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Sport unter Generalverdacht Dopingsünder gehören lebenslang gesperrt

Der Verdacht fährt immer mit: Anti-Doping-Protest bei der Tour de France 2005.

Der Verdacht fährt immer mit: Anti-Doping-Protest bei der Tour de France 2005.

(Foto: picture alliance / dpa)

Supersprinter Tyson Gay gedopt, dazu eine Handvoll positive A-Proben jamaikanischer Leichtathleten: der Dopingsumpf trocknet nicht aus. Leistungssportler stehen unter Generalverdacht - aus diesem Dilemma gibt es nur einen Ausweg.

Stell dir vor, es ist Tour de France - und es gibt einen Doping-Skandal. Die Reaktion wäre ein müdes Lächeln. Aber in diesem Jahr ist es anders: Denn nicht die bereits seit Jahren unter Generalverdacht stehenden Tour-Fahrer sind betroffen (noch nicht) - sondern die Leichtathletik: US-Sprinter Tyson Gay, in diesem Jahr bereits 9,75 Sekunden über 100 Meter gelaufen und Weltranglistenerster, wurde positiv getestet. Eine Ausnahme, mögen da manche noch sagen. Aber mehrere Jamaikaner machen daraus die Regel: Asafa Powell etwa, Staffel-Olympiasieger von Peking 2008 und der Sprinter, der bisher am häufigsten die einst als Schallmauer geltende 10-Sekunden-Marke unterboten hat. Oder auch Nesta Carter, dessen Bestzeit bei 9,78 Sekunden steht. Allesamt stehen sie nach einer positiven A-Probe unter dringendem Dopingverdacht.

Der Schock in der Sportwelt sitzt tief - so scheint es: IOC-Präsident Jaques Rogge ist "enttäuscht". Er sieht aber gleichzeitig in den neuen Dopingfällen ein Indiz dafür, dass die Kontrollen funktionieren. Grund zur Sorge bestehe nicht: Die "Magie der Wettkämpfe" werde die Menschen über die negativen Auswirkungen der jüngsten Doping-Fälle hinwegsehen lassen. The show must go on – also, weitermachen wie bisher?

Als wäre nichts gewesen

Nein! Die jüngsten Doping-Fälle müssen dazu führen, dass lebenslange Sperren eingeführt werden. Es kann nicht sein, dass man nach einer kurzen Zwangspause zurückkommen kann, als wäre nichts gewesen. Das ist das falsche Signal! Vor allem an die Millionen junger Sportler. Die werden so ermutigt, ihre sportlichen Leistungen mit verbotenen Substanzen zu pushen - schließlich kommen mit besseren Leistungen auch größere Anerkennung und mehr Geld.

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Tyson Gay legte die drei besten 100-Meter-Zeiten dieser Saison hin.

(Foto: dpa)

Wenn man einem jungen Sportler aber damit droht, seinen Lebenstraum - mit seinem Sport Geld zu verdienen - auf einen Schlag zu beenden, sollte das die nötige Wirkung zeigen. Ob es funktioniert, wird die Zukunft zeigen. Aber es wäre zumindest ein realistischer Versuch, endlich den Kampf gegen das Doping anzunehmen. Abschreckung ist die beste Waffe, um den Doping-Sumpf im Leistungssport trockenzulegen. Der Zeitpunkt für diese Maßnahme ist jetzt! Sonst bleibt der Generalverdacht bestehen - und weitet sich immer mehr aus.

Die Sprinter sehen sich seit Jahren damit konfrontiert, wie der Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes, Clemens Prokop, feststellt. Wenn man den Weltmeister, -rekordler und Olympiasieger Usain Bolt aufreizend locker bei nahezu jedem großen Rennen die Konkurrenz düpieren sieht, liegt dieser Gedanke nur allzu nah. Nun ist aber gerade der schnellste Mann der Welt derjenige, der unter den Top-10-Sprintern als "unbelastet" gilt. Alle anderen in dieser Liste sind des Dopings überführt oder nach positiver A-Probe dringend verdächtig: beginnend beim zwei Mal gesperrten Kanadier Ben Johnson (9,83 Sekunden) über den ebenfalls zwei Mal gesperrten US-Amerikaner Jason Gatlin (9,79 Sekunden) bis hin zu dem Jamaikaner Yohan Blake (9,69; überführt und gesperrt 2009) und eben Tyson Gay.

Generalverdacht kommt nicht von ungefähr

Der Generalverdacht bei den Sprintern kommt also nicht von ungefähr - wie auch beim Radsport. Dort steht spätestens seit der Beichte des siebenmaligen Tour-Siegers Lance Armstrong jeder Gewinner unter Doping-Verdacht. Jede unmenschlich erscheinende Leistung wird hinterfragt. Der derzeit in Gelb fahrende Brite Christopher Froome weiß ein Lied davon zu singen, nachdem er den Tour-Sieger und überführten Dopingsünder Alberto Contador zwei Mal am Berg hat stehen lassen, als wäre Contador ein Hobby-Radler, der gerade mit Übergewicht aus dem Weihnachtsurlaub kommt.

Zwar beteuert Froome immer wieder, nie gedopt zu haben und auch nie dopen zu wollen. Allein, glauben mag man ihm das ob seiner Leistung etwa am Mont Ventoux nicht. Dieses Schicksal teilt auch Usain Bolt. Der Sprinter ist nach Gays Doping-Beichte haushoher Favorit auf den Sprintstrecken bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau im August. Läuft er dort zum Sieg oder gar zum Weltrekord, hat das ein deftiges Geschmäckle. Das wird sich erst ändern, wenn im Leistungssport das einfache Prinzip gilt: Einmal gedopt, lebenslang gesperrt!

Quelle: n-tv.de

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