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Sport
Chris Froome steht seit der Vuelta 2017, die er gewann, unter Dopingverdacht.
Chris Froome steht seit der Vuelta 2017, die er gewann, unter Dopingverdacht.(Foto: picture alliance / Yuzuru Sunada)
Mittwoch, 14. Februar 2018

Toursieger startet in Saison: Radstar Froome ignoriert Dopingverdacht

Seit der Vuelta im September 2017 steht Chris Froome unter Dopingverdacht. "Das ist kein positiver Test", erklärt der Rad-Superstar und verspricht Aufklärung. Fünf Monate später fehlt diese noch immer - und Froome tritt in Andalusien wieder in die Pedale.

Chris Froome könnte aus Respekt ein viel beachtetes Zeichen setzen, doch der ins Zweilicht geratene Tour-Champion unterlässt es. Statt im Lichte seiner ungeklärten Salbutamol-Affäre im Hintergrund zu bleiben und den Ausgang seines Falls abzuwarten, steht der britische Radprofi bei der Andalusien-Rundfahrt erstmals in dieser Saison an der Startlinie. Letzte Zweifel zu seinem Gemütszustand zerstreute Froome am Dienstag mit einem Abreisefoto auf Twitter: "Ich kann's kaum erwarten, die Saison zu beginnen!"

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Froome versicherte dabei aufs Neue, dass er sein "Möglichstes" unternehme, "um sicherzustellen, dass die Dinge so schnell wie möglich gelöst werden". In seinem Interesse gelöst werden, hätte er wohl hinzufügen können, denn dass Froome und sein Team Sky ein grundsätzliches Interesse an einer schnellen Klärung haben, darüber darf trefflich diskutiert werden - wenngleich Froome sich mit seinem Start bei der Ruta del Sol im Rahmen der Regularien bewegt. Aber wie sonst ist zu erklären, dass inzwischen fast fünf Monate vergangen sind, seit der 32-Jährige bei der WM im letzten September in Norwegen über die positive Dopingprobe informiert wurde und nach wie vor keine schlüssige Erklärung vorliegt.

Dazu passt, dass Teamchef Dave Brailsford jüngst am Rande eines Rennens in Kolumbien beklagte, dass das Verfahren überhaupt öffentlich geworden sei. Hatte Brailsford nicht einst vehement für Offenheit und Transparenz geworben? Der neue UCI-Präsident David Lappartient vertritt den Standpunkt der Mehrheit. "Sky sollte Froome sperren", sagte der Franzose kürzlich. Er liegt damit auf einer Linie mit Rivalen Froomes - etwa mit dem Franzosen Romain Bardet oder dem Italiener Vincenzo Nibali. Der Chef des Radsport-Weltverbandes rechnet allerdings eher mit einem zehrenden Justizmarathon. "Es wird eine juristische Schlacht, die mindestens ein Jahr andauern könnte", glaubt Lappartient. Am Ende müssten im Schuldfall rückwirkend Ergebnisse wie etwa der Triumph bei der Vuelta gestrichen werden, während der Spanien-Rundfahrt war die fragliche Probe genommen worden.

"Lex Froome"

Eine Lex Froome gibt es ohnehin schon. Wenn es um einen unbedeutenden Fahrer gegangen wäre, wäre dieser längst suspendiert, vermutete der deutsche Profi Robert Wagner. Alle eint die Ungewissheit. "Wir stehen so ein bisschen im Leeren und warten auf eine Entscheidung", sagte der Tour-de-France-Etappenzweite Nikias Arndt unlängst der ARD.

Doch auf das Team Sky können sie sich dabei wohl kaum verlassen. Der ehemalige italienische Mannschaftsarzt Fabio Bartalucci attestierte seinem Ex-Arbeitgeber im Gespräch mit dem Internetportal cyclingnews.com einen Realitätsverlust: "Sir David Brailsford denkt, er kann alles kontrollieren, aber das ist jetzt eine seiner größten Schwächen, weil die Ereignisse ihn überrollt haben."

Interessant wird auch, wie das Publikum dem viermaligen Tour-de-France-Sieger begegnet. Gerade während der Frankreich-Rundfahrt hatte Froome in der Vergangenheit Ablehnung erfahren, erinnert sei an die Urin-Attacke im Jahr 2015. "Es wäre ehrenwert, sich selbst bis zu einer Lösung zurückzuziehen", findet der Amerikaner Jonathan Vaughters.

Vaughters war einst Helfer von Lance Armstrong, später als Kronzeuge an dessen Sturz beteiligt und ist als Teamchef beim EF-Drapac-Rennstall seit Jahren als Dopingbekämpfer bekannt. Einfach weitermachen sei "ein riesiges Problem für den Radsport", sagte Vaughters. Froome sieht das offenkundig anders.

Quelle: n-tv.de