Sport

Gefürchteter Kritiker Max Merkel wird 85

Früher hat sich Max Merkel über den Damen-Fußball lustig gemacht. In einer seiner Kolumnen hat der Charakterkopf des Fußballs nun den Beweis angetreten, dass er im Laufe der Zeit nicht nur älter, sondern auch klüger wird - und sogar mit Vorurteilen aufräumt.

Als er den Mannen von Rudi Völler nach ihren wenig berauschenden Auftritten der vergangenen Monate riet, die Herren der Schöpfung könnten sich langsam an den Erfolgen der mit WM-Lorbeer geschmückten Damen orientieren, da blitzte auch der Wiener Schmäh des am Sonntag 85 Jahre alt werdenden Trainer-Sauriers wieder auf.

Auch im hohen Alter macht Max Merkel, immer gut informiert, mit hellwachem Geist, feiner Ironie und zuweilen deftiger Polemik seine Artikel auch für die noch lesenswert, die seine Ära damals noch nicht erlebt hatten. Merkel lebt heute zurückgezogen in einem Reihenhaus in Putzbrunn bei München gemeinsam mit Ehefrau Marion und einem Pudel, der einen Pelz wie ein Schaf hat. Tochter Maxi (31), gelernte Journalistin, ist vor Jahren ausgezogen und leitet heute die Kommunikationsabteilung einer Hamburger Aktiengesellschaft.

Nur österreichische Weine

Früher hat Merkel begeistert Tennis gespielt, heute macht der Rücken nicht mehr mit. Sport findet vor dem Fernseher statt, wo Merkel neben - natürlich Fußball - ein Faible für Tennis sowie Radsport und Schwimmen hat. Zur Marillenernte zieht es ihn immer wieder nach Österreich, und andere als österreichische Weine kommen ihm nicht auf den Tisch. Aber: "Die Freunde, mit denen man ein Glaserl genießen kann, werden halt weniger."

Heutzutage geht der Mann, der einst der "große Zampano" genannt wurde und in die Bundesliga-Geschichte einging, indem er als Devise für einen erfolgreichen Trainer das Motto "Mit Zuckerbrot und Peitsche" ausgab, gerne in Konzerte. Mozart und Beethoven sind seine Lieblingskomponisten, was nicht verwundert. In beiden entdeckt er sich wieder. Hier die österreichische Leichtigkeit, Beschwingtheit, dort der deutsche Tiefsinn, das Titanenhafte - und bei beiden das Genie.

Ein Länderspiel für Deutschland

Dass Merkel 1966 mit dem TSV 1860 München Meister wurde und 1968 mit dem 1. FC Nürnberg (jeweils im Jahr danach wurde er bei beiden Vereinen entlassen) ist älteren Bundesliga-Fans geläufig. Weniger bekannt dürfte sein, dass der Österreicher, der noch mit Ernst Happel "gescheiberlt" hat, im wahren Wortsinn einmaliger deutscher Nationalspieler ist. Nachdem Hitler Österreich "angeschlossen " hatte, gab es am 27. August 1939 in Preßburg (Bratislava) ein 0:2 gegen die Slowakei.

Merkel: "Viel stolzer bin ich auf das Lob und die Anerkennung, die ich als holländischer Nationaltrainer von Sepp Herberger erfuhr. Meine Mannschaft blieb in 17 von 18 Spielen unbesiegt, darunter war auch ein 2:1 gegen den Weltmeister Deutschland. "

Von Rainer Kalb (Sport-Informationsdienst)

Quelle: ntv.de