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Start der Darts-WM 2020 Price will van Gerwen alt aussehen lassen

Michael van Gerwen (rechts) will seinen vierten Weltmeistertitel einfahren, hat aber vor allem in Gerwyn Price (links) einen starken Gegner.

Im Finale der Darts-WM 2020 könnten Gerwyn Price und Michael van Gerwen wieder aufeinander treffen.

(Foto: imago/PA Images)

Nach der britischen Unterhauswahl ist vor der Darts-Weltmeisterschaft. Im Londoner Alexandra Palace fliegen von heute an fast drei Wochen lang die Pfeile. Wer sind die Topfavoriten auf den Titel bei der 27. Weltmeisterschaft des Profidartsverbands? Wie stehen die Chancen der Deutschen? Dreimal hat Michael van Gerwen bereits den Titel bei der Darts-Weltmeisterschaft eingeheimst. 2014, 2017 und 2019 setzte sich der 30 Jahre alte Niederländer durch. Erfolgreich verteidigt hat er seinen Titel aber noch nie.

Gewinnt Michael van Gerwen seine vierte Weltmeisterschaft?

Man muss nicht der größte Darts-Experte sein, um zu wissen, dass MvG in einer eigenen Liga spielt. Seit der WM 2014 dominiert der Glatzkopf die Darts-Welt, hat neben der Weltmeisterschaft bereits jedes andere große Turnier mindestens einmal gewonnen. Er strahlt zwar nicht die Unbesiegbarkeit des 16-fachen Weltmeisters Phil Taylor aus, aber das hängt eher mit der Konkurrenz zusammen, die im Vergleich zu früher stärker geworden ist.

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Wenn Michael van Gerwen mitspielt, ist er der Topfavorit. Punkt. Allerdings hat sich im Verlauf der zweiten Jahreshälfte Gerwyn "The Iceman" Price ins Rampenlicht gespielt. Der ehemalige Rugby-Profi mischt zwar erst seit 2014 auf der Profitour mit, hat seitdem aber eine steile Entwicklung hingelegt. Nachdem er im November seinen Titel beim Grand Slam of Darts erfolgreich verteidige, ist der Waliser nun Weltranglisten-Dritter. Bei der WM 2020 - das Finale findet am Neujahrstag statt - könnten van Gerwen und Price frühestens im Finale aufeinander treffen. Im direkten Vergleich liegt der Niederländer klar vorne. Price hat von 21 Partien gegen van Gerwen nur eine gewonnen.

Wer hat Außenseiterchancen auf den WM-Titel?

Auf ein erfolgreiches Jahr blickt auch Rob Cross zurück. Der gelernte Elektriker gewann vor zwei Jahren völlig überraschend die WM bei seinem Debüt, als er Phil Taylor in dessen letztem Spiel in Rente schickte. In diesem Jahr hat Cross punktuell an die damaligen Leistungen angeknüpft. "Voltage" gewann im Sommer das zweitwichtigste Turnier des Jahres, das World Matchplay, und Ende Oktober die Europameisterschaft in Göttingen. Dennoch kommt er nicht ganz an das Niveau von MvG und Price heran. Cross profitierte bei seinen Erfolgen in diesem Jahr häufig von der schwachen Tagesform seiner Finalgegner.

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Peter Wright (rechts) gewann im Sommer das German Darts Masters im Finale gegen Gabriel Clemens (links).

(Foto: imago images / Herbert Bucco)

Auch Peter Wright rechnet sich gute Chancen aus. Der Mann mit den bunten Hosen und Haaren war spielerisch einer der stärksten Akteure in diesem Jahr. Jedoch bekam es der Schotte einmal zu oft mit den Nerven zu tun, als er im Finale der Champions League of Darts gegen van Gerwen mehrere Chancen zum Sieg leichtfertig liegen ließ. Das sollte ihm bei der WM nicht noch einmal passieren.

Nervenstark präsentierte sich dagegen Glen Durrant in seinem ersten Jahr bei der PDC. Der dreifache Weltmeister des Amateur-Dartverbands BDO spielte sich bei gleich drei wichtigen Ranglisten-Turnieren ins Halbfinale. Diese Konstanz zeichnet sein Spiel aus. "Duzza" wirft nicht die außerirdischen Darts eines Michael van Gerwen. Aber ihm reicht oft eine einzige Chance, um ein Leg zu gewinnen.

