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Absurdes Problem beim CHIO Der "Krieg der Uhren" zermürbt die Reitszene

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Otto Becker ist von der Situation beim Nationenpreis überhaupt nicht begeistert.

(Foto: imago images/Rene Schulz)

Beim legendären CHIO in Aachen werden die Probleme des Nationenpreises offensichtlich. Der traditionsreiche Wettbewerb steckt in einer Krise. Das ärgert die Verbände und macht es auch für den Bundestrainer zunehmend kompliziert. Die Reiter profitieren hingegen.

Spätestens wenn in zwei Tagen das Flutlicht in der Aachener Soers angeht und 40.000 Zuschauer im ausverkauften CHIO-Stadion die Nationalteams anfeuern, wird dem Präsidenten des Welt-Reitverbandes FEI das Problem wieder vor Augen geführt. Das größte Turnier der Welt bietet den am besten dotierten und am besten besuchten Nationenpreis auf dem Globus - doch das Länderspiel der Springreiter ist nicht Bestandteil der FEI-Serie Nations Cup. Das ärgert den deutschen Reitverband FN genauso wie die Trainer und die meisten Reiter.

Der Nations Cup steckt in der Krise, am Fehlen von Aachen wird das besonders deutlich. "Es hat Priorität, die Serie am Leben zu halten", sagt der FEI-Präsident und wirkt ein wenig ratlos. "Wir müssen nach Alternativen suchen, aber das ist ein laufender Prozess." Die Diskussion wird auch in Aachen geführt. Im Hintergrund gärt es. Grund für das seit Jahren schwelende Problem ist der "Krieg der Uhren", wie ein Sponsoren-Streit in der Szene genannt wird. Auf der eine Seite steht der FEI-Sponsor Longines, auf der anderen der in Aachen überall sichtbare Konkurrent Rolex. Beide Uhrenhersteller pumpen viel Geld in den Pferdesport. Die Reiter dürfen sich die Hände reiben, doch die wichtigste Serie des Weltverbandes verliert zunehmend an Bedeutung.

Kleiner und komplizierter geworden

Angefangen hatte die Auseinandersetzung damit, dass Longines rund 100 Millionen Schweizer Franken für zehn Jahre zahlte, um den Konkurrenten Rolex als Generalsponsor des Weltverbandes FEI abzulösen. Rolex gab aber nicht klein bei, investierte stattdessen, unter anderem mit der Gründung der Grand-Slam-Serie mit dem Großen Preis von Aachen als Mittelpunkt. Zudem steckt der frühere Sponsor der FEI Millionen in Turniere, die dann wegen Ausschlussklauseln in den Verträgen nicht mehr Teil des Nations Cups sein dürfen. Nach Rom wechselte in diesem Jahr auch der traditionsreiche Nationenpreis im französischen Badeort La Baule den Hauptsponsor - und ist damit nicht mehr Teil der Serie.

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Der Nations Cup ist dadurch kleiner und zugleich komplizierter geworden: Es besteht nur noch aus sechs Stationen, aber nur bei vier darf jede Nation antreten. "Bei den anderen beiden Turnieren dürfen wir nicht starten", erklärt Bundestrainer Otto Becker: "Das ist nicht zufriedenstellend." Becker findet: "Dass das beste Turnier der Welt und einige andere Turniere mit großer Tradition nicht dabei sind, ist wirklich sehr bedauerlich." Für den CHIO bedeutet das andererseits, dass nicht mehr automatisch die besten Nationen mit den besten Reitern am Donnerstagabend antreten. Die Aachener laden stattdessen Mannschaften ein.

Dennis Peiler, Sportchef des deutschen Reitverbandes, sagt dennoch: "Aachen bleibt, egal ob es Teil einer Serie ist oder nicht, einfach einzigartig. Wegen der Bedeutung, aber natürlich auch wegen der Dotierung." Eine Million Euro wird allein am Donnerstagabend ausgeschüttet, so viel wie bei keinem anderen Nationenpreis. Zumindest finanziell sind die Reitprofis Profiteure im "Krieg der Uhren".

Quelle: ntv.de, Michael Rossmann, dpa

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