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Führt Zoff im Sand zu Super-GAU? Machtkampf im Beachvolleyball eskaliert

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Hier mal Gegnerinnen: Louisa Lippmann im Angriff gegen Kira Walkenhorst.

(Foto: IMAGO/Beautiful Sports)

Der Streit um die Zuteilung einer Beachvolleyball-Wildcard endet in der Demission von Sportdirektor Niclas Hildebrand. Doch damit nicht genug der hausgemachten Querelen im Deutschen Volleyball-Verband: Nun droht auch noch "Goldschmied" Jürgen Wagner damit, die Brocken hinzuschmeißen.

Es gibt Vorkommnisse, die klingen so abstrus, dass man sie kaum glauben mag, wenn man sie erzählt oder aufschreibt. So wie diese, die sich in der Strandabteilung des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) zutrug und in der Szene der Beachvolleyballer ein Beben auslöste. Die Protagonisten dieser Geschichte heißen Niclas Hildebrand und Julia Frauendorf. Der eine war mehr als vier Jahre als Sportdirektor für die erfolgreichste Abteilung des DVV verantwortlich, die andere kam im November vergangenen Jahres als hauptamtlicher Vorstand zum Verband.

Es gestaltet sich schwierig, Licht in die verworrenen Ereignisse zu bringen, weil die Beteiligten aus arbeitsrechtlichen oder sonstigen Gründen nicht reden mögen. Insofern bleibt manches Detail nebulös. So viel - das kann man mit Sicherheit konstatieren - steht jedoch fest: Frau Frauendorf und Herr Hildebrand sind sich nicht grün.

Der schon länger gärende Machtkampf zwischen diesen beiden Antipoden spitzte sich bei der Frage zu, wer für das internationale Top-Turnier in Hamburg vom 10. bis 14. August eine Wildcard erhalten solle. Während Hildebrand Olympiasiegerin Kira Walkenhorst und die fünffache "Volleyballerin des Jahres", Louisa Lippmann, mit dem Freifahrschein versehen wollte, sprachen sich Spielervertreterin Victoria Bieneck und Julia Frauendorf für das Nachwuchsteam Leonie Klinke und Lena Ottens aus. Als sie Hildebrand überstimmten, eskalierte der Disput, der Sportdirektor wurde trotz unbefristeten Vertrags von seinem Arbeitgeber freigestellt, das Vertrauensverhältnis sei zerrüttet.

"Hätte Wildcard Kira und Louisa geben müssen"

Hamburgs Turnierorganisator Frank Mackerodt ärgert sich über die Wildcard-Entscheidung und wendete sich auf Facebook persönlich an die ausgeladene Olympiasiegerin: "Liebe Kira Walkenhorst, wir in Hamburg, die Beachvolleyball-Zuschauer und die Medien hätten sich sehr gefreut, wenn Du die Wildcard mit Deiner Partnerin erhalten hättest. Es wäre sicherlich für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation geworden - vor allem für Beachvolleyball."

Dass das Duo Lippmann/Walkenhorst wenig später bei der EM in München mit der Wildcard auflaufen darf, die ihnen in Hamburg verwehrt bleibt, sorgt für zusätzliches Kopfschütteln. Jürgen Wagner, Head of Beach beim Hamburger Bundesstützpunkt, ist beim Streitfall "zu hundert Prozent auf der Seite von Niclas Hildebrand". Man hätte die Wildcard "im Sinne der Leistungsoptimierung eindeutig an Kira und Louisa geben müssen", sagt der Mann, der Kira Walkenhorst zum Olympiasieg und WM-Triumph führte und Louisa Lippmann seit Jahren als sportlicher Berater zur Seite steht: "Genau dafür sind Wild Cards doch da: Quereinsteigern oder Rückkehrern aus Verletzungs- und Babypausen eine Chance zu geben."

Nun drohen die internen Verwicklungen eine Sogwirkung zu entfalten, denn auch Wagner denkt über einen Ausstieg nach. Er habe sein Leistungssport-Konzept "unter der Voraussetzung vorgestellt, dass Niclas Hildebrand Sportdirektor ist. Ohne ihn ist das nicht durchführbar, da bin ich total solidarisch mit ihm", berichtet der Mann, der sich weltweit die Reputation als "Goldschmied" erwarb, seit er die Duos Brink/Reckermann und Ludwig/Walkenhorst 2012 und 2016 auf den olympischen Gipfel führte.

Als dem DVV die Lage endgültig zu entgleiten drohte, eilte Präsident René Hecht von Berlin nach Hamburg, um den Erfolgstrainer davon abzuhalten, die Brocken hinzuwerfen. Offensichtlich traf es die Verbandsspitze unvorbereitet, dass der Mann, der vor nicht einmal zwei Jahren als Chef vorgestellt worden war, auch noch von der Fahne gehen wollte. Dabei hätte man mit ein wenig Expertise durchaus wissen können, dass sich Wagner und Hildebrand als Partner definieren, die sich nicht ohne weiteres auseinanderdefinieren lassen. So berichtete Hildebrand im Juni am Rande der WM in Rom von einer "hundertprozentigen fachlichen Übereinstimmung zwischen Jürgen und mir, wie wir den Weg bis Paris 2024 gemeinsam gehen wollen".

"Ein Verlust an Qualität"

Wagner betont, mit WM-Bronze für Svenja Müller und Cinja Tillmann sei zuletzt "erneut der Nachweis erbracht worden, dass unsere Strukturen funktionieren". Er werde "mit Nachdruck darauf drängen, dass die Freistellung von Niclas zurückgenommen wird".

Die Gespräche soll nun Julia Frauendorf übernehmen. Sie soll verhindern, dass sich die prekäre Situation, in die sich der Verband manövriert hat, zum Super-GAU verdichtet. Würde der DVV mit Wagner auch noch den renommiertesten Kopf verlieren, den Beachvolleyball hierzulande zu bieten hat, wäre das "ein Verlust an Qualität, der nicht zu beziffern wäre", betont Olympiasieger Julius Brink, der nicht verstehen kann, "warum es die Strukturen in diesem Verband zulassen, dass neben dem Sportdirektor und dem Head of Beach noch andere sportliche Entscheidungen treffen, die nicht über diese Kompetenz verfügen".

Eine unrühmliche Rolle in dieser Affäre spielt auch der DVV-Präsident: René Hecht, der bei der WM mit Abwesenheit glänzte, als Müller/Tillmann mit Bronze dekoriert wurden, was auf Unverständnis stieß. Bei einer Hallen-WM - so die vorherrschende Meinung - wäre dem Rekord-Nationalspieler (385 Länderspieler) ein solcher Fauxpas nicht unterlaufen.

Einmal mehr sind das Binnenklima und die Außendarstellung des kriselnden Verbandes in ohnehin schwierigen Zeiten desaströs. Mackerodt zeigen die tiefen Verwerfungen im DVV "mal wieder, dass Beachvolleyball trotz all der Medaillen, von der die Hallenfraktion nur träumen kann, in diesem Verband keine Lobby hat". Dem mag Brink nicht widersprechen: "Das hat mit Sicherheit etwas mit Stellenwert und Wertschätzung zu tun."

Quelle: ntv.de

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