierte Playoff-Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zwischen Ingolstadt und Red Bull München war völlig aus dem Ruder gelaufen. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, griffen die Schiedsrichter Christopher Schadewaldt und Marian Rohatsch zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Nach kurzer Beratung mit Trainern und Kapitänen warfen sie den Puck ein und ließen die verbleibenden 100 Sekunden von der Uhr laufen. An Eishockey war nicht mehr zu denken, das Spiel beim Stand von 7:2 für die Gastgeber ohnehin schon lange entschieden.

175 Strafminuten verhängt

175 Strafminuten hatten die Referees insgesamt verhängt, 125 alleine gegen München, Olympia-Teilnehmer Wagner war der dritte Red-Bull-Spieler, der mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe in die Kabine musste. Pressekonferenz und Interviews wurden abgesagt, lediglich Münchens Trainer Oliver David äußerte sich bei MagentaSport. Es sei "Teil des Spiels, einen Weg zu ins Spiel zurückzufinden, und sei es für das nächste Spiel", sagte der Amerikaner und sprach von einer "sehr unglücklichen" Aktion und einem "Unfall".

Wagner, langjähriger Kapitän in Ingolstadt, hatte Tropmann aber auf sich zulaufen sehen und offenbar bewusst attackieren wollen. "Ich kenne ihn als astreinen, super feinen Kerl", sagte Ex-Nationalspieler Christoph Ullmann als MagentaSport-Experte, "aber das war ein totaler Blackout." Ingolstadts Manager Tim Regan meinte später: "Das hat mit Eishockey nichts zu tun. Das schadet unserem Produkt und der Gesundheit der Spieler."

Wagner tue es "aufrichtig leid"

Tropmann sei erst im Krankenwagen wieder zu Bewusstsein gekommen, berichtete er. Der Abwehrspieler meldete sich noch in der Nacht auf Instagram und bedankte sich für die "vielen lieben Genesungswünsche". Am Mittwoch entschuldigte sich Wagner per Instagram-Video: Es tue ihm "aufrichtig leid", es sei "ein Fehler von mir" gewesen, er trage "die volle Verantwortung für mein Handeln" und wünsche "gute Besserung". Laut ERC erlitt Tropmann eine Kopf- und Nackenverletzung und bleibt für weitere Untersuchungen in der Klinik.

Schon vor dem Horrorfoul hatte der Münchner Jeremy McKenna den Ingolstädter Daniel Schmölz mit dem Ellbogen am Kopf getroffen, der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung nicht weiterspielen konnte. Der Frust der Gäste, die nach drei Gegentoren in 50 Sekunden schon nach knapp elf Minuten mit 0:4 hinten gelegen hatten, schlug im Laufe des Spiels immer mehr in Aggression um. Nur unter Polizeischutz konnte der Mannschaftsbus den Parkplatz vor der Halle verlassen, nachdem Ingolstädter Fans die Ausfahrt blockiert hatten.

Über Sperren beriet am Mittwoch der DEL-Disziplinarausschuss unter Vorsitz des Ex-Nationalspielers Alexander Barta. Schon am Donnerstag (19.30 Uhr/MagentaSport) geht es in München weiter. In der Best-of-seven-Serie steht es 2:2. "Beide Seiten hoffen, dass es ein normales Eishockeyspiel wird", sagte Red-Bull-Sportdirektor Christian Winkler, "so normal, wie es sein kann."

Quelle: ntv.de, ara/sid

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