Gout Gout knackt Usain BoltDer schnellste Teenie der Welt macht die Leichtathletik verrückt

Das australische Lauf-Wunderkind Gout Gout setzt das nächste Ausrufezeichen. Bei den nationalen Meisterschaften stürmt der erst 18-Jährige zu einer neuen Fabelzeit. Das weckt immense Hoffnungen und sorgt für die ganz großen Vergleiche.
Auch Wunderkinder fangen mitunter gemächlich an. Vor fünf Jahren noch trainierte Gout Gout, damals 13 Jahre alt, nur zwei Mal in der Woche. In der Grammar School in Brisbane war er 2020 mit dem Leichtathletik-Training eingestiegen. Zuvor spielte er Fußball. Dort und bei einem Schulevent fiel er durch seinen Speed auf.
Erst 2021 startete er dann richtig in der Lauf-Gruppe von Coach Di Sheppard durch. "Sie hat mir im Grunde gesagt, dass ich Großes leisten könnte, und das war das erste Mal, dass mir jemand so etwas gesagt hat", erklärte er rückblickend. "Seitdem haben Di und ich eine fantastische Beziehung." Bis heute coacht und berät sie ihn. Seit dieser Zusammenarbeit ging es für Gout Gout schnell nach oben, die Zeiten radikal nach unten.
Mit dem Ergebnis, dass im Frühling 2026 aus dem Talent die wohl größte Sensation der Sprint-Welt geworden ist. Am Sonntag zerschmetterte Gout Gout erneut den 200-Meter-Rekord Australiens. Bei den Meisterschaften in Sydney stürmte er zu einer Fabel-Zeit von 19,67 Sekunden. So schnell war noch kein U20-Läufer auf dieser Strecke zuvor.
Bolt macht selbst den Vergleich auf
Aber nicht nur das. Mit dieser Jahresbestzeit hätte er bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris sogar die Bronzemedaille gewonnen. In der Alltime-Liste katapultierte er sich direkt auf Rang 16. Um ihn herum nur Stars der Szene. Das weckt große Hoffnungen. Ist aus dem Versprechen auf die Zukunft schon die Gegenwart geworden?
Natürlich zieht er mit einer solchen Performance wie am Wochenende schnell die Vergleiche zu Sprint-Legende Usain Bolt auf sich. Das liegt in der Natur der Sache. Der Jamaikaner befeuerte diese sogar selbst, als er einst ein Foto von Gout postete mit dem Text: "Er sieht aus wie ich in jungen Jahren." Tatsächlich könnte man manchmal meinen, der junge Usain Bolt spurtet auf der Bahn. Der Laufstil, die Größe, die Dominanz. Es kommt nicht von ungefähr.
Auch der Youngster hat sich hinsichtlich der immer wiederkehrenden Vergleiche positioniert. "Natürlich fühlt es sich in dem Moment toll an, denn jeder möchte mit Usain verglichen werden", sagte er einmal. "Manchmal wird es allerdings etwas überwältigend, aber jetzt, wo ich erwachsen und etwas reifer geworden bin, hilft mir mein Umfeld wirklich dabei, auf dem Boden zu bleiben." Auch wenn er wie Bolt laufe und ihm in ein paar Punkten ähnlich sehe, versuche er, "einfach ich selbst zu sein".
Er wächst gerade in eine Rolle, die wohl größer ist als er selbst. Die Sport-Welt giert nach hoffnungsstiftenden Durchstartern. Die übergroßen Schuhe von Bolt wurden bisher nicht neu besetzt. Bolts Weltrekorde haben seit der WM 2009 in Berlin Bestand: 9,58 Sekunden über die 100 Meter und 19,19 Sekunden über die doppelte Distanz. Das inspiriert Gout Gout zu neuen Rekord-Träumen. Der schnellste Teenager der Welt ist er nun schon. Der übergroße Showman wie Bolt aber noch nicht. Doch nach seinem Triumph in Sydney sprang er freudestrahlend und grinsend durch die Gegend – wie ein Großer.
