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Bizarrer PyramidenkampfVorlauter Kickboxer verspottet Schwergewichts-Weltmeister Usyk

15.04.2026, 11:20 Uhr
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Rico Verhoeven will Oleksandr Usyk den K.o. verpassen (Foto: AP)

Im wohl bizarrsten Sportevent des Jahres trifft Schwergewichts-König Oleksandr Usyk im Mai an den Pyramiden von Gizeh auf Kickboxer Rico Verhoeven. Beim ersten verbalen Schlagabtausch verspottet der "Reingeschmeckte" den Weltmeister - und prophezeit einen K.o.

Rico Verhoeven strotzt vor Selbstvertrauen. Jedenfalls nach außen. Das gehört bei Preiskämpfern zum Geschäft. Und der 36-Jährige aus den Niederlanden ist schon lange im Business des sich-auf-die-Murmel-hauen (oder treten) dabei. Verhoeven ist ein mehrmaliger Kickbox-Champion, der am 23. Mai die Chance seines Lebens bekommt - und auch den größten Zahltag.

An den Pyramiden von Gizeh fordert er Schwergewichts-König Oleksandr Usyk heraus. Ein absurdes Schauspiel, das der saudische Boxmogul Turki Al-Sheikh als interdisziplinäres Pharaonen-Duell inszeniert. Die Funktionäre des Verbandes WBC haben sich dennoch, mit Dollarzeichen in den Augen, erblödet, den Kampf als Weltmeisterschaft um den legendären grün-goldenen Gürtel abzusegnen. Dabei hat Verhoeven als Boxer lediglich einen Profikampf bestritten. 2014 am Böllfenfalltor in Darmstadt gegen einen der zahllosen Journeyman des Boxens.

Usyk, schon als Amateur 335 Mal siegreich und 2012 Olympiasieger, ist als Profi in 24 Kämpfen ungeschlagen und hat im Schwergewicht alles geschlagen, was Rang und Namen hat: Zweimal Tyson Fury, zweimal Anthony Joshua, zweimal Daniel Dubois. Dass Verhoeven (65 Siege, zehn Niederlagen im Kickboxen) gegen den Meister aller Boxklassen auch nur den Hauch einer Chance hat, glaubt eigentlich niemand. Den "King of Kickboxing" juckt das nicht die Bohne. Warum auch, schließlich wird der Trip zu den Pyramiden fürstlich entlohnt.

Verhoeven warnt vor "20-Kilo-Unterschied"

So bizarr das als "Glory at Giza" verkaufte Ereignis sein mag, so routiniert lief die erste Pressekonferenz in London ab. Usyk und Verhoeven tauschten finstere Blicke aus, für die kessen Sprüche war der Kickboxer zuständig. "Wenn ich meinen besten Schlag gegen ihn lande, wird er natürlich runtergehen. Es ist ein 20-Kilogramm-Unterschied. Er ist ein aufgeblähter Cruisergewichtler, während ich ein natürlich geborener Schwergewichtler bin", spöttelte Verhoeven über den Weltmeister. Der Holländer spielte auf seine physischen Vorteile an: Mit 1,96 Meter überragt Verhoeven seinen 1,90 Meter Gegner um ein gutes Stück, ist zudem deutlich schwerer - eben rund 20 Kilogramm - als Usyk, der um die 100 Kilo auf die Waage bringt. Der Ukrainer hatte seinen Siegeszug im eine Klasse unter dem Schwergewicht angesiedelten Cruisergewicht begonnen, wo er, wie später in der Königsklasse, alle WM-Titel eroberte.

Selbst wenn er seinen besten Schlag nicht an den Mann bringe, "werden wir einfach gewinnen", tönte Verhoeven weiter. Usyk sei ein Puzzle, das noch keiner gelöst habe. Der Kickboxer wird von Tyson Furys Onkel Peter Fury trainiert. Usyk reagierte gewohnt unterkühlt auf die Ansage seines Gegners. Mit Fischerhut auf dem Kopf ließ sich der Ukrainer die Aussagen übersetzen, ehe er schmallippig antwortete: "Ich bin nicht gut im Vorhersagen. Wir werden sehen."

In der Boxszene steht Usyk für seine Gegnerwahl in der Kritik. Auch der deutsche WBC-Interims-Weltmeister Agit Kabayel hatte den 39-Jährigen scharf kritisiert.  "Ich habe Usyk immer sehr respektiert für seine sportliche Leistung und gesagt: 'Hey, der scheut keine Herausforderung und ist ein Mann seines Wortes.' Es geht ihm aber nur ums Geld, alles andere ist für ihn uninteressant. Das habe ich jetzt nochmal extrem gemerkt", sagte der Bochumer bei RTL/ntv und sport.de. Als Interims-Meister ist Kabayel Uskys Pflichtherausforderer, wartet seit nunmehr fast zwei Jahren auf seine Chance. Zuletzt machte Usyk dem 33-Jährigen immerhin leise Hoffnung auf einen WM-Kampf.

Das Pyramiden-Spektakel verteidigte Usyk. "Für mich ist das eine Herausforderung. Rico ist ein gefährlicher Mann. Einmal will ich machen, was ich will, nicht was nötig ist. Ich mache oft, was andere Leute brauchen. Ich sage: Okay, jetzt mache ich, was ich will."

Quelle: ntv.de, mar

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