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US-Open-Verzicht wegen Corona Nadal kritisiert "barbarische" Pläne

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"Das ist eine Entscheidung, die ich nie treffen wollte"

(Foto: imago images/Icon SMI)

Die US Open sollen trotz hoher Infektionszahlen steigen - immer mehr Stars wollen aber nicht mitmachen. Neu im Klub: Titelverteidiger Rafael Nadal. Seine Absage an das Großturnier in New York verknüpft der Tennis-Star mit Kritik am engen Terminkalender nach der Zwangspause.

Die Macher der US Open geben sich unbeirrt, doch allmählich laufen ihnen die Stars davon - seit Dienstag hat auch Rafael Nadal keine Lust mehr auf Tennis im Corona-Hotspot. "Das ist eine Entscheidung, die ich nie treffen wollte", schrieb der Titelverteidiger in einem Statement auf Twitter, "aber ich werde meinem Herzen folgen. Momentan möchte ich lieber nicht reisen."

Nur die Weltranglistenerste Ashleigh Barty und ihr australischer Landsmann Nick Kyrgios (ATP Nr. 29) waren noch schneller, doch auch Nadal gehört noch zu den Vorreitern - und spätestens die Absage des spanischen Superstars könnte nun eine Lawine lostreten. Schon ab 31. August soll das Turnier in New York ausgespielt werden.

"Die weltweite Situation ist sehr kompliziert, die Covid-19-Fallzahlen steigen, es sieht aus, als hätten wir noch immer keine Kontrolle", mahnte der 34-Jährige am Dienstag. Und auch am engen Kalender, der nach der Spielpause noch möglichst viele Großturniere erlauben soll, reibt Nadal sich. Diese Pläne seien "nach vier Monaten ohne Spiel barbarisch".

"Ich verzichte für die Menschen"

Dass sich in der Branche die Zweifel mehren, ist seit Wochen zu beobachten. Zahlreiche Größen scheuen den endgültigen Schritt aber bislang. Nägel mit Köpfen machten dagegen Barty und Kyrgios. "Ich verzichte für die Menschen, für meine Aussies, für die Hunderttausenden Amerikaner, die ihr Leben verloren haben, für euch alle", sagte Kyrgios.

Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev gibt sich noch hin- und hergerissen. Eine Absage müsse eher von den Veranstaltern kommen. "Natürlich haben wir uns zusammengesetzt. Meine Mutter wird nicht kommen, sie ist ja schon älter", sagte der 23-Jährige: "Ich würde es lieber haben, wenn die US Open nicht stattfinden. Aber wenn sie stattfinden, was sollen wir Spieler machen? Es geht ja auch um Ranglistenpunkte."

An der problematischen Organisation hat er indes keine Zweifel. "Es müssen alle Spieler irgendwie dahin kommen", sagte Zverev, "ich weiß zum Beispiel, dass Russland und Brasilien komplett zu sind. Das ist das Schwierige." Aus Nadals Umfeld waren indes zuletzt bereits zurückhaltende Töne zu vernehmen. Sein Onkel und langjähriger Trainer Toni Nadal nährte Zweifel daran, ob der Weltranglistenzweite seine beiden Titel bei den US Open und auch bei den French Open im September und Oktober verteidigen wird. Vor allem der Zeitplan sei "unrealistisch, insbesondere für erfahrene Spieler, die nicht so viele Wochen nacheinander antreten können."

Quelle: ntv.de, Thomas Weitekamp, sid