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Vorwurf psychischer Missbrauch Ex-Läuferin verklagt Nike auf 20 Millionen

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Mary Cain musste ihre Karriere früh beenden.

(Foto: AP)

Der Sportartikelhersteller Nike soll zahlen. Für jahrelangen psychischen und emotionalen Missbrauch. Den hat der Konzern zwar nicht selbst betrieben, aber laut der Ex-Läuferin Mary Cain hingenommen. Auch der ohnehin bereits lebenslänglich gesperrte Trainer Alberto Salazar ist angeklagt.

Der Vorwurf: Psychischer und emotionaler Missbrauch. Die Angeklagten: Der frühere Trainer Alberto Salazar und der Sportartikelhersteller Nike. Die Klägerin: Mary Cain, eine frühere amerikanische Spitzenläuferin, damaliges Aushängeschild der US-Leichtathletik. Die Forderung: 20 Millionen Dollar. Ein Rechtsstreit in den USA sorgt für viel Aufmerksamkeit. Die heute 25-jährige Cain führt in der Klageschrift laut "The Oregonian" an, dass Nike von dem jahrelangen psychischen und emotionalen Missbrauch im Leichtathletik-Programm Oregon Projekt des Sportartikelherstellers gewusst und nicht eingegriffen habe.

Cain wurde 2013 als Wunderkind ins Nike Oregon Projekt aufgenommen, damals war sie 16 Jahre alt. Bereits 2019 erklärte sie in der "New York Times", dass sie von Salazar wiederholt zur Gewichtsabnahme gedrängt worden sei. Sie habe aufgrund eines Energiemangel-Syndroms ihre Periode verloren und insgesamt fünf Knochenbrüche erlitten. Ihre Karriere sei daran gescheitert und sie habe Selbstmordgedanken gehegt. "Ich trat Nike bei, weil ich die beste Sportlerin aller Zeiten werden wollte. Stattdessen wurde ich emotional und körperlich von einem System missbraucht, das von Alberto entworfen und von Nike unterstützt wurde", so Cain gegenüber der "New York Times".

In der nun eingereichten Klage behauptet Cain laut "The Oregonian", sie sei von Salazar gezwungen worden, sich auf die Waage zu stellen, während er ihr Gewicht kritisierte. "Salazar sagte ihr, dass sie zu dick sei und dass ihre Brüste und ihr Po zu groß seien", heißt es in der Klageschrift. Die 25-Jährige führt an, dass der Trainer ihre Nahrungsaufnahme kontrollierte.

"Gesundheit und Wohlbefinden ignoriert"

Salazar hätte Cain daran gehindert, Hilfe ihrer Eltern anzunehmen. Kristen West McCall, eine Anwältin Cains, sagte "The Oregonian": "Er hinderte Cain daran, sich mit ihren Eltern zu beraten und sich auf sie zu verlassen, insbesondere ihren Vater, der Arzt ist." Nike habe in der ganzen Zeit nichts unternommen, um diesen Missbrauch zu verhindern, so McCall weiter. "Nike ließ es zu, dass Alberto Gewichts-Scham bei Frauen betrieb, ihre Körper zu Objekten machte und ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden ignorierte", sagte sie. "Dies war ein systematisches und allgegenwärtiges Problem. Sie taten es zu ihrer eigenen Befriedigung und ihrem eigenen Profit."

Nike erklärte, dass das Unternehmen sich nicht zu laufenden Rechtsstreitigkeiten äußere. Salazar hatte bereits 2019 die Vorwürfe bestritten. "The Oregonian" sagte er damals, er habe Athletinnen nie ermutigt, ein ungesundes Gewicht zu haben, erst recht habe er kein Body-Shaming betrieben. Cain war jedoch nicht die einzige, die Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte. Auch andere Top-Läuferinnen wie Kara Goucher und Amy Yoder Begley hatten von dem emotionalen und körperlichen Missbrauch berichtet. Zudem bekamen sie Unterstützung von Salazars damaligen Assistenten, Steve Magness. Er habe das Beschriebene miterlebt und sei sogar selbst aufgefordert wurde, die Athletinnen derart zu behandeln. "Einmal wurde mir gesagt, ich müsse eine Athletin dazu bringen, Gewicht zu verlieren", sagte er 2019. "Als ich Daten über ihren bereits niedrigen Körperfettanteil vorlegte, wurde mir gesagt: 'Es ist mir egal, was die Wissenschaft sagt, ich weiß, was ich mit meinen Augen sehe. Ihr Hintern ist zu groß.'"

Salazar wurde 2019 für vier Jahre gesperrt, weil er mit Dopingmitteln gehandelt haben soll, im September dieses Jahres wurde seine Sperre auf lebenslänglich ausgeweitet. "Keinerlei Form von Missbrauch wird in unserem Sport jemals toleriert werden, und wir werden die emotionale und physische Sicherheit der Athleten über alles andere stellen", erklärte der US-Leichtathletik-Verband. Das Nike Oregon Projekt wurde im Oktober 2019 eingestellt. Bis heute gibt es in Oregon eine Lauf-Trainingsgruppe, die von einem ehemaligen Assistenten Salazars geleitet wird. Pete Julian trainiert dort unter anderem die deutsche Spitzenläuferin Konstanze Klosterhalfen und die niederländische Olympiasiegerin Sifan Hassan.

Quelle: ntv.de, ara

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