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Ein Vierteljahrhundert Tränen Die unglaubliche Pechsträhne der Kansas City Chiefs

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Touchdown: Damien Williams von den Kansas City Chiefs feiert.

(Foto: AP)

Die Playoff-Geschichte der Kansas City Chiefs ist eine von hohen Erwartungen und tiefen Enttäuschungen. Und das seit Jahrzehnten. Nun gibt es einen erneuten Anlauf und mit dem jungen Quarterback Patrick Mahomes einen Hoffnungsträger - allerdings auch einige rote Flaggen.

Es gehört während der Playoffs im Nordamerikanischen Profisport dazu, dass die Vereine ein Hype-Video produzieren. Kurze, knackige Sequenzen mit hipper, cooler und mitunter martialischer Musik unterlegt, sollen die Fans auf die wichtigste Saison-Phase einstimmen, sie elektrisieren. Ein erfolgreicher Tackle, ein grandioser Touchdown-Pass, eine Jubelpose mit geflextem Bizeps in Nahaufnahme - wer bekommt da keine Gänsehaut? Der Clip der Kansas City Chiefs bildet da keine Ausnahme.

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Allerdings darf, oder vielleicht sogar muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Video nicht etwas mehr ist als nur ein Appetizer, ein Einheizer? Ob die Chiefs damit nicht nur ihren Fans, sondern auch sich selbst vor dem Duell gegen die Indianapolis Colts einen extra Kick Selbstbewusstsein geben wollen? Nach dem Motto: Kopf hoch. Brust raus. Come on, Kansas City!

Dies mag auf den ersten Blick komisch klingen, schließlich hatte der Klub zusammen mit den Los Angeles Chargers die beste Vorrundenbilanz (12:4) der American Football Conference (AFC). Doch die so genannte regular season ist nun vorbei. Es ist Playoff time. Die Zeit der ganz wichtigen Siege. Die Zeit, in der die Saison bei einer Niederlage sofort vorbei ist. Oder aus Sicht der Kansas City Chiefs: die Zeit der hohen Erwartungen - und tiefen Enttäuschungen.

Nur zwei Playoff-Heimsiege

Seit der Playoff-Heimpremiere am 25. Dezember 1971 haben die Chiefs neun Partien in Kansas City gehabt, aber nur zwei davon gewonnen - genauso viele, wie die Colts. Der bislang letzte Erfolg datiert vom 8. Januar 1994. Damals gab es gegen die Pittsburgh Steelers einen 27:24-Sieg nach Verlängerung. Der Quarterback hieß Joe Montana. Und der jetzige Spielmacher, Patrick Mahomes, war noch gar nicht auf der Welt. Seit jenem Erfolg gegen Pittsburgh sind 9135 Tage vergangen. Das sind 25 Jahre. Die Chiefs hatten sechs weitere Heimspiele - und haben alle verloren.

Playoffs in der NFL

Super Bowl

Montag, 4. Februar in Atlanta

Los Angeles Rams - New England Patriots

 

Halbfinale

Sonntag, 20 Januar

New Orleans Saints - Los Angeles Rams 23:26

Montag, 21. Januar

Kansas City Chiefs - New England Patriots 31:37

 

