Sport

Salt-Lake-City-NachleseFestnahme sorgt für Aufsehen

02.08.2002, 11:14 Uhr

In Russland sorgt die Festnahme des mutmaßlichen Mafiabosses Alimsan Tochtachunow für großes Aufsehen.

In Russland sorgt die Festnahme des mutmaßlichen Mafiabosses Alimsan Tochtachunow für großes Aufsehen. Während das Russische Olympische Komitee jede Verbindung zu dem Usbeken dementiert hatte, druckte die Zeitung „Kommersant“ ein Bild ab, auf dem der Vize-Präsidenten des russischen NOK, Alexander Koslowski, bei einer Ordensverleihung zusammen mit dem in Italien festgenommenen Geschäftsmann zu sehen ist.

Ebenfalls wurde ein Bild publiziert, das Marina Anissina bei der derselben Ordensverleihung an Tochtachunow 1999 in Paris zeigt. Angeblich kannte die aus Russland stammende Eistänzerin den der Einflussnahme auf die Eiskunstlauf-Wettbewerbe in Salt Lake City verdächtigen „Strippenzieher“ unter dem Namen „Taiwantschik“ (kleiner Taiwanese).

Unterdessen hat die maßgeblich am olympischen Eiskunstlauf-Skandal von Salt Lake City beteiligte französische Punktrichterin Marie-Reine Le Gougne jeglichen Kontakt zu Tochtachunow bestritten. Sie wisse nicht einmal, wer der Mann sei und habe ihn nie gesehen, erklärte sie im französischen Fernsehen.

Darüber hinaus stand der dubiose Geschäftsmann auch in engem Kontakt zu den Tennis-Stars Jewgeni Kafelnikow und Andrei Medwedew. „Er ist ein guter Freund von mir. Was immer passiert ist, ich bin sicher, dass es sich um eine Art von Fehler handelt“, sagte der zweimalige Grad Slam-Gewinner Kafelnikow beim Masters-Turnier in Toronto.

Das enge Verhältniss des inhaftierten Tochtachunow zu Medwedew dokumentierten unter anderem mehrere Fotos auf der Web-Site des ukrainischen Tennisprofis. Sie zeigten den Mafia-Boss auch mit Kafelnikow und dem russischen US Open-Gewinner von 2000, Marat Safin. Kurios: Die Bilder sind seit Donnerstag von der Webseite verschwunden.

Vorwürfen der amerikanischen Justiz zufolge soll der gebürtige Usbeke bei den Winterspielen darauf hin gewirkt haben, dass der Titel im Paarlauf an Jelena Bereschnaja/ Anton Sicharulidse ging, während Anissina und ihr Partner Gwendal Peizerat Gold im Eistanz für Frankreich gewannen.

Ilja Awerbuch, der mit Irina Lobatschowa im Eistanz Silber gewonnen hatte, sagte, er glaube nicht an Vorwürfe gegen seine frühere Partnerin Anissina. "Sie ist eine sehr ernsthafte Sportlerin und ein hinreichend verantwortungsbewusster Mensch", erklärte er der Zeitung "Moskowski Komsomolez". Er wolle das Ergebnis des Tanzwettbewerbs nicht anfechten.

Sicharulidse und Bereschnaja schlossen gerichtliche Schritte gegen die US-Fernsehsender nicht aus, die sie in eine ehrenrührige Verbindung mit dem angeblichen Mafiaboss gebracht hätten.