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Finale der Darts-WM 2014: Wright vs. Van Gerwen Paradiesvogel trifft Vize-Weltmeister

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"Snakebite" Peter Wright spielte bei dieser WM bislang konstant auf Weltklasse-Niveau.

(Foto: imago/i Images)

Am ersten Tag des neuen Jahres kürt die Darts-Welt ihren Meister. Diesmal dürfte das Finale ein spielerisches Highlight werden. Das Duell "Snakebite" gegen "Mighty Mike" verspricht Hochspannung. Nur ein Engländer fehlt.

2500 Zuschauer, zwei Kontrahenten, eine Scheibe: Traditionell am ersten Tag des neuen Jahres kürt die Darts-Welt ihren neuen Meister. Der Schotte Peter Wright, Spitzname "Snakebite", trifft im letzten Spiel des Turniers auf den Holländer "Mighty Mike", Michael van Gerwen. Einige Dinge stehen schon vor dem Beginn des Finalspiels fest. Zum einen, dass die Stimmung im "Ally Pally", wie der Austragungsort in London liebevoll genannt wird, ihren Höhepunkt erreichen wird. Der Alkohol wird fließen, die Kostüme werden angelegt - und dann wird gefeiert. Egal, was sich auf der Bühne abspielt.

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Die Spieler müssen auf der Spielscheibe genau 501 Punkte werfen.

(Foto: Wikipedia/IIVQ unter cc-by-sa 3.0)

Zum anderen ist sicher, dass die Liste der bisherigen Titelträger um einen Namen länger wird. Es ist ein Finale ohne englische Beteiligung, und keiner der beiden Finalisten hat bislang eine Weltmeisterschaft gewinnen können. Vizeweltmeister Van Gerwen bringt nach seiner Niederlage gegen den 16-fachen Weltmeister Phil Taylor im Vorjahr  immerhin schon Finalerfahrung mit. Der amtierende Weltmeister Taylor, der vor der WM auch als Top-Favorit gehandelt wurde, schied in diesem Jahr bereits in Runde zwei aus. Für den Schotten Wright war das Achtelfinale der WM 2011 bislang das höchste der Gefühle.

Fest steht auch, dass es ein Spiel der optischen Gegensätze wird. Während der 24-jährige Van Gerwen gewöhnlich mit kahlrasiertem Schädel an der Wurflinie steht, darf von "Snakebite" wieder ein Paradiesvogel-Outfit erwartet werden. Der 43 Jahre alte Schotte fällt gerne mit aufgemaltem Schlangenkopf, kunterbunt gefärbtem Irokesen-Schnitt und einer farbenfrohen Beinbekleidung auf.

Darts-WM: So wird gespielt

Bei der Weltmeisterschaft duellieren sich die Kontrahenten in der am weitesten verbreiteten Darts-Variante "501". Jeder Spieler beginnt mit 501 Punkten und muss diese genau auf 0 Punkte herunterspielen. Geworfen wird immer im Wechsel mit je drei Pfeilen. Der letzte Pfeil um auf 0 zu kommen, muss ein Doppelfeld treffen. Die höchstmögliche Punktzahl, die mit einem Pfeil geworfen werden kann, ist 60. Dafür müssen die Spieler in das Triple-20-Feld treffen. Ein Treffer in das Bull's Eye wird mit 50 Zählern belohnt.

Wer als Erster genau 0 Punkte erreicht, gewinnt ein sogenanntes Leg. Drei gewonnene Legs bringen den Gewinn eines Satzes. Die Anzahl der Gewinnsätze erhöht sich im Laufe des Turniers. Im Finale gilt es, sieben Sätze für sich zu entscheiden. Kommt es zu einem finalen 13. Entscheidungsset, braucht der Sieger zwei Legs Vorsprung. Wem das als Erstem gelingt, der gewinnt den Titel.