Viertelfinale

Samstag, 12. Januar, 22.35 Uhr
Kansas City Chiefs - Indianapolis Colts 31:13

Sonntag, 13. Januar, 02:15 Uhr
Los Angeles Rams - Dallas Cowboys 30:22

Sonntag, 13. Januar, 19:05 Uhr

New England Patriots - Los Angeles Chargers 41:28

Sonntag, 13. Januar, 22:40 Uhr

New Orleans Saints - Philadelphia Eagles 20:14

Oder vielmehr: sie hatten irgendwie einen Weg gefunden, doch noch zu verlieren. Kein NFL-Team wartet länger auf einen Heimsieg als Kansas City. Ein Vierteljahrhundert Tränen, Wut, zerplatzte Träume. Eine ganze Generation von Chiefs-Fans hat noch nie einen Playoff-Erfolg im heimischen Arrowhead Stadium erlebt. Brad Boan ist einer davon. Der 32-Jährige war bei allen sechs Heimniederlagen dabei. Eigentlich, sagt Boan, sei er ein optimistischer Mensch. Aber sobald bei den Playoff-Spielen der Chiefs etwas nicht klappe, fange er sofort an, zu zweifeln. Und er hatte reichlich Grund dazu. 2017 zum Beispiel gelang den Pittsburgh Steelers kein einziger Touchdown, dennoch gewannen die Gäste 18:16. Im Vorjahr führte Kansas City gegen die Tennessee Titans zur Halbzeit 21:3 - und unterlag noch 21:22. Eli Waterman war bei diesem Spiel im Stadion und weinte bitterlich. Er dachte an seinen Vater, der daheim saß und aufgrund von Lungenkrebs nur noch wenige Tage zu leben hatte.

Der Sohn wollte die Partie eigentlich zusammen mit ihm vor dem Fernseher schauen. Doch er war sich sicher, die Chiefs würden gewinnen, somit eine Woche später erneut spielen und dieses Match würde er dann mit seinem Vater verfolgen. "Als klar war, dass er kein weiteres Chiefs-Spiel mehr sehen wird, habe ich geheult wie ein Baby", sagt Waterman der Tageszeitung "Kansas City Star". 13 Tage nach der Niederlage starb sein Vater.

Team blendet Sieglos-Serie aus

Justin Houston kennt die Zahlen der Sieglos-Serie. Er hat sie in den vergangenen Tagen of genug von den Medien zu hören bekommen. Doch der Outside Linebacker der Chiefs bezeichnet sie als "old news". Man fokussiere sich nicht auf die Vergangenheit, sondern schaue nach vorne, so Houston. Und auch Trainer Andy Reid machte immer wieder deutlich, dass ihn die Bilanz nicht interessiere, sondern er vielmehr alles daran setzen werde, sein Team bestmöglich auf die Colts vorzubereiten. Denn die sind seit Wochen in Topform. Nach nur einem Sieg in den ersten sechs Partien hat Indianapolis zehn der vergangenen elf Spiele gewonnen. Die Chiefs wiederum sind nach einem 9:1-Start etwas aus der Erfolgsspur gekommen, in den vergangenen sechs Partien gab es nur drei Siege.

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Grund zur Hoffnung? Patrick Mahomes.

(Foto: imago/Icon SMI)

Aber die Chiefs geben sich trotzdem zuversichtlich. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Irgendwann reißt bekanntlich jede Negativserie. Und außerdem haben sie ja Patrick Mahomes. Der Quarterback ist zwar ein Rookie, spielt aber ganz und gar nicht wie ein Neuling. In der langen und ruhmreichen Geschichte der NFL hat es viele grandiose Playmaker gegeben. Aber nur drei haben in einer Saison die magische Marke von 50 Touchdowns erreicht.

Zwei sind Legenden - Peyton Manning und Tom Brady. Der Dritte ist Patrick Mahomes. Er bedient vor allem Travis Kelce und Tyreek Hill. Die Tight End/Wide Receiver-Kombo hat mit 2815 Yards so viel Raumgewinn erlaufen, wie kein anderes Offensiv-Duo. Es gibt also - mal wieder - Grund zur Hoffnung bei den Chiefs und ihren Fans. Doch die Ansprüche sind, zumindest vorerst, kleiner geworden. So wie bei Erin Wells. Sie geht seit 2004 ins Stadion, hat seitdem vier Ko-Runden-Heim-Niederlagen erlebt. "Ich verlange keinen Super Bowl-Sieg", sagt 28-Jährige. "Alles, was ich möchte, ist endlich mal ein Playoff-Heimsieg."

Quelle: n-tv.de

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