Sport

Norweger führen DHB-Team vor Handballer blamieren sich

Die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in London finden wohl ohne die deutschen Handballer statt. Die verlieren nämlich bei der Weltmeisterschaft in Schweden ihr letztes Hauptrundenspiel klar und deutlich gegen Norwegen. Bleibt noch die Hoffnung auf den Umweg über die EM im Januar 2012.

250111HAM106_250111HAM106.jpg8067607433406227525.jpg

Aus und vorbei: Pascal Hens und die deutschen Handballer dürfen nicht zu Olympia.

(Foto: dapd)

Das WM-Debakel von Jönköping ist perfekt: Für die deutschen Handballer ist nach dem deutlich verpassten Minimalziel bei der Weltmeisterschaft in Schweden die Teilnahme an den Olympischen Spiele 2012 in London in weite Ferne gerückt. Die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand blamierte sich auch beim 25:35 (13:17) im abschließenden Hauptrundenspiel gegen Außenseiter Norwegen und kämpft am Donnerstag lediglich um Platz elf. Noch nie zuvor in der 73-jährigen WM-Geschichte war eine deutsche Mannschaft, die vor vier Jahren noch den Titel im eigenen Land gewonnen hatte, so schlecht platziert.

"Das tut sehr, sehr weh und ist bitter. In der zweiten Halbzeit war kein Aufbäumen da. Da war keiner, der die Mannschaft mitgerissen hat", sagte der konsternierte Brand. "Der Ruf des deutschen Handballs hat in den letzten beiden Spielen gelitten." Vor 2700 Zuschauern waren Michael Kraus (6/1/HSV Hamburg), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach), Lars Kaufmann (FA Göppingen), Holger Glandorf (TBV Lemgo) und Christian Sprenger (alle 4/THW Kiel) die besten Werfer. Die punktlos in die Hauptrunde gestartete DHB-Auswahl hatte am Montag gegen Ungarn überraschend mit 25:27 verloren und damit die letzte theoretische Chance auf das Halbfinale verspielt. Mindestens der siebte WM-Platz hätte erreicht werden müssen, um am olympischen Qualifikationsturnier im April 2012 teilnehmen zu können.

Sie können ja Europameister werden

Das Ticket für die Sommerspiele könnte die Brand-Sieben durch den Gewinn des EM-Titels 2012 lösen. Bei der Europameisterschaft in Serbien im nächsten Jahr werden noch zwei Quotenplätze vergeben. Diese gehen an die beiden bestplatzierten Teams, die noch nicht für eines der Qualifikationsturniere feststehen bzw. sich schon für London 2012 qualifiziert haben.

Brand hatte auf die erschütternde Leistung vom Vortag reagiert und ließ Kapitän Pascal Hens und Regisseur Michael Kraus zunächst auf der Ersatzbank schmoren. Die Maßnahme hatte aber nicht den erwünschten Effekt. Wie bei der Blamage gegen Ungarn 22 Stunden zuvor zeigte die deutsche Equipe eine haarsträubende Chancenverwertung und hatte bereits Mitte der ersten Halbzeit elf Fehlversuche fabriziert. Nicht zuletzt, weil der frühere Gummersbacher Keeper Steinar Ege im norwegischen Tor eine starke Leistung zeigte. An der Seitenlinie schüttelte Brand ob der desaströsen und ideenlosen Angriffsleistung seiner Schützlinge immer wieder resignierend den Kopf. Nach 23 Minuten lag der Favorit gegen den EM-Siebten erstmals mit vier Toren zurück (10:14).

Weltmeister von 2007 saft- und kraftlos

Nach ihrer Einwechslung fügten sich die bei dieser WM maßlos enttäuschenden Hens und Kraus nahtlos mit Fehlern ein. "Wir spielen nicht das, was der Bundestrainer vorgibt. Das stimmt nachdenklich", sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier in der Halbzeit. Auch nach dem Wechsel wirkte der Weltmeister von 2007 saft- und kraftlos. Die mit drei Bundeslegionären angetretenen Norweger nutzten die Schwächen gnadenlos aus und führten nach 46 Minuten erstmals mit sieben Treffern (19:26). Danach brachen alle Dämme.
Nicht zuletzt Brand wirkt nach den Rückschlägen bei der WM angeschlagen. Das "Gesicht des deutschen Handballs", wie Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar den Gummersbacher bezeichnet, machte auch in Schweden aus seinem Unmut keinen Hehl. Seit Jahren beklagt Brand die mangelnde Zusammenarbeit mit der Bundesliga und den Klubs.

Brand denkt über seine Zukunft nach

Sogar über einen vorzeitigen Ausstieg aus seinem bis 2013 laufenden Vertrag hat der frühere Weltklassespieler zwischenzeitlich nachgedacht. "Solche Gedanken kommen sicherlich immer mal zwischendurch. Ich setze mich mit meiner Situation schon seit längerem auseinander", hatte Brand im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärt.

Seit 1997 betreut der 58-Jährige die DHB-Auswahl, die laufende Weltmeisterschaft ist sein 17. Großturnier als Bundestrainer. Die bisherige Krönung war der Titelgewinn bei der Heim-WM 2007. Zudem gewann Brand mit seiner Mannschaft EM-Gold 2004, WM-Silber 2003, Olympia-Silber 2004 und EM-Silber 2002.

Quelle: n-tv.de, Oliver Mucha, sid

Mehr zum Thema