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Hoeneß kommt, schimpft - und verliert Alba beendet Bayerns Pokaltraum

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(Foto: dapd)

Uli Hoeneß reist eigens an, um die Basketballer des FC Bayern im Pokal-Halbfinale gegen Alba Berlin zu unterstützen. Nach 45 Jahren soll endlich wieder ein nationaler Titel für die Münchner her, die ihr Basketball-Projekt bereits auf Augenhöhe mit den Topklubs aus Berlin und Bamberg wähnen. Doch die Pokalreise endet ernüchternd.

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Der Bayern-Block in Berlin - mit Uli Hoeneß.

(Foto: dapd)

Am Ende lachte nur noch der Uli Hoeneß aus Pappe. Die Basketballer des FC Bayern hatten das Halbfinale gegen Alba Berlin längst verloren, da grüßte der Münchner Vereinspatron immer noch frohgemut aus dem Fanblock. Das Gesicht des echten Hoeneß hatte sich da schon zur Faust geballt, womöglich bereute er seine Dienstreise in die Hauptstadt bereits. Dort hatte er sich nach der wiedererlangten Vormachtstellung im deutschen Fußball den ersten Schritt zur Machtübernahme im Basketball erhofft, sich dann vor Spielbeginn laut "Süddeutscher Zeitung" aber zunächst über die Spielstätte ("billig, lieblos, einfach") samt Logen ("Katastrophe") mokiert. Anschließend boten ihm auch seine Basketballer wenig Erbauliches.

Trotz eines starken ersten Viertels waren die Münchner beim 83:92 (37:51) letztlich chancenlos, zu souverän und abgeklärt agierte Alba vor 13.011 Zuschauern in eigener Halle. Während die Berliner am Sonntag im Finale gegen Vizemeister Ulm ihren ersten Titel nach vier trostlosen Jahren einfahren können, müssen Hoeneß und seine Basketball-Bayern weiter auf den ersten nationalen Titel seit 1968 warten. Das kleine Finale gegen die Artland Dragons Quakenbrück werden die ambitionierten Bayern trotz gegenteiliger Beteuerungen als Strafarbeit verstehen.

"Alba hat seinen Heimvorteil genutzt"

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Unter Svetislav Pesic hat das Basketball-Projekt der Bayern an Kontur gewonnen. In Berlin setzte es für den Trainer-Altmeister aber erneut eine Niederlage.

(Foto: dapd)

Das Fazit von Bayern-Coach Svetislav Pesic, der nach vier Meisterschaften und einem Pokalsieg mit den Berlinern immer noch Kultstatus unter den Alba-Fans genießt, fiel nüchtern aus: "Alba hat seinen Heimvorteil genutzt. Ich sage nicht ausgenutzt. Aber in so wichtigen Spielen ist er nicht zu unterschätzen." Entscheidend war für Pesic auch die Überlegenheit der Berliner beim Rebound. Mit 38 zu 25 lag Alba in dieser Statistik deutlich vorn, vor allem bei den Offensivrebounds (18 zu 6) war der Unterschied für Pesic frappierend: "Basketball ist ein Spiel, das in der Luft entschieden wird. Da hatten wir vorne unsere Schwierigkeiten."

Alba-Coach Sasa Obradovic, in Berlin einst Spieler unter Pesic, fand wenig Kritikpunkte an der Leistung seines Teams. "Wir haben um einen Titel gespielt", sagte Obradovic, "wir waren alle sehr motiviert, gegen München zu gewinnen." Die drei entscheidenden Dinge für einen Sieg – mehr Rebounds, Unterbinden der Bayern-Transition, gute Freiwurfquote – habe sein Team umgesetzt. Hinzu kam eine beeindruckende Ausgeglichenheit in der Offensive. Gleich sieben Alba-Profis punkteten am Ende zweistellig. Bei den Münchnern waren es vier.

Augenhöhe bis zum zweiten Viertel

Trotz ihrer Probleme auf den großen Positionen – Chevon Troutman fiel aus, Center Jared Homan und Power Forward Lawrence Robinson spielten angeschlagen – konnten die Münchner das Spiel in einem hochklassigen und intensiven Auftaktviertel zunächst offen halten. Kein Team schaffte mehr als fünf Punkte in Folge, die 25:22-Führung der Berliner am Ende des Viertels war der bis dahin größte Vorsprung im Spiel.

Mitte des zweiten Viertels schafften es die Berliner erstmals, sich beim 36:26 einen zweistelligen Vorsprung zu erarbeiten. Als die Bayern auf 31:36 verkürzten, antwortete Alba mit einem 12:0-Lauf. Die Berliner reboundeten besser, trafen hochprozentiger, leisteten sich weniger Ballverluste. Zur Pause stand es 51:37, Pesic und seine Bayern wirkten ratlos.

Mehr als 20 Punkte Rückstand

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Berlins Zach Morley sammelte allein vier Offensivrebounds. Die Bayern kamen insgesamt auf sechs.

(Foto: dpa)

Die Zuversicht, mit der die Münchner nach dem Erfolg im Pokalviertelfinale beim Double-Seriensieger Bamberg (2010, 2011, 2012) und Ligasiegen über Bamberg und Berlin zum Pokal-Finale gereist waren, war dahin. Mit zunehmender Spieldauer wich sie endgültig der Erkenntnis, dass Alba in Berlin wie schon bei der Pesic-Premiere als Bayern-Coach am 2. Dezember 2012 erneut nicht zu bezwingen sein würde. Kurz vor Ende des dritten Viertels war der Rückstand auf 22 Punkte (51:73) angewachsen.

Vor dem Schlussviertel wurden die konsternierten Bayern-Fans mit einem Videoschnipsel aufgemuntert, in dem Nationalspieler Jan-Hendrik Jagla einen Buzzerbeater aus der eigenen Zone versenkt. Ähnlich Spektakuläres gelang den Münchnern gegen Alba nicht mehr. Der Rückstand schmolz zwar auf neun Punkte zusammen. Aber nur, weil sich die Berliner bereits für das Finale gegen Ulm schonten.

Bryant brilliert für Ulm

Der Vizemeister hatte sich im ersten Halbfinale mit 86:77 (36:37) gegen die Artland Dragons Quakenbrück durchgesetzt. Hochverdient, wie Quakenbrücks Coach Michael Koch bilanzierte: "Ulm war über den Spielverlauf die bessere Mannschaft." Ulms Trainer Thorsten Leibenath zeigte sich "extremst froh" über den Finaleinzug. Gegen Rekordpokalsieger Berlin (6 Titel) soll nun der zweite Pokalsieg nach 1996 her.

Zumindest bei den Rebounds wird es Ulm den Berlinern deutlich schwerer machen. Ausnahmecenter John Bryant präsentierte sich gegen Quakenbrück mit einem Double-Double (16 Punkte, 10 Rebounds) bereits in Titelform.

Quelle: n-tv.de