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Heißer Traum vom ersten WM-GoldHase und Volodin fegen Olympia-Trauma spektakulär vom Eis

26.03.2026, 07:35 Uhr
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Sehr zufrieden nach dem Kurzprogramm: Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin. (Foto: REUTERS)

Minerva Hase und Nikita Volodin sind in Prag auf dem Weg zu ihrem ersten WM-Gold. Der Vorsprung auf die ersten Verfolger ist indes hauchdünn. Hase versucht derweil, die Geister der Vergangenheit zu ignorieren.

Als Minerva Hase und Nikita Volodin um 22.03 Uhr das Eis betraten, war ihnen die Freude, die sie knapp drei Minuten später in sich fühlten, nicht anzusehen. Das deutsche Eiskunstlauf-Paar war bestensfalls konzentiert, wirkte sehr angespannt. Minerva Hase ging noch einmal tief in sich, schloss für einen Moment die Augen und tanzte sich dann mit Volodin frei. Wie schon bei den Olympischen Spielen in Mailand legten die Beiden im Kurzprogramm einen feurigen Tango zu "El Abrazo", die Umarmung, aufs Eis.

Nach 45 Sekunden fegte vor allem Hase ein Trauma vom Eis. Der Dreifach-Salchow gelang perfekt. In der olympischen Kür hatte sie diesen Sprung noch aufgerissen. Damit war der Gold-Traum in Italien endgültig geplatzt und auch Silber durch die Hände geglitten. In Prag brachten Volodin und Hase den Dreifach-Salchow butterweich zurück aufs Eis. Die beiden tanzten sich hernach beseelt durch das Kurzprogramm, flogen durch den Rittberger, drehten sich hinreißend durch die Todesspirale und als sie die letzte Position erreicht hatten, konnte Hase ihre große Erleichterung nicht mehr verbergen. Sie lächelte - lächelte sie sogar golden?

Doch nicht ganz zufrieden?

Das deutsche Paar war in Abwesenheit der japanischen Olympiasieger Riku Miura/Ryuichi Kihara als letztes aufs Eis gegangen und legte die beste Performance hin. Mit 79,78 Zählern stehen Volodin und Hase vor der Kür am Abend (Startzeit 21.48 Uhr) auf dem ersten Platz. Allerdings ist der Vorsprung auf die zweitplatzierten Europameister Anastasia Metelkina/Luka Berulawa aus Georgien hauchzart, er beträgt gerade einmal 0,33 Punkte. Auf dem Bronzerang halten sich aktuell die zwei Kanadier Lia Pereira und Trennt Michaud (75,52 Punkte). Annika Hocke und Robert Kunkel belegen nach einem Sturz von ihr beim dreifachen Salchow als zweites deutsches Paar mit 65,35 Zählern den zehnten Rang.

Beim Verlassen der Eisfläche tanzte die beschwingte Hase einfach weiter und nahm ihre Trainer Dmitri Sawin und Knut Schubert in die Arme, auch die beiden hatten das Kurzprogramm in Prag mit großer Anspannung verfolgt. Dann das lange, bange Warten auf das Ergebnis. Technisch lagen die Georgier leicht vorne, bei den Komponenten hatten die Deutschen die bessere Punktzahl. In der Gesamt-Abrechnung machte das eben das My für Volodin/Hase aus. Als das Ergebnis eingeblendet wurde, schüttelten beide leicht den Kopf. So ganz zufrieden wirkten sie nicht. Bei den Olympischen Spielen war das Resultat etwas besser ausgefallen. Da hatten sie erstmals die 80 Punkte geknackt. Ein wenig wirkte es nun so, als hätten sie sich das Ergebnis mindestens erneut gewünscht.

"Bestes Kurzprogramm der gesamten Saison"

In der Interview-Zone war die Enttäuschung, wenn sie denn wirklich für einen Moment dagewesen war, verflogen. "Für uns war es das beste Kurzprogramm der gesamten Saison. Wir haben alles von der ersten bis zur letzten Sekunde genossen. Alle Elemente haben sich sehr gut angefühlt. Wir haben uns in der Arena sehr willkommen gefühlt und die Energie mit ins Programm genommen. Es war fantastisch, wir sind in Verbindung mit den Zuschauern gelaufen, das, was wir auch so wollten", betonte Hase. Wie schon in Mailand gehen sie als Führende in den Showdown und versuchen dabei nun die Geister der Vergangenheit hinter sich zu lassen. "Bei den Olympischen Spielen war ich sehr angespannt. Olympia ist vorbei und wir haben eine Medaille mit nach Hause genommen. Ich habe mir vorgenommen, die Weltmeisterschaft zu genießen und Freude beim Laufen zu haben", sagte die Berlinerin.

Bei der WM 2024 in Montreal gab es Bronze, 2025 in Boston Silber - und diesmal? Einen Traum haben sich Hase/Volodin bereits mit der Olympiamedaille erfüllt, WM-Gold wäre nun die Krönung ihrer Erfolgsgeschichte. Und womöglich auch der perfekte Abschluss? Ihre Zukunft haben sie seit den Olympischen Spielen bislang offengelassen.

Bei den Frauen steht derweil Kaori Sakamoto aus Japan vor einem goldenen Karriereende und ihrem insgesamt vierten WM-Titel. Die 25-Jährige führt in ihrem vermutlich letzten Wettbewerb nach einer starken Leistung im Kurzprogramm zum Lied "Time to say Goodbye" mit 79,31 Punkten knapp vor ihrer Landsfrau Mone Chiba (78,45 Punkte) und US-Läuferin Amber Glenn (72,65 Punkte). Olympiasiegerin Alysa Liu aus den USA verzichtete auf eine Teilnahme nach ihrem Triumph bei den Winterspielen.

Quelle: ntv.de, tno

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