Sport

Kein Kopfschmuck für NFL-Fans Rassistische Ureinwohner-Symbolik gestoppt

134902909.jpg

So gingen die Fans der Kansas City Chiefs jahrelang ins Arrowhead-Stadion.

(Foto: picture alliance/dpa)

Abermals erreicht die Rassismus-Debatte die Fans des American Footballs. Kopfschmuck zu tragen oder sich im Stil eines amerikanischen Ureinwohners zu schminken, gehört bei vielen Teams zur Tradition. Bei den Kansas City Chiefs wird diese jetzt gebrochen.

Bunte Kriegsbemalung, Kopfschmuck von Native Americans und grölende Zuschauer, die den imaginären Tomahawk schwingen - NFL-Fans hängen an ihren Traditionen. Doch die Teams gehen langsam mit der Zeit und trennen sich von rassistischen Symbolen mit Bezug auf amerikanische Ureinwohner. Die Kansas City Chiefs sind da als Super-Bowl-Sieger keine Ausnahme. Das Tragen von Haarschmuck und Gesichtsbemalung ist für Fans künftig verboten.

Ob der "Arrowhead Chop", eine Tomahawk-ähnliche Armbewegung, die normalerweise von einem Kriegsschrei begleitet wird, auch als rassistisches Symbol verboten wird, wird von der NFL noch geprüft. Für die Chief-Fans wäre das ein harter Schlag, denn das Gesangsritual trägt zum Ruf des Arrowhead-Stadions als lauteste Arena der Welt bei.

Nike und Pepsi machen Druck

Seit der Ermordung von George Floyd durch einen Polizisten in Minneapolis Ende Mai wird sich im US-Sport intensiver mit der historischen Darstellung rassistischer Symbole auseinandergesetzt. Das zunächst uneinsichtige NFL-Team Washington Redskins (deutsch: das entmenschlichende Wort Rothäute) bekamen dabei sogar den Druck seiner Geldgeber zu spüren. Ende Juli forderten die größten Sponsoren, darunter FedEx, Nike und Pepsi, den Klub dazu auf, seinen Namen und sein Logo zu ändern. Andernfalls werde man die Finanzierung einstellen. Während Teambesitzer Daniel Snyder noch haderte, stoppte Nike den Verkauf von Redskins-Fanartikeln.

Die Folge: Eine schnelle Kehrtwende bei Snyder, der jahrzehntelang gesagt hatte, den Namen niemals ändern zu wollen. Neben der Namensänderung zum Washington Football Team und einem veränderten Logo wurde auch gleich noch die Statue von Team-Gründer George Preston Marshall vor der alten Heimatstätte, dem Robert F. Kennedy Memorial-Stadium, abgerissen. Marshall hatte sich jahrzehntelang geweigert, schwarze Spieler in die Mannschaft aufzunehmen. Auch im neuen Stadion und auf der Trainingsanlage wurden jegliche Hinweise auf Marshall entfernt.

Als Washington Football Team wird der Klub aber nur interimsweise antreten. Mit dem Schritt wolle man sich Luft verschaffen, einen passenden neuen Namen zu finden. Den Verantwortlichen war die Zeit vor dem Auftaktspiel am 13. September gegen die Philadelphia Eagles schlicht zu kurz. Bis zum ersten Saisonspiel soll die Bezeichnung Redskins dann nirgends mehr zu lesen sein, die Teamfarben Burgunderrot und Gold bleiben unangetastet.

Nicht nur ein Problem im Football

Ein solcher Sinneswandel erfolgte in anderen Organisationen bereits viel früher. Hunderte Universitäten und Schulen hatten in den letzten Jahren Mannschaftsnamen und Maskottchen mit Bildsprache der Ureinwohner abgeschafft. Die Chicago Blackhawks (NHL), die Atlanta Braves oder die Cleveland Indians (beide MLS) sträuben sich weiterhin, Namen und Logos zu ändern - sie suchen andere Wege, um in der Rassismusdebatte ein Zeichen zu setzen. Während bei den Cleveland Indians das Maskottchen Chief Wahoo abgeschafft wurde, verboten die Blackhawks ebenfalls das Tragen von Native-American-Schmuck in ihrem Stadion.

So wird man auch bei den Kansas City Chiefs keine derartige Symbolik mehr finden. Der amtierende NFL-Champion hofft, Spieler und Fans auf anderen Wegen vereinen zu können. Das würde auch den Druck auf verbleibende Teams mit Maskottchen und Logos der amerikanischen Ureinwohner erhöhen. Zunächst gibt es aber ohnehin keine Profi-Spiele mit Fans in den USA.

Quelle: ntv.de, mit sid/dpa