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Titelverteidiger hat Übermacht Patriots sind besser als die NFL erlaubt

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Tom Brady ist ein Schlüssel zum Erfolg des Teams.

(Foto: imago images / Icon SMI)

Die New England Patriots sind das erfolgreichste US-Sportteam des 21. Jahrhunderts und gelten auch 2019 als der Top-Favorit in der amerikanischen Footballliga. Dabei ist die NFL eigentlich so konzipiert, dass keine Mannschaft dauerhaft erfolgreich sein kann.

Die Wettanbieter sind sich einig: Die New England Patriots sind auch in der gerade gestarteten NFL-Saison 2019 wieder einmal der Topfavorit. Warum? Vielleicht weil sie der Titelverteidiger sind. Vielleicht weil sie in Tom Brady den erfolgreichsten Quarterback aller Zeiten haben. Vielleicht aber auch einfach nur deshalb, weil die Franchise aus der 17.000-Einwohner-Stadt Foxborough jedes Jahr der Titelanwärter Nummer eins ist.

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Kein Team aus den vier großen US-Sportligen NFL, NBA, MLB und NHL hat ihren Sport im 21. Jahrhundert so dominiert wie die Patriots. Neun Mal standen sie im Super Bowl, sechs Mal gewannen sie diesen. Dabei ist das US-Sportsystem anders als die europäischen Fußballigen eigentlich so konzipiert, dass es immer wieder Veränderungen an der Spitze geben muss. "Dafür gibt es den Draft, wo die schlechtesten Mannschaften die besten College-Spieler verpflichten können. Aber auch die Gehaltsobergrenze spielt eine wesentliche Rolle", erklärt der in Deutschland aufgewachsene Ex-NFL-Profi Tom Nütten.

Brady ragt heraus - auch mit 42 Jahren

Der Gedanke dahinter: Mannschaften können nur eine begrenzte Zeit erfolgreich sein, weil deren Topstars irgendwann zu teuer werden und sie im Draft erst zuletzt an der Reihe sind. Im amerikanischen Basketball oder Eishockey funktioniert das auch weitgehend. Nur die Footballer der New England Patriots haben es geschafft, das US-Sportsystem zu bezwingen. "Davor habe ich allen Respekt. Um langfristig oben mitzuhalten, muss man die Spieler, die zu alt oder zu teuer werden, mit jungen und günstigen Spielern ersetzen. Und schlussendlich müssen diese Nachwuchsspieler auch in das Spielsystem passen", sagt Nütten. Laut Patrick Esume, der für ProSiebenMaxx die TV-Übertragungen kommentiert, ist die Dominanz von New England vor allem auf zwei Personalien zurückzuführen: "Die Patriots haben seit 19 Jahren in Tom Brady den gleichen Top-Quarterback und in Bill Belichick den gleichen Headcoach - das ist ganz wichtig."

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Sebastian Vollmer ist zweifacher Super-Bowl-Sieger.

(Foto: imago/APress)

Brady feierte Anfang August seinen 42. Geburtstag. In einem Alter, wo andere Athleten sich schon etwa zehn Jahre im Ruhestand befinden, zählt der Passgeber noch immer zur absoluten Elite. Der deutsche Ex-Profi Sebastian Vollmer gewann an der Seite von Brady zwei Super Bowls und kennt daher seine Qualitäten. "Tom hat einen unheimlich großen Erfahrungsschatz", verrät der heutige TV-Experte im Gespräch mit n-tv.de. "Er hat alles schon gesehen und weiß bereits vor Beginn des Spielzuges, was die Defense machen wird und wohin er den Ball wirft. Es hilft gerade im höheren Alter, wenn man den Ball innerhalb von zwei Sekunden loswird und nicht ständig von einem Verteidiger umgehauen wird."

Bei den Patriots "wird militärisch gearbeitet"

Doch in einem Sport, wo der aktive Kader einer Mannschaft 53 Spieler beinhaltet, lässt sich der Erfolg nicht auf einen einzelnen Akteur reduzieren. Mindestens genauso wichtig ist die Disziplin. "Bei den Patriots herrscht ein strengeres Regime als bei anderen Teams, es wird militärisch gearbeitet. Ich habe viele Spieler erlebt, die zu den Patriots kamen und dann während der Saisonvorbereitung lieber in Rente gingen, weil ihnen alles zu streng war", sagt Vollmer.

