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"Fackellauf war ein Desaster" Pound schlägt auf IOC ein

Der ehemalige Chef-Dopingjäger Richard Pound hat IOC-Präsident Jacques Rogge den Fehdehandschuh hingeworfen. Der frühere IOC-Vize, bis Ende 2007 Vorsitzender der Welt-Anti-Doping-Agentur und 2001 im Kampf um die IOC-Führung unterlegen, machte am ersten Tag der 120. IOC-Session in Peking spektakulär auf sich aufmerksam: Fackellauf, Pressefreiheit und Doping - der Kanadier ließ nichts aus, schlug verbal auf das IOC ein und eröffnete den Wahlkampf für 2009, wenn im Oktober ein neuer IOC-Präsident gewählt wird.

Beim Umgang mit der Pressefreiheit in China und der Internetzensur habe es schwerwiegende Versäumnisse gegeben, kritisierte Pound und ergänzte: "Die jetzige Lösung ist nur unter Druck entstanden, das IOC hat Schaden genommen. Was das Problem von jemand anderem war, ist zu unserem Problem geworden. Man hätte das Thema viel eher und klarer angehen müssen."

Auch Barbara Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen Amnesty-International-Sektion, äußerte bei n-tv ähnliche Kritik am IOC: "Sie hätten viel früher und viel präziser nachfragen und fordern müssen, dass es in bestimmten Bereichen, wie bei der Medienfreiheit, Verbesserungen gibt - nicht nur für die ausländischen Journalisten und nicht nur für die Dauer der Olympischen Spiele, sondern vor allem auch für die Chinesen und Chinesinnen selber."


"Formidable Krise"

Mit Blick auf den Fackellauf sprach Pound bei der IOC-Session von einem Desaster: "Sogar Sie, Herr Präsident, mussten im April eine formidable Krise eingestehen. Nur die Erdbeben-Trägödie hat dazu geführt, dass die Aufmerksamkeit davon abgelenkt wurde." Eine IOC-Arbeitsgruppe habe schon im Vorfeld vom weltumspannenden Staffellauf abgeraten.

Der frühere Olympia-Schwimmer forderte, die Exekutive müsse die Ereignisse im Nachgang auswerten, was Rogge zusagte: "Wir haben aus der Situation rund um Staffellauf und Internet viel gelernt." Er versprach Veränderungen.

Auch den deutschen IOC-Vize Thomas Bach und seine juristische Kommission ging Pound an. Er bezweifelte, dass der ab Vancouver 2010 vorgesehene Ausschluss von Athleten für die nächsten Olympischen Spiele, wenn sie im Vorfeld mindestens sechs Monate wegen Dopings gesperrt waren, juristisch haltbar ist.

"Ich befürchte, die Bestimmung entspricht nicht dem WADA-Code. Wenn ein Anwalt die richtigen Fragen stellt, könnten wir Probleme bekommen", meinte der Kanadier, wie Bach selbst Jurist und vor einigen Monaten als Präsidentschafts-Kandidat für den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gescheitert. Zugleich betonte er aber, moralisch voll hinter der Regel zu stehen.

Bach sprang Rogge zur Seite

Bach verteidigte die seit Juli geltende Regel und sprang damit Rogge zur Seite, der schon vorher verkündet hatte: "Es bleibt dabei. Wir werden die Entscheidung der Exekutive nicht mehr kippen. " Es sei keine zusätzliche Sanktion, man behalte sich als IOC wie in der Charta beschrieben das Recht vor, selbst zu bestimmen, wer eine Olympia-Akkreditierung erhalte und wer nicht.

Schon wer in Peking erwischt wird, muss damit rechnen, 2012 in London nicht starten zu dürfen. Ertappte Wintersportler dürften nicht nach Vancouver. Auf nationaler Ebene ist ein derartiges Vorgehen bereits juristisch bestätigt worden. So lehnte das höchste britische Gericht eine Einstweilige Verfügung für Sprinter Dwain Chambers nach seiner Nicht-Nominierung wegen seiner Dopingvergangenheit durch das britische NOK ab. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat eine ähnliche Klausel.

Keine Kritik musste die IOC-Spitze indes für ihre finanzielle Bilanz des Jahres 2007 befürchten. Die Rücklagen der obersten Sportorganisation waren zum 31. Dezember 2007 auf 353 Millionen US-Dollar gewachsen und haben sich seit 2001 mehr als verdreifacht. Zudem kündigte Präsident Rogge weitere Steigerungsraten an.

Immer noch Probleme mit Internetzensur

Unterdessen gehen die Probleme mit Olympia-Gastgeber China weiter. Die Internetseite blog.de war heute zeitweise nicht erreichbar, auch zur Seite der BBC gab es kein Durchkommen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, in der von den nach Unabhängigkeit strebenden Uiguren bewohnten Region Xinjiang, wo am Montagmorgen 16 Polizisten getötet und 16 Beamte verletzt, sei das Internet lahmgelegt worden. Ähnlich hatte China im März in Tibet reagiert und dann die dortigen Demonstrationen gewaltsam niedergeschlagen.

Quelle: n-tv.de

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