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Dressel - ein besonderer Star Die traurige Geschichte hinter dem Halstuch

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(Foto: imago images / GEPA pictures)

Caeleb Dressel ist ein verdammt erfolgreicher Schwimmer. Bei der WM in Gwangju hat er bereits dreimal Gold und eine Silbermedaille gewonnen. Vor zwei Jahren waren es sogar sieben Titel. Doch weitaus wichtiger als all das Edelmetall ist ihm ein Textilstück.

Er ist schnell, keine Frage. Doch Caeleb Dressel fällt nicht nur wegen seiner Erfolge im Schwimmbecken auf. Den zwei Olympiasiegen beispielsweise oder den neun Goldmedaillen, die er bei Weltmeisterschaften gewonnen hat. Sein Markenzeichen ist vielmehr ein schwarz-blaues Tuch mit vielen Kühen geworden, das der 22 Jahre alte US-Amerikaner stets bei sich hat. Auf dem Weg zum Pool trägt er es oft lässig auf dem Kopf. Vor den Rennen wickelt er es um seine Hand, kniet nieder, betet am Beckenrand und legt das Textil dann sorgfältig hinter den Startblock. Und bei den Siegerehrungen hält Dressel es in der Hand und bindet es um die Medaille, sobald das Edelmetall um seinen Hals hängt.

Das Tuch bedeute ihm "mehr als alles andere auf der Welt", hat Dressel bereits mehrfach betont. "Ich rieche dran, küsse es und lege es jede Nacht auf meinen Nachttisch." Das Kopftuch gehörte einst Claire McCool. Sie war Dressels Mathematik-Lehrerin an der Clay High School in seiner Heimatstadt Green Cove Springs in Nord-Florida. McCool starb am 20. November 2017. Knapp zwei Jahre lang hatte sie gegen ihren Brustkrebs angekämpft - letztlich aber verloren.

"Einzigartige Verbindung zwischen Schüler und Lehrerin"

*Datenschutz

McCool hatte diverse dieser Kopftücher. Sie trug sie immer, wenn sie Sport trieb. Nach ihrem Tod gab Ehemann Mike nicht nur jeder der drei Töchter eines dieser Tücher, sondern auch Dressel. Denn er wusste: Für den Schwimmer war seine Ehefrau weitaus mehr als nur jemand, der ihm im Unterricht Addition, Algorithmus oder Algebra beibrachte. Dressel bezeichnete sie als "Mentor". Seine jüngere Schwester Sherridon spricht von einer "einzigartigen Verbindung zwischen Schüler und Lehrerin."

Das wurde vor allem in Dressels letztem High School-Jahr deutlich. Er war damals, 2013, das größte Nachwuchs-Schwimm-Talent der USA. Aber er brauchte eine Auszeit - und nahm sich diese von Dezember 2013 bis Mai 2014. "Ich hatte einige Probleme und musste mich da durchschlagen", sagt Dressel, ohne ins Detail zu gehen. Seine Vertrauensperson war nicht die Mutter, der Vater oder sein bester Freund, sondern Claire McCool. "Zu wissen, dass er in dieser Situation auf mich gebaut hat, mit all seinen Geheimnissen, ist etwas ganz Spezielles", hob McCool damals gegenüber Floridas TV-Sender "WUFT" hervor.

"McCool" statt Bibelverse auf den Wangen

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(Foto: imago images / Insidefoto)

Nachdem bei ihr 2015 Brustkrebs diagnostiziert wurde, unterrichtete sie zwischen den Chemotherapien trotzdem weiter. Dressel, ein sehr religiöser Mensch, der in jener Zeit nicht nur für seine schnellen Zeiten bekannt war, sondern auch dafür, sich Bibel-Verse auf die Wangen zu schreiben, würdigte seine Lehrerin bei den regionalen College-Meisterschaften im Februar 2016. Anstelle einer Zahlenkombination der Heiligen Schrift stand "McCool" unter seinen Augen.

Ein halbes Jahr später sprang Dressel in Rio in den Olympischen Pool - und gewann mit der 4x100 Meter Freistil- sowie der 4x100 Meter-Lagenstaffel jeweils Gold. Claire McCool verfolgte die Wettkämpfe ihres Schülers daheim in Florida im Fernseher. Sie sei jedes Mal "so aufgeregt" gewesen, erinnert sich ihr Ehemann. Als McCools Kampf gegen den Krebs immer aussichtsloser wurde, kam Caeleb Dressel oft zu Besuch. "Ich stand an ihrem Sterbebett - und sah die stärkste Frau, die mir je begegnet ist", so Dressel.

Erster Kopftuch-Auftritt 2018

Beim ersten großen Wettkampf nach McCools Tod, den nationalen College-Meisterschaften im März 2018, trat er erstmals mit dem Kopftuch an - trug es medienwirksam beim Gang zum Startblock zwischen den Lippen. Er glaube einfach, dass McCools Geist in diesem Tuch stecke, sagt Dressel. Glück gebracht hat es ihm auch im Finale über 100 Meter Freistil - er holte sein drittes Gold in Gwangju. Seinen Goldmedaillen über die 50 Meter Schmetterling und mit der 4x100 Meter-Freistilstaffel sowie Silber mit der 4x100 Meter-Mixel-Lagen-Staffel hat er ein weiteres Edelmetall folgen lassen.

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Wie sehr er mittlerweile an die Kraft des Kopftuches glaubt, wurde vor einem Jahr deutlich. Da war das Stoffstück bei den US-Meisterschaften plötzlich verschwunden. Dressel suchte umgehend in den sozialen Netzwerken nach Hilfe. "Ich kann mein Tuch nicht finden, hat es jemand gesehen? Kann sein, dass ich es am Pool gelassen habe", schrieb Dressel via Twitter. Kurze Zeit später gab er Entwarnung - und hatte es zwischen seinen Schwimmkappen gefunden. "Ms McCool" verspricht Dressel, "wird bis zum Ende meiner Karriere bei jedem Rennen bei mir sein. Gewöhnt euch also an dieses schwarz-blaue Tuch mit den Kühen drauf."

Quelle: n-tv.de

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