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Heldenstory mit Horrorstürzen Die tragische Karriere des Thomas Diethart

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Der Moment der Sensation.

(Foto: dpa)

Thomas Diethart kam aus dem Nichts, wurde Tourneesieger - und verschwand wieder im Nichts. Der Österreicher blickt ohne Groll auf eine der kuriosesten Skisprung-Karrieren zurück. Dabei zwingt ihn das Schicksal auf dramatische Weise zum vorzeitigen Ende seiner Laufbahn.

Thomas Diethart ist längst in der sportlichen Rente gelandet, doch sein Helm fliegt immer noch. Vor drei Jahren hat ihn der unwahrscheinlichste Vierschanzentournee-Sieger der Geschichte, der 2013/14 ganz Österreich aus den Socken haute, seinem Kumpel Thomas Lackner vermacht. Und so war der markante Kopfschutz mit dem Antlitz von "Taz", dem tasmanischen Cartoon-Teufel, auch in Bischofshofen dabei. Dort, wo Dietharts Aschenputtel-Geschichte vor sieben Jahren ihren Höhepunkt fand.

"Wenn ich mal ein Springen anschaue und dann den Helm sehe, denke ich oft kurz, Moment, bin das jetzt? Und dann kommt's wieder: Ach ne, das ist ja der Lacki. Also, ich finde das cool", sagte Diethart bei Eurosport und lachte herzlich. Der heute 28-Jährige, der aus dem Nichts zum Überflieger wurde und dann als Bruchpilot wieder im sportlichen Nichts landete, hat Frieden mit seiner vor drei Jahren beendeten Karriere geschlossen. Eine Karriere, die Spuren hinterließ.

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Diethart euphorisierte damals ganz Österreich.

(Foto: REUTERS)

Wie ein Kaiserschmarrn schmeckt, weiß Diethart nur noch aus der Erinnerung. Wie die Wiesen seiner Tiroler Wahlheimat riechen, muss er sich vorstellen. Der Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn ist die dramatischste Folge der ewigen Suche nach seinem einzigen Wunderwinter, der Stürze, die er beinahe mit dem Leben bezahlte, der Kopfverletzungen. "Ich weiß ja noch, wie mir etwas geschmeckt hat, das hab ich abgespeichert. Deshalb esse ich jetzt immer noch gerne, was ich vorher gerne gegessen habe."

Rückblende: 30. Dezember 2013, Oberstdorf. Ein 21 Jahre alter Nobody, überraschend in Österreichs Starteam gerutscht, fliegt beim Tournee-Auftakt in seinem fünften Weltcupspringen auf Platz drei. Diethart steigert sich in einen Rausch. Sieg in Garmisch-Partenkirchen, Fünfter in Innsbruck, Sieg in Bischofshofen, Gesamtsieg.

Der "Didl der Nation"

Österreichs Presse feiert den "Flachland-Adler" aus Tulln an der Donau, ernennt den unbedarften Aufsteiger, dessen Eltern - rot-weiß-rot geschminkt und mit Plüschschwein in der Hand - zu TV-Attraktionen werden, zum "Didl der Nation". Es ist der letzte Tourneesieg der Ära von Meistertrainer Alexander Pointner, errungen ausgerechnet von einem, der eben nicht zu dieser Goldenen Generation der Morgensterns und Schlierenzauers gehört.

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Aber Dietharts Karriere nimmt einen tragischen Verlauf. Er holt noch Olympiasilber mit dem ÖSV-Team in Sotschi, die Weltcupsiege in Garmisch und Bischofshofen bleiben aber seine einzigen. 2016 stürzt er schwer, erleidet beim Continental Cup in Brotterode Prellungen an Wirbelsäule, Niere und Lunge. Im folgenden Sommer der nächste Trainingscrash, diesmal mit glimpflichem Ausgang. Anders im November 2017. Beim Training in Ramsau haut es Diethart brutal hin - Einblutung ins Gehirn, Lungenquetschung, Gesichtsverletzungen und im Krankenhaus die Erkenntnis: "Das war es, jetzt lass ich es."

Diethart hat sich mit der Situation arrangiert, eine Trainerlaufbahn eingeschlagen, im Mai 2020 wechselte er in den Deutschen Skiverband, betreut in Oberstdorf 13- bis 16-Jährige. "Ich habe in meiner Karriere so ziemlich alles miterlebt, Höhenflüge und Saisons, wo überhaupt nichts geklappt hat, plus die Stürze", sagt Diethart: "Das ist ein Vorteil, solche Erfahrungen an die jungen Leute weitergeben zu können."

Quelle: ntv.de, Christoph Leuchtenberg & David Ryborz, sid