Sport
Donnerstag, 17. August 2006

Druck auf Ullrich wächst: Deutscher Arzt half Fuentes

Ermittler der Polizei haben am Donnerstag im Zuge des spanischen Dopingskandals Durchsuchungen in Niedersachsen und Thüringen bei einem deutschen Arzt durchgeführt. Dieser steht im Verdacht, in die Affäre um den Mediziner Eufemiano Fuentes verwickelt zu sein. Die Durchsuchungen hätten zum Auffinden umfangreicher Beweismittel geführt, heißt es in einer Mitteilung des Bundeskriminalamtes. Die Staatsanwaltschaft Göttingen leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Arzt wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ein.

Laut BKA-Erklärung handelt es sich bei dem Beschuldigten um den Mediziner Markus Choina, einen der Chefärzte der Helios-Klinik Bleicherode. Er stehe im Verdacht, "Arzneimittel, die dem Arzneimittelgesetz unterliegen, zu Dopingzwecken im Sport in den Verkehr gebracht zu haben". Das Verfahren sei auf Grund von Erkenntnissen des BKA und der spanischen Behörden im Zusammenhang mit dortigen Ermittlungen gegen den Arzt und mutmaßlichen Lieferanten von Dopingmitteln, Eufemiano Fuentes, eingeleitet worden. "Im Rahmen dieser Ermittlungen war der Verdacht aufgekommen, dass es sich bei einem der Zulieferer der Dopingmittel an Fuentes um den Beschuldigten handeln könnte", heißt es in der Mitteilung.

Neue Beweise gegen Ullrich?

Unterdessen gerät Jan Ullrich wegen seiner vermeintlichen Verwicklung in den spanischen Dopingskandal immer stärker unter Druck. In einem der "Süddeutschen Zeitung" vorliegenden Fax wird der Tour-de-France-Sieger von 1997 erstmals direkt mit dem im Mittelpunkt der Affäre stehenden spanischen Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht. Wie das Blatt berichtet, befindet sich der Name "Jan Ulrich" (mit nur einem "l" geschrieben) in einem mit "Eufuentes" unterzeichneten Schreiben an den Kolumbianer Nelson Giraldo Flores auf einer Liste von Rad-Profis und Mitarbeitern.

Fuentes bitte seinen Bekannten Giraldo, nach "SZ"-Angaben sein Kurier, darin um "Hilfe und Mitarbeit" für das "Festival im Mai". Damit ist nach Angaben des Blattes der Giro d'Italia gemeint. Jan Ullrich hat bisher stets bestritten, in die Doping-Affäre verstrickt zu sein und überhaupt Kontakt zu Fuentes gehabt zu haben. Der spanische Arzt gilt als Drahtzieher des Skandals.

Entrüstet reagierte am Donnerstag Ullrichs Manager Wolfgang Strohband auf die Veröffentlichung. "Das in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichte Schriftstück liegt uns vor, wir kennen es. Dort wird der Name Jan Ullrich kurioserweise unter Nummer sieben aufgeführt. Bisher hieß es immer, er sei die Nummer eins. Was da in dem Artikel steht, ist völlig unmöglich", erklärte Strohband. Ob Ullrich dagegen juristisch vorgehen werde, "haben wir uns noch nicht überlegt".

Verfahren gegen Ullrich

Gegen den deutschen Rad-Profi war am Mittwoch vom zuständigen Schweizer Radsport-Verband ein Doping-Verfahren eingeleitet worden. Dem 32-Jährigen, der schon einmal wegen Dopings gesperrt war, droht das Ende der Karriere.

Das Fax hat laut "SZ" in der Übersetzung folgenden Wortlaut: "Nelson, wie verabredet übermittle ich dir die Liste der Mitarbeiter und Teilnehmer am Festival, das im Mai stattfindet. Auf deine Hilfe und Mitarbeit hoffend, verbleibe ich mit einem Gruß (...), danke, Eufuentes."

In dem Fax tauchen neben dem Deutschen Ullrich auch die Namen des italienischen Giro-Siegers Ivan Basso sowie von drei weiteren Fahrern auf, die an der Italien-Rundfahrt teilnahmen. Daneben wird ein Ex-Fahrer aus Spanien namentlich genannt, der nach "SZ"-Angaben bei der Razzia im Mai verhaftet worden war. Ullrich und Basso waren wegen ihrer möglichen Verstrickung in die Doping-Affäre um Fuentes unmittelbar vor dem Start von der Teilnahme an der Tour de France ausgeschlossen worden.

"Das Ganze nervt"

Wenig später wurde Ullrich vom T-Mobile Rennstall "außerordentlich und fristlos" gekündigt. Hauptgrund war seine Weigerung ("Ich bin doch kein Verbrecher"), einen DNA-Test zu machen. Dieser hätte seine Behauptung belegen können, dass die bei Fuentes gefundenen und mit "Jan" beschrifteten Blutbeutel tatsächlich nicht Ullrichs Blut enthalten.

Strohband erklärte, dass eine Rückkehr Ullrichs zu seinem alten Team ausgeschlossen sei: "Für T-Mobile wird Jan mit Sicherheit nie mehr in den Sattel steigen, dieses Kapitel ist für uns endgültig abgeschlossen." Es gebe aber schon mehrere Anfragen interessierter Rennställe, allerdings noch keine konkreten Verhandlungen: "Wir warten bewusst das Verfahren ab. So lange fährt Jan auch keine Kriterien, obwohl wir dadurch eine Menge Geld verlieren."

Bezüglich des angekündigten Doping-Verfahrens erklärte Strohband, dass er auf einen baldigen Beginn hoffe, denn "das Ganze nervt doch sehr". Ullrich, der weiter jede Manipulation von sich weist, wird von der Hamburger Kanzlei Luther vertreten. Man gehe fest von einem Freispruch aus, sagte Strohband: "Danach will Jan auf jeden Fall wieder Rennen fahren."

Quelle: n-tv.de