Besonders begeistert sind die Zuschauer von einem "9-Darter". Man benötigt mindestens 9 Pfeile, um von 501 auf 0 Punkte zu kommen. Ein 9-Darter ist also das bestmögliche Spiel. Er wird bei der WM mit bis zu 25.000 Pfund prämiert.

Ein komplettes Darts-ABC zum Mitreden finden Sie hier.

Der Sieger der Partie darf sich am Ende außer über den Pokal auch über eine Siegprämie freuen. 250.000 Pfund, knapp 300.000 Euro, winken dem Weltmeister. Das ist eine Rekordsumme: Im Vorjahr gab es 50.000 Pfund weniger. Der Zweitplatzierte bekommt immerhin eine Prämie von 100.000 Pfund. Insgesamt werden bei der WM über eine Million Pfund an Preisgeldern ausgeschüttet.

Top-Leistung in den Halbfinals

Das Finale verspricht in jedem Fall, spielerisch eine hochklassige Partie zu werden. Sowohl "Snakebite" als auch "Mighty Mike" machten mit ihren bisherigen WM-Spielen Lust auf mehr. Vor allem die Halbfinals zeigten, dass beide in der Lage sind, ihre Gegner durch Weltklasse-Leistungen in Schach zu halten. Wright schnupperte im Match gegen Simon Whitlock schon früh Final-Luft, ließ den "Wizard " nicht ins Spiel kommen. Der Australier sah bei der 6:2 Niederlage gegen Wright  nicht nur optisch blass aus.

Auch Van Gerwen ließ keinen Zweifel an seinem Können, als er den Doppelweltmeister von 2011 und 2012, Adrian Lewis, in seiner Halfinalpartie kurzerhand deklassierte. Sein 6:0-Sieg über den Engländer kam in dieser Höhe völlig unerwartet, Van Gerwen spielte konstant auf allerhöchstem Niveau, stark auf den Doppelfeldern und mit einem überzeugenden Drei-Wurf-Schnitt.

Mit ihren deutlichen Siegen konnten beide eine ordentliche Portion Selbstvertrauen tanken, um nun das bislang wichtigste Match ihrer Karriere zu absolvieren. Beide Spieler zeigten sich bislang enorm nervenstark und unbeeindruckt von Angriffen ihrer jeweiligen Gegner. Wright und Van Gerwen wissen, wie man unabhängig von der Leistung des Rivalen sein eigenes Spiel auf Top-Niveau hält. Und noch eines: Beide brauchen das Publikum hinter sich, keiner von beiden ist auf der Darts-Bühne ein emotionaler Einzelgänger. "Snakebite" und "Mighty Mike" lieben es, die Menge nach einer guten Aufnahme jubeln zu hören, sie spielen nicht nur für sich, sondern auch für ihre Zuschauer.

Der Alexandra Palace wird also brodeln, wenn die Finalisten die Bühne betreten. Van Gerwen gilt in dem Match als Favorit. Nicht nur aufgrund seiner Leistungen in den Vorjahren, sondern auch, weil er momentan seine Höchstleistung abruft. Der Weltranglistenplatz spricht für den jungen Niederländer, der in der "PDC Order of Merits" momentan Rang zwei hinter Rekordweltmeister Taylor belegt. Peter Wright hingegen rangiert auf Platz 16. Doch Wright hat in den letzten Wochen gezeigt, dass auch er Darts in Perfektion beherrscht, wenn es darauf ankommt. 2010 spielte der Paradiesvogel schon einmal in der ersten Runde einer WM gegen "Mighty Mike" - und verlor. Diesmal jedoch ist alles offen.

PDC Darts-Weltmeisterschaft 2014 - Finale

1. Januar 2014, 21.15 Uhr: Peter Wright vs. Michael van Gerwen

Gespielt wird im Finale nach dem Modus "Best of 13 Sets": Wer als erster 7 Sätze für sich entscheiden kann, gewinnt das Spiel.

Quelle: n-tv.de