Undiszipliniertheiten werden nicht geduldet. Bei vielen NFL-Teams ist es gang und gäbe, dass Top-Stars trotz eines gültigen Vertrages in den Streik gehen und ein höheres Gehalt fordern. In der diesjährigen Saisonvorbereitung zählten Ezekiel Elliott von den Dallas Cowboys und Melvin Gordon von den Los Angeles Chargers dazu. Die Pittsburgh Steelers hatten in Le'Veon Bell vergangene Saison sogar einen Schlüsselspieler, der die gesamte Saison aussetzte.

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Auch mit 42 der Superstar: Tom Brady.

(Foto: imago images / Icon SMI)

Bei den Patriots wäre das undenkbar. "Seit Jahren hat kein Spieler bei den Patriots mehr gestreikt", so Vollmer. "Die Patriots sagen: Wenn du nicht hier sein willst, dann gehe eben weg. Dann wird der Spieler ganz schnell entlassen oder getradet. Sie statuieren ein Exempel, damit andere Spieler eingeschüchtert sind und so etwas gar nicht erst machen."

Es gilt das Motto: Kein Star ist größer als das Team. Brady mag der beste Quarterback aller Zeiten sein, steht mit einem Jahresgehalt von 23 Millionen US-Dollar im NFL-Gehaltsranking aber lediglich auf Platz zwölf. Dabei wurde sein Gehalt in der Sommerpause erst um mehrere Millionen Dollar angehoben. Seit Jahren verzichtet er freiwillig auf Geld, damit mehr in die Mannschaft investiert werden kann. Ähnliches wird von den übrigen Spielern erwartet.

Belichick spekuliert darauf, dass viele Spieler einen "Gehalts-Rabatt" gewähren, um für New England spielen zu dürfen. "Es ist ganz einfach: Möchte dein Spieler einen Super Bowl gewinnen oder nicht", soll er oft zu den Spielerberatern gesagt haben – und bekam kurz darauf eine günstigere Vertragsunterzeichnung.

Wer Brady hat, braucht keine teuren Wide Receiver

"Die Patriots sind in der Regel nicht bereit, allzu viel Geld für einen einzelnen Spieler zu bezahlen", weiß Vollmer. Manchmal sei das auch überhaupt nicht notwendig, wie der frühere Offensive Liner erklärt: "Bei den Wide Receivern (Passempfänger, Anm.d.Red.) brauchen sie ohnehin nicht so viel Geld auszugeben, weil sie Tom Brady haben, der die Bälle so genau anbringt, dass auch ein nicht ganz so talentierter Mensch den Ball gut fangen kann." Ein gutes Beispiel ist Jakobi Meyers, der im diesjährigen Draft von keinem Team ausgewählt wurde, bei den Patriots dennoch einen Vertrag bekam und in der Preseason die meisten Receiving Yards der gesamten NFL vorzuweisen hatte.

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Bleibt die Frage, ob New England die Erfolgsgeschichte auch in der Saison 2019 fortschreiben kann. Die Saison beginnt für das Team in dieser Nacht zu Montag mit der Auswärtspartie bei den Pittsburgh Steelers. "Ich glaube sogar, dass die Patriots noch stärker sein werden als letzte Saison", sagt Vollmer. "Die Defense hat sich noch einmal verbessert. Mit Defensive End Michael Bennett und der Rückkehr von Jamie Collins und dem Rookie Chase Winovich können sie noch mehr Druck ausüben. Und die Offense ist sowieso gut." Ein Ende der Dominanz scheint also nicht in Sicht zu sein.

Wird Antonio Brown gebändigt?

Rund 24 Stunden vor dem ersten Saisonspiel gegen die Pittsburgh Steelers (in der Nacht auf Montag um 2:20 Uhr) produzierten die Patriots mit der Verpflichtung von Wide Receiver Antonio Brown noch einmal Schlagzeilen. Der möglicherweise beste Passempfänger der NFL gilt als eine schwierige Persönlichkeit. Bei den Oakland Raiders fehlte er mehrfach beim Training. Erst zog er sich in einer Kältekammer Frostbeulen an den Füßen zu. Dann weigerte er sich, seinen aus Sicherheitsgründen verbotenen Helm gegen einen neuen auszutauschen. Schlussendlich soll er den General Manager Mike Mayock bedroht haben, bevor er dann über die sozialen Medien seine Entlassung forderte – mit Erfolg. Nun kann Brown ab dem zweiten Spieltag für die Patriots auflaufen.

Und eines ist wohl sicher: Wenn es eine Franchise gibt, die diesen genialen wie auch schwierigen Spieler gebändigt bekommt, dann sind es die diszipliniert arbeitenden New England Patriots.

Quelle: n-tv.de

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