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"Muppet-Show"-Kritik Doping-Experte attackiert die Nada

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"Dieser Institution würde ich das Geld komplett entziehen. Es gibt null Interesse, dass prominente Sportler auffliegen", sagt Perikles Simon.

(Foto: imago/Eibner)

Der Sportmediziner Perikles Simon bezeichnet die Arbeit der Nationalen Anti Doping Agentur als "Muppet Show". Die weist die Kritik des Mainzers an den Kontrollen in Deutschland zurück. Auch aus der Politik kommt massiver Gegenwind für die Attacke von Simon.

An Kermit den Frosch und Miss Piggy hat Perikles Simon wohl nicht gedacht, als er den deutschen Anti-Doping-Kampf mit der berühmten "Muppet-Show" verglich. Trotzdem findet sich der Sportmediziner nach seiner Kritik an der Nationalen Anti Doping Agentur in einem Streit wieder, der an das ewig zankende Plüschpärchen erinnert. "Dieser Institution würde ich das Geld komplett entziehen. Es gibt null Interesse, dass prominente Sportler auffliegen", sagte Simon den "Stuttgarter Nachrichten". Und erhielt die prompte Retourkutsche.

"Wir bedauern, dass sich Herr Simon jeglichem Dialog mit uns verwehrt, um sich gemeinsam, konstruktiv für saubere Sportlerinnen und Sportler einzusetzen. Eine Pauschalkritik ohne faktische Basis halten wir für nicht zielführend", hieß es von Seiten der Nada. In seiner Kritik bezieht sich Simon vor allem auf Zahlen, nämlich die der positiv getesteten Dopingfälle in Deutschland. 2018 war sie beispielsweise sehr gering. Gerade einmal 69 mögliche Verstöße hatte es bei 12.617 Kontrollen gegeben, 14-mal gab es am Ende Sanktionen.

Für Simon nicht hinnehmbar. "Die Nada will uns erzählen, sie sei mit der angeblich weltbesten Analytik nicht in der Lage, irgendetwas Sinnvolles zu detektieren", sagte er und fügte an: "Sagt uns, warum wir diese Muppet Show überhaupt noch machen sollten. Diese Frage muss einfach mal gestellt werden - und zwar von denen, die das Geld in das Testsystem pumpen", so der 46-Jährige. Das war 2018 zu 64 Prozent der Bund, der 6,2 Millionen des 9,7 Millionen Euro starken Nada-Etats stellte.

"Dann ist eine Grenze überschritten"

Aus der Politik gab es für Simon massiven Gegenwind. Dagmar Freitag (SPD), die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, sagte auf SID-Anfrage, sie kenne Simon zwar "als jemanden, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Das ist sein gutes Recht. Wenn aber der Ruf international in höchstem Maße anerkannter Fachleute - und das sind Dr. Andrea Gotzmann und Dr. Lars Mortsiefer als Köpfe der Nationalen Anti Doping Agentur zweifellos - mit haltlosen Verdächtigungen und Unterstellungen in den Schmutz gezogen wird, ist eine Grenze überschritten." Zudem sei die NADA laut Freitag "ein wichtiger Baustein in der Bekämpfung des Dopings".

Simon selbst hatte sich lange nicht zum Thema Doping geäußert. 2017 hatte er den Anti-Doping-Kampf, den er unter anderem für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) geführt hatte, beendet. Aufsehen erregte er vorher als Co-Autor einer Studie, die besagte, dass rund 40 Prozent der Athleten bei der Leichtathletik-WM 2011 in Daegu gedopt waren. Heute gehe er davon aus, "dass bis zu 60 Prozent aller Spitzenathleten gegen die Regeln verstoßen. Und das betrifft keineswegs nur Sportarten wie Schwimmen, Leichtathletik oder Radfahren. Sie können auch Billard- oder Dartsspieler dopen."

Dass sich Simon aus neuer Hoffnung im Kampf gegen Doping wieder in die Öffentlichkeit begibt, verneinte er. "Aber ich untersuche und berate viele minderjährige Athleten. Und meine Verpflichtung als Arzt ist es, sie und ihre Eltern darüber aufzuklären, was ihnen blüht, wenn sie sich in den Leistungssport begeben und die Antidopingvereinbarung der Nada unterschreiben", so der Wissenschaftler. Damit gemeint sind die Kontrollverfahren der Nada, die laut Simon stark in die Persönlichkeitsrechte der Athleten eingriffen. Da meist jedoch nur kleine Fische ins Netz gingen, hält er das System für gescheitert. "Die prominenten Täter im Dopingbereich werden laufengelassen oder kommen jahrelang mit Gerichtsverfahren durch", so Simon: "Die kleinen Fälle hingegen werden zu vierjährigen Sperren aufgebauscht, selbst wenn sie unschuldig sind - nur damit die Nada wenigstens irgendetwas vorzuweisen hat."

Quelle: n-tv.de, Florian Krebl, sid