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Olympiasiegerin: Großes Ziel weg Ludwig leidet an "Leere in meinem Kopf"

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Hat jetzt andere Dinge als Sport im Kopf: Olympiasiegerin im Beachvolleyball Laura Ludwig.

(Foto: imago/Beautiful Sports)

Laura Ludwig verspürt nach der Verschiebung der Sommerspiele eine gewisse Leere im Kopf. Bei der Olympiasiegerin im Beachvolleyball liegt das "Leistungssportlerleben" derzeit brach, die Familie steht ganz im Vordergrund. Die Olympia-Verlegung will sie nun als Vorteil nutzen, um an Details zu arbeiten.

Langeweile plagt Laura Ludwig nicht, und auch einen Lagerkoller wird es in ihrer kleinen Familie so schnell kaum geben. "Wir gehen mal spazieren, sind mit dem Fahrrad unterwegs und haben unser Kanu hier am Kanal stehen", sagt Ludwig. Sie macht das Beste aus der schwierigen Zeit. Für die Olympiasiegerin im Beachvolleyball fühlt es sich "ein bisschen wie Urlaub zu Hause" an. Eigentlich wollte Ludwig in diesen Tagen mit ihrer Partnerin Margareta Kozuch weiter an der Form für Tokio feilen, vier Jahre nach dem Goldcoup von Rio war alles darauf ausgerichtet. "Bis vor zwei Tagen haben wir noch mit Ausnahmegenehmigung trainieren können - am Ball und im Gym", sagt Ludwig im SID-Gespräch: "Das ist jetzt auch vorbei."

Die 34-Jährige kann mit der Pause leben. Im Sand wühlen kann sie erstmal nicht - und will sie auch nicht. "Nach der Nachricht, dass Olympia verlegt wurde, ist eine derartige Leere in meinem Kopf, dass ich es gut finde, gerade keinen Leistungssport machen zu müssen", sagt Ludwig. Und so rücken andere Dinge noch mehr als sonst in den Fokus. Ehemann Imornefe Bowes etwa, aber vor allen Dingen der Kleinste. "Es dreht sich sehr viel um meinen Sohn. Es ist schön 24/7 mit Teo zusammen zu sein, das genießen wir sehr", sagt die Hamburgerin. Der Filius wird im Sommer zwei und bringt "den Sonnenschein in unsere Wohnung". Ein Luxus ist, dass der Blick zur Uhr im Alltag praktisch nicht mehr stattfindet. "Wir haben keinen Zeitdruck. Können in Ruhe kochen, essen, mit dem Kleinen spielen", sagt Ludwig, Instagram-Name "Workingmum", "und der Fernseher läuft mehr als normal."

Verlegung von Olympia ist kein Nachteil

In Sachen Training herrscht ziemlicher Stillstand, Ludwig will sich "auf einem niedrigeren Niveau betätigen. Derzeit liegt unser Leistungssportlerleben erstmal brach." Dass die Spiele auf 2021 verschoben wurden, sei "eine vernünftige, sehr verantwortungsbewusste Entscheidung. Trotzdem ist es für einen Sportler erstmal ein Schlag ins Gesicht. Man hat sein ganzes Leben darauf ausgerichtet, vieles drumherum auch vernachlässigt." Es gelte, sich neu zu sortieren. "Jetzt ist auf einmal das große Ziel weg", sagt Ludwig, die vor vier Jahren an der Copacabana mit Kira Walkenhorst triumphiert hatte: "Es ist ganz schön anstrengend drüber nachzudenken, dass jetzt nochmal einige Monate draufkommen. Man wird auch nicht jünger und der Körper muss fitgehalten werden."

Die Verlegung sieht Ludwig aber nicht als Nachteil. "Wir haben so noch mehr Zeit, um wirklich in die Details zu gehen", sagt sie, "aber auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass man sich schon denkt: 'Puh, nochmal anderthalb Jahre mehr Arbeit.' Man muss Lebensschritte, die man geplant hatte, erst nochmal überschlagen." Ob Tokio der Karriereschlusspunkt wird, will sich Ludwig "möglichst offen halten. Wir sind mitten in der Familienplanung. Irgendwann wollen wir Teo noch ein Geschwisterchen schenken." Anderseits liebt die Abwehrspezialistin "Beachvolleyball zu sehr, als das ich sage, ich höre sofort auf und werde nie wieder zurückkommen."

Quelle: ntv.de, Uli Schember, Marco Krummel, sid