Sport

Mutmacher vor EM-StartDHB-Team liefert gegen Top-Team "ein richtiges Brett"

09.01.2026, 10:34 Uhr
imageVon Till Erdenberger
ZAGREB-CROATIA-JANUARY-8-2026-Friendly-match-between-Croatia-and-Germany-preparation-for-EURO-2026
Deutschlands Handballer machen sich und dem Bundestrainer Freude. (Foto: IMAGO/Grubisic)

Ein echter Mutmacher kurz vor dem EM-Start: Gegen Angstgegner und Vizeweltmeister Kroatien gelingt der deutschen Handball-Nationalmannschaft ein starkes Spiel - und der erste Sieg nach einer Niederlagenserie. Es gibt gute Signale.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft erwartet bei der Europameisterschaft in Dänemark (ab 15. Januar) ein "Albtraum", wie Torwart Andreas Wolff mit Blick auf den mit nahezu ausschließlich Hochkarätern gespickten Weg zu den hochgesteckten Zielen bereits orakelte. Doch vor dem Start des Turniers holt sich das DHB-Team schon einmal ordentlich Mut: Mit 32:29 (17:14) besiegt die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason Vizeweltmeister Kroatien. Auswärts, vor 15.200 immer leiser werdenden Fans im Hexenkessel von Zagreb. "In Zagreb beim Vizeweltmeister zu gewinnen, ist ein richtiges Brett", staunte Julian Köster über sich und seine Teamkollegen. Und es gab reichlich Grund zum Staunen.

"Das war unser erstes Spiel im neuen Jahr – und dann direkt auswärts zu gewinnen, tut unfassbar gut", sagte Torhüter David Späth, der den Vorzug vor Deutschlands EM-Held Wolff bekommen hatte und mit 14 Paraden schon zu großer Form auflief. Die Kroaten, die im vergangenen Januar im WM-Finale von Oslo den außerirdischen Dänen länger als jedes andere Team Paroli geboten hatten, hatten sie sich beim DHB als Härtetest auf EM-Niveau ausgeguckt. Wie EM-Spiele wolle man die beiden Duelle (das Rückspiel steigt am Sonntag in Hannover, 18.05/ARD und Dyn) angehen. Und sie nahmen die Herausforderung exakt eine Woche vor dem EM-Start gegen Österreich an: seriös, konzentriert, entschlossen.

"Zeigt Reife"

Als es in der Schlussphase eng wurde, die Kroaten auf einmal mit zwei Toren führten, schaltete das deutsche Team in den Crunchtime-Modus und trotzte erfolgreich den Widerständen: "Es hätte in beide Richtungen kippen können", sagte Spielmacher Juri Knorr, der selbst fünf Treffer zum ersten Sieg gegen die Kroaten nach zuletzt vier Niederlagen in Serie beisteuerte. "Diesmal haben wir viel besser gegen gehalten", erinnerte sich auch der Bundestrainer an die Pleiten, unter anderem bei Olympia (26:31) und bei der Heim-EM 2024 (24:30). "Das zeigt ein bisschen Reife und dass wir dazugelernt haben in den letzten Jahren", meinte Knorr, der nach seinem Wechsel nach Aalborg in die dänische Liga derzeit so entspannt wie nie zuvor wirkt.

Es ist ein großes Versprechen dieser jungen deutschen Handball-Generation, dass sie mit wachsender Erfahrung in den engen Spielen, in denen es um alles oder nichts, um Medaillenchance oder Absturz geht, endlich zuverlässig ihre beste Leistung aufs Parkett bringen kann. Bei Olympia, als man furios über die Großmächte Spanien und Frankreich hinweg zur Silbermedaille stürmte, bekam man schon einen Eindruck davon, was mit Renars Uscins, Knorr, Köster, Späth und all den anderen Hochbegabten möglich ist. Doch im vergangenen Januar kam es bei der WM gleich wieder zum Systemabsturz und einem frustrierenden Viertelfinal-Aus nach Verlängerung gegen Portugal.

Das bevorstehende Turnier wird nächste Hinweise darauf geben, wo die Mannschaft in ihrer immer wieder beschworenen Entwicklung zum Spitzenteam steht. Für die EM haben die deutschen Spieler das Halbfinale als Zwischenziel ausgegeben. Der Weg dorthin führt durch zahlreiche Entscheidungs-Spiele, Deutschland muss gleich mehrere Teams aus der Riege der Schwergewichte Dänemark, Spanien, Frankreich, Norwegen und Portugal schlagen, will es etwas erreichen. "Auch wenn wir vorne ein bisschen zu viele technische Fehler gemacht haben, hat die Mannschaft nie nachgegeben", sagte Gislason und ergänzte: "Ich bin sehr stolz auf die Jungs, weil sie einfach an sich geglaubt haben und extrem gut zusammengehalten haben."

"Fühlt sich sehr gut an"

Und noch etwas gibt Anlass zur Hoffnung, den Albtraum gut zu überstehen: Die deutsche Mannschaft fährt in Bestbesetzung und in Vollbesitz seiner Kräfte zu ihrem Spielort nach Herning. Sollte in der Woche bis zum Turnierstart nichts mehr passieren ... Während sich in den vergangenen Jahren immer wieder Leistungsträger wie Weltklasse-Kreisläufer Johannes Golla, dessen Qualität für das DHB-Team an beiden Enden des Feldes unersetzbar ist, auf der letzten Rille zu Großturnieren schleppten, scheinen derzeit alle Mann fit zu sein für den Jahres-Höhepunkt.

"Wir haben mehr Breite jetzt als oft zuvor, mehr Innenblockmöglichkeiten in der Abwehr – das hilft uns natürlich sehr", sagte Gislason nach seinem so erfreulichen 100. Länderspiel als Bundestrainer. Mit Gummersbach Tom Kiesler und Matthes Langhoff von Meister Füchse Berlin hat sich der Isländer gleich zwei hochspezialisierte Turnierneulinge für die Abwehr geholt, um künftig aus einem Gefühl der Stärke heraus wechseln zu können - und nicht als Reaktion auf Verschleiß seiner vielbeschäftigten Stamminnenblocker Golla und Köster, wie es zuletzt zu häufig der Fall war. "Natürlich fühlt es sich sehr gut an", ließ der Bundestrainer verlauten.

Quelle: ntv.de

Handball-NationalmannschaftHandball-EM