Vorjahres-Finalist Michael Smith stagniert dagegen. Immernoch wartet der hochveranlagte Engländer auf seinen ersten großen Turniersieg. Ob es damit ausgerechnet bei der WM klappt, darf bezweifelt werden. Zuletzt waren seine Leistungen arg schwankend. Ein Fragezeichen steht auch hinter Gary Anderson. "The Flying Scotsman" war im Frühjahr von Rückenproblemen zurückgeworfen worden. In der Folge merkte man ihm bei seinen wenigen Auftritten die fehlende Spielpraxis an. Von Zweitrunden-Aus bis zum dritten WM-Titel ist für Anderson alles drin.

Wie stehen die Chancen der Deutschen?

Drei Spieler aus Deutschland sind diesmal im "Ally Pally" dabei. Max Hopp ist bereits für die zweite Runde gesetzt. Gabriel Clemens und Nico Kurz müssen sich zunächst in der Runde der letzten 96 durchsetzen, bevor sie sich mit den etablierten Spielern messen dürfen. Kurz ist zum ersten Mal überhaupt qualifiziert. Der 22-Jährige trifft am 18. Dezember auf den erfahrenen Engländer James Wilson. Kann Kurz an seine Leistung vom German Darts Masters anknüpfen, als er Gary Anderson besiegte, ist die Auftakthürde machbar. Danach dürfte gegen die Nummer 15 der Welt, Joe Cullen, aber Endstation sein.

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Max Hopp könnte in der zweiten Runde in einem deutschen Duell auf Gabriel Clemens treffen.

(Foto: imago images/osnapix)

Dagegen ist Gabriel ein gar nicht mehr so geheimer Geheimtipp. Der "German Giant" aus dem Saarland trifft in Runde eins ebenfalls am 18. Dezember auf den Niederländer Benito van de Pas. Gewinnt Clemens, würde am 20. Dezember ein Duell mit Hopp warten. Es wäre wohl das meistgehypte Spiel in der noch jungen deutschen Darts-Geschichte - mit offenem Ausgang. Zwar trennen Hopp (24.) und Clemens (42.) in der Weltrangliste 18 Plätze, doch die konstanteren Leistungen hat in diesem Jahr Clemens gezeigt. Der Sieger des möglichen deutsch-deutschen Duells hätte mit einem weiteren Sieg die Chance, als erster Deutscher das WM-Achtelfinale zu erreichen.

Sind auch Frauen am Start?

Ja, zum zweiten Mal in Folge hat die PDC zwei Qualifikationsturniere exklusiv für Frauen ausgetragen. Aus England hat sich Fallon Sherrock qualifiziert. Die 25-Jährige trifft in Runde eins auf ihren jungen Landsmann Ted Evetts. Eine hohe Hürde, zumal Sherrock noch nie vor einer so großen Kulisse gespielt hat.

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Stärker einzuschätzen ist Mikuru Suzuki. Die Japanerin hat Anfang des Jahres als ungesetzte Spielerin die Frauen-WM der BDO gewonnen. Seitdem gilt sie als beste Frau im Darts-Zirkus. Das stellte sie beim Grand Slam im November unter Beweis, als sie gegen Gerwyn Price, den späteren Sieger, nur knapp mit 3:5 unterlag. Ihr Kontrahent bei der WM, James Richardson, sollte gewarnt sein.

Was wird sonst noch wichtig?

Zwei Jahre nach dem Abschied von Phil Taylor beendet auch der zweitbeste Darts-Spieler der Geschichte seine Karriere. Der fünfmalige Weltmeister Raymond van Barneveld spielt sein letztes Turnier. "Barney" hat Darts in den Niederlanden populär gemacht und genießt Volksheld-Status bei unseren Nachbarn. Am 14. Dezember trifft er zum Auftakt auf den US-Amerikaner Darin Young. Anschließend würde sein Landsmann Jeffrey de Zwaan warten. "Barney" selbst träumt davon, genau wie Taylor mit einem Finale abzutreten.

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Quelle: ntv.de