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Diktator kümmert sich persönlich Covid-Folgen nagen an Karriere von UFC-Star

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Khamzat Chimaev hatte nach seiner Erkrankung an Covid-19 starke Lungenprobleme.

(Foto: USA TODAY Sports)

Die Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung können enorm sein. Für MMA-Kämpfer Chimaev sind sie so folgenschwer, dass er seinen Rücktritt verkündet. Dabei ist er erst 26 Jahre alt. Hoffnung auf eine Rückkehr in den Ring macht ihm eine spezielle Behandlung - und Zuspruch von einem Diktator.

Von einem der großen Gewinner zu Beginn der Pandemie hat sich der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Khamzat Chimaev zu einem ihrer tragischsten Opfer entwickelt. Der aufstrebende UFC-Star erlebte in seiner bislang makellosen MMA-Karriere ein überragendes Jahr 2020 mit drei K.-o.-Siegen innerhalb von drei Monaten. Vor seinem bis dato größten Kampf gegen den Briten Leon Edwards erkrankt der 26-Jährige dann an Covid-19. Von den Spätfolgen scheint sich der Schwede mit tschetschenischen Wurzeln nicht zu erholen - er erklärt öffentlich sein Karriereende. Zwei mächtige Männer bringen ihn jedoch zum Umdenken.

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Der gelernte Ringer Chimaev hat eine ungeheure Schlagkraft.

(Foto: USA TODAY Sports)

Für die UFC hat Chimaev so ziemlich alles, um in die Fußstapfen des zurückgetretenen Kampfsport-Superstars Khabib Nurmagomedov zu treten. Die Bilanz ist sowohl das Aushängeschild des Fighters als auch der Promotion, für die er antritt. Von neun Profikämpfen im Weltergewicht entschied Chimaev allesamt vorzeitig. Ob direkte oder technische Knockouts, Aufgabegriffe - er lieferte in beeindruckender Manier. Sein letzter Kampf gegen Gerald Meerschaert im September dauerte nur 17 Sekunden. Dazu spricht Chimaev sehr gutes Englisch und ist durch seinen Geburtsort in Tschetschenien auch Russland verbunden, was sich für die UFC gut vermarkten lässt.

Das Gesamtpaket stimmt also. Umso größer war der Aufschrei, als Chimaev Ende Februar sein Karriereende in einem Instagram-Post mitteilte: "Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich auf diesem Weg im Sport unterstützt haben. Ich glaube, ich bin fertig", schrieb er. "Ich weiß, ich habe den Titel nicht gewonnen, aber es ist nicht das wichtigste Ziel in meinem Leben. Vielleicht seid ihr verärgert, aber mein Herz und mein Körper sagen mir alles."

Pendeln zwischen Ring und Krankenhaus

Was zu diesem drastischen Schritt und damit zum Ende einer der vielversprechendsten Karrieren seines Sports führte? Der gesundheitliche Zustand von Chimaev soll für ihn als Leistungssportler desolat gewesen sein. Bereits wenige Tage nachdem der 26-Jährige nicht mehr ansteckend gewesen war, stellten Ärzte fest, dass die Leistungsfähigkeit seiner Lungen nicht mehr bei 100 Prozent lag. In den folgenden Wochen soll Chimaev immer irgendwo zwischen Trainingszentrum und Krankenhaus gependelt sein. "Er konnte keine zwei Runden am Stück im Ring stehen. Nach einer Runde fing er an zu husten, er fühlte sich schlecht und musste das Training abbrechen", erklärte der Leiter des MMA-Gyms in Stockholm, in dem sich Chimaev auf seine Kämpfe vorbereitet.

Hilfe kam von UFC-Boss Dana White, der Chimaev zur Behandlung nach Las Vegas einfliegen ließ. Aber auch dort lief nicht alles nach Plan. "Als er hierherkam, haben sich die Ärzte um ihn gekümmert", erklärte White gegenüber "MMA Junkie". Chimaev sei mit dem aggressiven Steroid Prednison behandelt worden. Ein Mittel, das die Reaktion des Körpers auf Infektionen und damit die Symptome stark reduziert, aber auch schwere Nebenwirkungen haben kann. Doch statt sich zu entspannen, habe Chimaev trainiert und sich anschließend so schlecht gefühlt, dass er aus einer Emotion heraus den Rücktritt verkündet habe, so White.

Zuspruch vom Diktator

Motivation auf emotionaler Ebene kam dagegen vom Präsidenten der Teilrepublik Tschetschenien. Ramsan Kadyrow ist ein Diktator, dem regelmäßig Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Russlands Präsident Wladimir Putin lässt ihn gewähren. Chimaev ist für die Tschetschenen ein Idol, auch wenn er unter schwedischer Flagge kämpft - das weiß auch Kadyrow. Er habe Chimaev nach dessen Rücktritt umgehend angerufen, teilte Kadyrow auf Instagram mit und postete ein Foto des Fighters. "Ich sagte ihm, dass alle Tschetschenen von dieser Nachricht bestürzt waren", schrieb Kadyrow.

"Ich hab' ihn daran erinnert, dass alle unsere jungen Leute, die er inspiriert, große Hoffnungen auf seinen Sieg setzen. Nicht nur hier - sondern Millionen Fans in Russland und der Welt." Diese würden geduldig auf seine Rückkehr warten. "Während unseres Gesprächs erkannte Chimaev, wie wichtig seine Karriere für jeden Tschetschenen ist, und versprach, alle Anstrengungen zu unternehmen, um sich so schnell wie möglich zu erholen", schrieb der Diktator abschließend.

Ob nun medizinische Fortschritte oder Patriotismus- Chimaev scheint wieder optimistischer in die Zukunft zu blicken. Den Instagram-Post zu seinem Rücktritt hat er mittlerweile gelöscht. Sowohl UFC-Boss Dana White als auch der Kämpfer selbst hoffen nun auf eine Rückkehr ins Octagon im Juni.

Quelle: ntv.de