Hype beginnt Ende 2024
Den ersten größeren Hype kreierte Gout im Jahr 2024. In Brisbane lief er damals die 200 Meter in beeindruckenden 20,04 Sekunden und knackte damit den australischen Rekord, gleichzeitig war es die schnellste je gelaufene Zeit eines 16-Jährigen. Die erste Bolt-Marke musste dran glauben. Der Jamaikaner war als 17-Jähriger 2003 die 200 Meter in 20,13 Sekunden gelaufen.
2025 verbesserte Gout die Zeit sogar auf 19,84 - eine weitere Steigerung, die ihm aber wegen des zu starken Rückenwindes nicht offiziell anerkannt wurde. Störte ihn aber nicht weiter. In seinem ersten Rennen in Europa stellte er in Ostrava (Tschechien) über die 200 Meter wieder eine Bestzeit auf und gewann.
Spätestens jetzt ist der das nächste große Sport-Ding in Australien. Es ist ein rasanter Aufstieg für den 18-Jährigen, der als eines von sieben Kindern seiner Eltern 2007 in Ipswich (Australien) geboren wurde. Die Familie war zwei Jahre zuvor aus dem Südsudan - einem der ärmsten Länder der Welt, geprägt von Krisen und Konflikten - eingewandert. Bei der Immigration gab es einen Übersetzungsfehler, der Name Guot wurde zu Gout, so beschrieb es sein Vater. Der Name blieb und steht jetzt für Top-Speed.
Gouts Markenzeichen ist die brachiale Endbeschleunigung auf den zweiten 100 Metern. Am Sonntag lief er sensationelle 9,23 Sekunden auf dem zweiten Teil der Strecke. Eines der schnellsten Finishs überhaupt und erneut schneller als Bolt.
Der Fokus liegt vorerst auf den 200 Metern. Noch fehlt etwas die Power aus dem Startblock für die kürzere Distanz. Diese soll er sich in den kommenden Jahren Stück für Stück erarbeiten und über beide Distanzen angreifen. Die aktuelle Bestzeit über die 100 Meter: 10,0 Sekunden. Da ist noch viel Luft nach unten.
"Große Last" fällt von Gouts Schultern
Gepusht wurde er bei seinem jüngsten Erfolg überraschend von Landsmann Aidan Murphy, der in 19,88 Sekunden ebenfalls die 20-Sekunden-Marke knackte. Bemerkenswert: Sieben Läufer stellten bei dem Rennen eine persönliche Bestzeit auf. "Darauf habe ich gewartet", jubelte Gout nach dem Rennen. "Wir haben so unglaubliche Athleten in Australien, und da ich gegen diese Athleten antreten kann, treiben wir uns gegenseitig an unsere Grenzen. Zwei Australier unter 20 Sekunden. Ich meine, das ist unglaublich."
Es sei eine "große Last von den Schultern genommen, zu wissen, dass ich die Strecke regelkonform gelaufen bin und dass ich die Geschwindigkeit und die körperliche Verfassung habe, um solche Zeiten zu laufen", sagte er weiter. "Es fühlt sich also definitiv großartig an, und ich bin bereit für mehr." Gout hatte zuletzt angekündigt, dass er die Commonwealth Games im Juli auslassen werde, um sich voll auf die U20-Weltmeisterschaften Anfang August in Oregon zu konzentrieren. Auch dort ist Großes zu erwarten.
Eine Ebene drüber, bei der Leichtathletik-WM 2025, schied er noch im Halbfinale aus. Daran sollten sich seine Konkurrenten nicht gewöhnen. Der Blick geht schon viel weiter. 2032 finden in Brisbane die Olympischen Spiele statt. Es soll ein großes Heimspiel für Gout Gout werden, der dann erst 24 Jahre alt sein wird. Womöglich dann voll in seiner Prime. Doch bei dem Aufstieg Gouts liegt eine andere Wegmarke ja viel näher: Olympia 2028 in Los Angeles. Die Zukunft gehört ihm, sie ist sogar schon da.